„Hier darf jeder schief singen“

Julia Bodlin

Wenn sich internationale Sängerinnen und Sänger aus Spanien, Kroatien, Mülheim und Bredeney auf einer Rüttenscheider Bühne die Klinke in die Hand geben, dann kann es sich bei diesem Event eigentlich nur um das „Banditensingen“ handeln.

Zum fünften Mal luden Gabriel Gedenk und Stella Sotgia in ihre Bar „Banditen wie wir“ zu diesem doch recht ungewöhnlichen Adventssingen ein. Diesmal allerdings in der neuen Location an der Kahrstraße, dort wo die „Banditenbar“ seit einigen Monaten ihr neues Zuhause hat. Laut Tino Kahl von der Band „Ole Pistole“, die die Sänger beim Adventssingen begleitet, sei es hier „noch enger und noch kleiner“ – womit er auch nicht ganz Unrecht hat. Mit dem Umzug nach Rüttenscheid hat sich die Bar verkleinert, doch teilhaben am „Banditensingen“ wollte offensichtlich jeder, der in den letzten Jahren auch schon an der Cäcilienstraße mit dabei war.

Und irgendwie, so scheint es, noch einige mehr. Viel Platz gab es an diesem Abend jedenfalls nur wenig. Ausverkauftes Haus und somit ein deutliches Zeichen dafür, dass die Veranstalter wohl alles richtig gemacht haben. Kein Wunder, ist das Konzept schließlich außergewöhnlich. Karaoke kann ja jeder, aber Gäste, die auswendig einen Song singen und das Haus rocken, sind vermutlich nicht in vielen Essener Läden zu finden. Da gehört schon ein bisschen Textsicherheit und Selbstvertrauen zu. In erster Linie aber zweifellos der Spaß.

Den haben die Gäste dann auch fortan, als Moderator Alex Reintges „eine männliche Performance mit rührseligem Song“ ankündigt und Kay Shanghai auf die Bühne bittet. Äußerst gefühlsbetont eröffnet der „Hotel Shanghai“-Inhaber den Abend mit dem Song „Balu“ von der Band „Kettcar“.

Annabell Jujol gesteht vor ihrem Auftritt: „Ich kann gar nicht singen. Wenn ich singe, sagen alle immer, ich solle aufhören“, lacht sie. Gut, bei Dieter Bohlen wäre sie vielleicht nicht in die nächste Runde gekommen. Aber ihren Auftritt mit einem spanischen Song von Gloria Estefan meistert die Amateurin gemeinsam mit einer Freundin dann doch überaus souverän.

Und außerdem, so weiß Björn Fehl, der wenig später den Song ‚Just a man’ von seiner persönlichen Lieblingsband ‚Faith no more’ zum Besten gibt, dürfe hier jeder schief singen. Gut so.