„Herr Professorin“ - Nicht in Essen

„Professorin“ werden an der Uni Leipzig künftig auch Männer genannt. Zumindest in internen Schreiben und der Hochschulverfassung. Ein Akt auf dem Weg zur Gleichbehandlung, heißt es in Leipzig.
„Professorin“ werden an der Uni Leipzig künftig auch Männer genannt. Zumindest in internen Schreiben und der Hochschulverfassung. Ein Akt auf dem Weg zur Gleichbehandlung, heißt es in Leipzig.
Foto: Jakob Studnar
Vorstoß der Uni Leipzig, künftig nur noch weibliche Bezeichnungen zu benutzen, stößt durchaus auf Interesse. Nahmahmen will es aber niemand

Essen. Die Uni Leipzig will künftig in ihrer Hochschul-Verfassung nur noch weibliche Bezeichnungen benutzen. Mit „Professorin“ ist damit künftig auch ein Mann gemeint. Damit will die Uni einen symbolischen Akt zu mehr Gleichberechtigung in der Wissenschaft vollziehen.

Am Sprachgebrauch soll sich nichts ändern. Das hat bundesweit eine Welle aus Empörung und Spott über die Hochschule gebracht.

Nicht den Weg der Uni Leipzig gehen

Dass auch an der Uni Duisburg-Essen künftig von „Herr Professorin“ die Rede sein wird, ist dagegen nicht zu erwarten: „Ich bin der Uni Leipzig sehr dankbar, dass sie das Thema erneut in die öffentliche Diskussion gebracht hat“, sagt Ute Klammer, die Prorektorin für Diversität an der Uni Duisburg-Essen.

„Geschlechtergerechte Sprache ist ein Problem, und es ist gut, möglichst breite Teile der Öffentlichkeit dafür zu sensibilisieren. Wir als Uni sind sogar gesetzlich dazu verpflichtet. Den Weg der Uni Leipzig, künftig nur noch die weibliche Form zu benutzen, werden wir aber nicht gehen“, betonte Klammer.

„Sehr gelungene Provokation“

An der Folkwang-Universität der Künste, die ihren Hauptsitz in Werden hat und weitere Standorte in Bochum, Dortmund und Duisburg, gibt es eine Rektorats-Beauftragte für den Umgang mit Diversität und Geschlechterfragen: Karoline Spelsberg. Die Akademische Rätin beurteilt den Vorstoß der Uni Leipzig als „sehr gelungene Provokation“. Die Idee, in internen Schriften nur noch die weibliche Form zu benutzen, konterkariere den jahrzehntelangen Sprachgebrauch, an dem sich seit Jahrzehnten angeblich niemand störe – das „Frau Professor“.

An der Folkwang-Uni würden neue Schriftsätze mit beiden Formulierungen verfasst, das heißt: „Professor“ und „Professorin“ — oder neutral, wie „Studierende“. Auf die weibliche Form zu verzichten mit dem Hinweis, der weibliche Anteil werde immer mitgedacht, ist Karoline Spelsberg zu wenig: „Man muss diesen Teil nicht nur mitdenken, sondern auch entsprechend adressieren.“

20 Prozent der Professuren von Frauen besetzt

An der Folkwang Universität der Künste sind 21 Prozent Professorinnen. Der weibliche Anteil unter den Studierenden liegt bei 55 Prozent. An der Uni Duisburg-Essen liegt der Anteil der Professuren, die von Frauen besetzt sind, bei rund 20 Prozent. Das ist in etwa Landesschnitt.

Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadtverwaltung Essen, Gerda Kaßner, beurteilt das Vorgehen der Uni Leipzig als „mutigen, öffentlichkeitswirksamen Schritt“. Im Rathaus sei man ebenfalls dazu verpflichtet, geschlechtsneutral zu formulieren – dann ist eben von „Fachbereichsleitungen“ die Rede, nicht nur von „Fachbereichsleitern“, obwohl der Job auch von Frauen gemacht wird.

 
 

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