Hier will die Stadt Essen Flüchtlinge unterbringen

Im Hexbachtal sollen auf einem Waldstück auf dem Areal der ehemaligen Ziegelei Schacht Kronprinz Flüchtlingsunterkünfte entstehen.
Im Hexbachtal sollen auf einem Waldstück auf dem Areal der ehemaligen Ziegelei Schacht Kronprinz Flüchtlingsunterkünfte entstehen.
Foto: Fremdbild
Essens OB wirbt für Bau von festen Unterkünften. Ihre Pläne hat die Verwaltung überarbeitet, Landschaftsschutzgebiete bleiben aber nicht verschont.

Essen.. Oberbürgermeister Thomas Kufen hat die Vorschläge der Verwaltung zur Unterbringung von Flüchtlingen präzisiert. 8700 Plätze will die Stadt schaffen, möglichst viele davon noch in diesem Jahr.

Freiflächen

Von den 15 Freiflächen, welche die Planungsverwaltung vor Wochen vorgeschlagen hat, sind sieben übrig geblieben, darunter auch fünf Landschaftsschutzgebiete.

Platz für 400 Flüchtlinge will die Stadt im Hexbachtal in Bedingrade schaffen. Mit festen Unterkünften bebaut werden sollen jedoch nicht wertvolle Ackerflächen, sondern ein 21.000 Quadratmeter großes Waldstück auf dem Gelände der ehemaligen Ziegelei Schacht Kronprinz an der Straße Im Fatloh. Der Eigentümer Thyssen-Krupp ist bereit, das Areal, das unmittelbar an eine Gewerbegebiet grenzt, zu verkaufen. Damit es bebaut werden kann, müsste der Wald bis Ende Februar gerodet werden. Im Februar 2017 könnten die ersten Bewohner einziehen.

In Haarzopf sollen 600 Flüchtlinge am Spielkampsweg/Hatzper Straße untergebracht werden. Ausgeguckt hat die Planungsverwaltung eine 23.000 Quadratmeter große Fläche nördlich der Hatzper Straße. Auch diese liegt im Landschaftsschutzgebiet. Wird die Stadt sich mit den Eigentümern über einen Kauf schnell einig, könnten die Unterkünfte im Juni 2017 bezogen werden. Voraussetzung dafür, dass gebaut werden kann, ist allerdings ein positives Gutachten zur Lufthalteplanung. Die ursprünglich vorgesehenen landwirtschaftlichen Flächen südlich der Hatzper Straße blieben von einer Bebauung verschont.

Im Landschaftsschutzgebiet in Leithe will die Stadt zu beiden Seiten der Lahnbeckestraße insgesamt 19.000 Quadratmeter mit Unterkünften für 400 Flüchtlinge bebauen. Größtenteils handelt es sich um Wald. In einem Jahr könnten Flüchtlinge ihre festen Quartiere beziehen.

Plätze für 800 Flüchtlinge sollen auf einer 24.000 Quadratmeter großen Freifläche an der Straße Am Handwerkerpark in Katernberg entstehen. Der Eigentümer, die RAG Montan, würde die Unterkünfte bauen und an die Stadt vermieten.

Ebenfalls 800 Plätze sollen an der Hövelstraße/Bäuminghausstraße in Altenessen entstehen. Der Eigentümer, die Wirtschaftsvereinigung der Bauindustrie, würde kurzfristig Unterkünfte bauen und ebenfalls an die Stadt vermieten. Weitere 800 könnten bis Juni 2017 in Altenessen an der Nordsternstraße auf dem Areal gebaut werden. Das städtebauliche Ziel für eine Marina werde damit nicht aufgegeben, heißt es. Beide Altenessener Flächen stehen nicht unter Landschaftschutz.

Insgesamt ließe sich auf den vorgenannten Freiflächen Platz für 3800 Flüchtlinge schaffen. Hinzu könnten weitere 400 Plätze an der Wallneyer Straße in Bredeney kommen. Planungsrechtlich wäre der Bau von Unterkünften möglich. Fraglich ist, ob eine Artenschutzprüfung eine Bebauung zulässt. Aus Gründen der „sozialen Symmetrie“ bleibe die Fläche auf der Liste potenzieller Standorte, so OB Kufen.

