Heinz Nixdorf Recall-Studie feiert Zehnjähriges

Seit zehn Jahren gibt es die Heinz Nixdorf Recall-Studie am Uniklinikum Essen. Die bislang gewonnenen Erkenntnisse sind bereits veröffentlicht – und fanden große Resonanz. So belegen Ärzte Zusammenhänge von Gefäßerkrankung und Herzinfarkt.

Essen.. Mit rund 4800 Teilnehmern startete vor zehn Jahren die Heinz Nixdorf Recall-Studie am Uniklinikum Essen; eine Langzeitstudie, die helfen soll, Methoden zu entwickeln, mit denen sich Herzerkrankungen künftig frühzeitig erkennen lassen, um so das Risiko des Herztodes oder Herzinfarkt es zu verringern. Rund 1300 Zuhörer kamen jetzt in die Philharmonie, um das Jubiläum der Studie zu feiern – und sich über die bisherigen Ergebnisse sowie das weitere Vorgehen zu informieren. „Wir sind sehr stolz, dass wir mit einer wissenschaftlichen Veranstaltung so viele Menschen erreicht haben“, sagt Professor Raimund Erbel, Direktor der Kardiologie am Uniklinikum.

Dabei: Die bislang gewonnenen Erkenntnisse sind nicht geheim, sondern bereits veröffentlicht – und fanden große Resonanz. „Als wir vor zehn Jahren begonnen haben, war noch nicht bekannt, dass Gefäßerkrankungen maßgeblich sind für das Infarktrisiko. Diesen Nachweis haben wir erbracht“, sagt Erbel. Ebenso habe man bewiesen, dass bildgebende Verfahren Gefäßerkrankungen und damit das Risikopotenzial besser darstellen als Biomarker, Gentests oder etwa Blutdruckuntersuchungen.

„Der Rücklauf liegt bei 90 Prozent“

Jährlich werden die Teilnehmer aus Essen, Bochum und Mülheim befragt, „der Rücklauf liegt bei 90 Prozent“, sagt Erbel, „das ist sehr hoch.“ Zwar lebten nicht mehr alle der eingangs 4800 Befragten, umso wertvoller seien jedoch auch die Daten der Verstorbenen, denn auch sie erlaubten Rückschlüsse. Eine ständige Fortschreibung des Datenmaterials gebe es jedoch nicht. „Wir sind ja nicht in die Behandlung einbezogen, sondern sammeln lediglich die Daten und fungieren als wissenschaftliche Beobachter.“

Mit dem Vorwissen um die Bedeutung der Gefäßerkrankung legt das Team um Erbel nun die dritte Untersuchungsreihe auf. Hinweise gebe es, dass Gefäßerkrankungen ursächlich sein können für Krebs oder andere chronische Erkrankungen bzw. diese verstärken. „Ein weiteres besonderes Augenmerk wird dabei auf die geistige und körperliche Beweglichkeit und auf gesundheitliche Einflüsse der alltäglichen Arbeit gelegt“, sagt Erbel. Im Fokus der Wissenschaftler liegt aber auch die generationsübergreifende Forschung. So sollen nun auch Kinder und Partner der Studienteilnehmer untersucht werden, um herauszufinden, ob und inwieweit Risikofaktoren, vererbte Faktoren und Umweltfaktoren sowie soziale und psychosoziale Bedingungen die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen beeinflussen.

„Ungünstige und schädigende Einflüsse“

Welchen Rat Erbel - abgeleitet aus den ersten beiden Teilen der Nixdorf Recall-Studie - Patienten mit auf den Weg gebt: „Man weiß, dass ungünstige und schädigende Einflüsse das Herzinfarktrisiko verstärken.“ Nicht Rauchen, mehr Bewegung, gesunde Ernährung, die regelmäßig frisches Obst und Gemüse auf dem Speiseplan beinhaltet. Was bekannt klingt, Patienten von jedem Hausarzt als Ratschlag mit auf den Weg gegeben wird. Raimund Erbel lacht, wertet dieses Wissen, diese Ratschläge als Beweis für die Reichweite und Popularität der Studie: „Als wir vor zehn Jahren mit der Arbeit angefangen haben, war nicht bekannt, wie gut das Gefäßgedächtnis arbeitet. Man kann zwar die Risikofaktoren im Laufe des Lebens reduzieren, also mit dem Rauchen aufhören oder seine Ernährung bewusster gestalten.“ Vergessen würden die Gefäße körperlichen Raubbau jedoch nicht, der sich auch Jahre, Jahrzehnte später noch an Fett- und Kalkablagerungen in den Gefäßen nachweisen ließe.

 
 

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