Hersteller baut auf A40 acht Blitzer der Stadt Essen ab

Marcus Schymiczek
Starenkästen an der A40 ( vor der Ausfahrt Gelsenkirchen wenn man aus Essen kommt und direkt nach der Auffahrt auf die A40 wenn man aus Gelsenkirchen kommt ) werden abmontiert.
Starenkästen an der A40 ( vor der Ausfahrt Gelsenkirchen wenn man aus Essen kommt und direkt nach der Auffahrt auf die A40 wenn man aus Gelsenkirchen kommt ) werden abmontiert.
Foto: Kerstin Kokoska WAZ/FotoPool
Die acht Starenkästen an der Stadtgrenze zu Gelsenkirchen bescherten der Stadt Essen satte Einnahmen. Auf Anordnung des Landes – gegen den Willen der Stadt – wurden sie 2012 stillgelegt. Am Donnerstag demontiert der Hersteller die letzten vier Blitzer. In der „Buderuskurve“ aber blitzt die Stadt weiter.

Essen/Gelsenkirchen. Der letzte Temposünder ist dort bereits im September 2012 geblitzt worden. Seitdem sind die acht Starenkästen auf der A 40 an der Stadtgrenze zu Gelsenkirchen blind. Wer dennoch den Fuß vom Gas nimmt oder gar in die Eisen tritt, lässt sich irritieren von den mit Plastiktüten verhängten Kameras.

Von Donnerstag an dürfte sich der Verkehrsfluss an der einstigen „Gefahrenstelle“ spürbar erhöhen, heißt es beim Landesbetrieb Straßen NRW. Denn Mitarbeiter des Herstellers Jenoptik Robots haben am Mittwoch damit begonnen, die „Blitzer“ vom Typ „Traffistar S 300“ zu demontieren, die letzten vier Geräte von insgesamt acht werden heute entfernt.

Es ist das letzte Kapitel einer zähen Auseinandersetzung zwischen der Stadt Essen und dem Land. Letzteres hatte per Verfügung der Bezirksregierung Düsseldorf darauf gedrängt, dass die Radaranlagen wieder verschwinden. Begründung: Der so genannte Unfallschwerpunkt ist keiner mehr, seit die A 40 an der Stadtgrenze von vier auf sechs Spuren ausgebaut worden ist, weder in die eine, noch in die andere Richtung.

Weniger Unfälle nach Ausbau der A40

Verkehrsminister Michael Groschek (SPD) belegte dies gegenüber dem Landtag mit Zahlen: Vor dem Ausbau waren 2008 noch 54 Unfälle in jede Fahrtrichtung gezählt worden. Nach dem Ausbau krachte es in Fahrtrichtung Dortmund im Zeitraum von Oktober 2012 bis Juni 2013 nur noch 13 Mal, in Gegenrichtung zehn Mal. Der Autobahnausbau sei somit „maßgeblich für die Verbesserung der Verkehrssicherheit“, schlussfolgerte der Minister.

Die Stadt Essen hätte es wohl gerne gesehen, wenn die „Blitzer“ dennoch in Betrieb geblieben wären. Spülten Temposünder doch pro Jahr 800 000 Euro in die Stadtkasse. Seit Inbetriebnahme der Anlage 2006 verbuchte der Kämmerer dank der Verkehrsüberwachung an der Stadtgrenze Einnahmen in Höhe von fünf Millionen Euro.

Dass die Anlage trotz des Erlasses der Bezirksregierung nicht umgehend abgebaut wurde, begründete eine Sprecherin der Stadt noch im Oktober vergangenen Jahres mit Verweis auf die vom Kämmerer erlassene Haushaltssperre mit den hohen Kosten. In Rede stand eine fünfstellige Summe. Schön für die Stadt, dass dafür nun Straßen NRW aufkommt.

Buderuskurve: 66.000 Temposünder 2013

Die Kameras verbleiben in städtischem Besitz und sollen wenn möglich als „Ersatzteillager“ genutzt werden. Wahrscheinlich aber werden sie verschrottet. Ausgezahlt hat sich ihre Anschaffung allemal, die Stadt investierte seinerzeit 360 000 Euro in die Technik.

Ungeachtet von der Demontage wird auf der A 40 weiter geblitzt, die Radargeräte in der trotz des Ausbaus nach wie vor gefahrenträchtigen Buderuskurve bleiben scharf gestellt. Im vergangenen Jahr wurden hier 66.000 Temposünder geblitzt, die Stadt nahm 614.000 Euro ein.