Zeltdörfer

Sieben Zeltdörfer sind belegt, ab Ende Februar sollen drei weitere hinzu kommen: an der Hamburger Straße in Frohnhausen, an der Levinstraße in Dellwig und der Vaestestraße in Burgaltendorf.

An mindestens vier dieser insgesamt zehn Standorte will die Stadt Zelte durch feste Bauten ersetzen. Unterkünfte für jeweils 400 Flüchtlinge sollen so an der Bonifaciusstraße in Schonnebeck entstehen, an der Erbslöhstraße in Altenessen und an der Vaestestraße in Burgaltendorf. Platz für weitere 200 Flüchtlinge will die Stadt in festen Unterkünften am Pläßweidenweg in Horst schaffen. Die Verwaltung rechnet mit bis neun Monaten Bauzeit.

Ob weitere Zeltstandorte für eine Bebauung mit festen Unterkünften geeignet sind, soll laut Baudezernentin Simone Raskob geprüft werden. Raskob nannte ausdrücklich die Levinstraße in Dellwig. Ausgeschlossen sei, dass Unterkünfte auf dem Gelände des ehemaligen Matthias-Stinnes-Stadions in Karnap gebaut werden, da der Eigentümer RWE die Fläche der Stadt nur vorübergehend überlassen habe. Sozialdezernent Peter Renzel kündigte an, dass die Stadt im dortigen Zeltdorf ausschließlich Familien unterbringen wird. Alleinreisende Männer sollen verlegt und auf Standorte verteilt werden.

Mietobjekte/Wohnungen

Die Verwaltung steht in Verhandlungen über die Anmietung von sechs Objekten mit Kapazitäten für 50 bis 550 Flüchtlinge. Es handelt sich um nicht näher benannte Gebäude an der Cathostraße in Bergeborbeck, an der Straße Im Teelbruch in Kettwig, am Limbecker Platz in der Innenstadt und an der Münchener Straße in Frohnhausen. Wie viele Menschen sich dort jeweils unterbringen lassen, sei offen.

Platz für 500 Flüchtlinge böte eine Büroimmobilie an der Ruhrallee in Bergerhausen, unweit der Zornigen Ameise gelegen. Bis Ende des Ende des Jahres sollen die Objekte bezogen werden. Weitere 550 Personen will die Stadt, wie berichtet, im ehemaligen Kloster am Schuirweg unterbringen, frühestens wäre dies ab 2017 möglich, da das Gebäude umgebaut werden muss.

Die Anmietung von Wohnungen will die Stadt forcieren. Nach Schätzungen der Verwaltung stehen bis zu 10 000 leer. Planungsdezernent Hans-Jürgen Best warnte jedoch vor zu hohen Erwartungen. Essen ließe sich nicht mit Wuppertal oder Gelsenkirchen vergleichen. Dort sei der Leerstand viel höher.

Wohnbauflächen/Brachen

Wie berichtet, sollen Flüchtlingsunterkünfte auch auf einer Reihe von städtischen Grundstücken entstehen, die eigentlich für den Wohnungsbau vorgesehen waren. Jeweils 200 Plätze will die Stadt bis Ende des Jahres an der Antropstraße in Überruhr schaffen, an der Barkhovenallee/Ecke Jacobsallee in Heidhausen, an der Bruchstraße in Stoppenberg, an der Nöggerathstraße in Altendorf und ebenfalls an der Nöggerathstraße auf dem Gelände des ehemaligen Spaßbades Oase in Frohnhausen.

Unterkünfte für weitere 200 Flüchtlinge sollen auf einem Grundstück an der Neustraße in Borbeck. Den Beschluss für den Bau einer Vorzeigesiedlung für den Klimaschutz müsste der städtische Planungsausschuss erst wieder zurücknehmen.

Behelfseinrichtungen

Eigentlich sollten sie so schnell wie möglich geschlossen werden, so hatte es der Rat der Stadt im März 2015 beschlossen. Nun soll dieser Beschluss bis auf weiteres zurückgestellt werden: Die Behelfseinrichtungen in den ehemaligen Schulgebäuden an der Tiegelstraße im Nordviertel, an der Hatzper Straße in Haarzopf, an der Kapitelwiese in Stoppenberg, an der Oslenderstraße in Dilldorf, an der Straße Im Neerfeld in Frintrop sowie die Einrichtung an der Pregelstraße in Bergerhausen böten damit weiterhin Platz für 900 Flüchtlinge.

EURE FAVORITEN