Hauptsache man sieht sich

Die Polizei geht verstärkt gegen Lichtmuffel vor und kündigt Verkehrskontrollen für den Herbst an
Die Polizei geht verstärkt gegen Lichtmuffel vor und kündigt Verkehrskontrollen für den Herbst an
Foto: WAZ FotoPool
Für den Herbst kündigt die Essener Polizei Verkehrskontrollen an, um gegen die Lichtmuffel vorzugehen.

Essen. In zwei Tagen ist Herbstbeginn. Die dunkle Jahreszeit beginnt – und damit steigen die Unfallgefahren. Vor zwei Jahren registrierte das Polizeipräsidium in Essen und Mülheim die meisten Crashs (2587) im November.

Das Herbstlaub macht die Straßen rutschiger. Vor allem aber gehen Fußgänger und Radfahrer mit grauer oder schwarzer Kleidung ein hohes Risiko ein. In der Dunkelheit werden sie von Autofahrern erst spät gesehen, manchmal zu spät. Die Polizei appelliert an alle Verkehrsteilnehmer, sich auf die neue Situation rechtzeitig einzustellen.

Polizei informiert

Obwohl die Dämmerung früher eintritt und die Sonne erst später aufgeht, kleiden sich viele noch so, als wäre es morgens und abends taghell. „Und dann passieren die Unfälle“, warnt Hauptkommissar Hans-Joachim Ruhl vom Kommissariat Verkehrsunfallprävention. „Jetzt muss man darauf achten, sich richtig anzuziehen. Eine helle Jacke reicht da nicht.“

Die 16 Mitarbeiter des Kommissariates gehen in Schulen, zu Elternabenden, Kindergärten und zu Senioren, um aufzuklären und wichtige Tipps zu geben. Das Wichtigste: „Jeder muss selbst etwas dafür tun, dass er gesehen wird“, betont Ruhl. Wenn immer mehr Bürger diesen Leitsatz beherzigen, dann wird die Unfallrate deutlich zurückgehen. „Aber viele unterschätzen die Gefahr“, so der Polizeihauptkommissar. Ein dunkel gekleideter Fußgänger wird von einem Autofahrer in der Nacht erst bei einer Entfernung von 25 bis 30 Metern erkannt. Ruhl: „Da reicht der Halteweg nicht aus.“ Es kommt zum Zusammenstoß, weil ein Pkw-Fahrer bei Tempo 50 erst nach 40 Metern seinen Wagen zum Stehen bekommt.

Richtige Kleidung tragen

Bei heller Kleidung wird man ab 40 bis 50 Metern erkannt. Auf der sicheren Seite sind diejenigen, die reflektierende Materialien tragen. Sie werden schon ab 130 bis 160 Metern gesehen.

Gerade Schulanfänger sind da leuchtende Vorbilder. Die meisten haben auch einen besonders stark reflektierenden Tornister. Aber ab dem dritten, vierten Schuljahr neigen immer mehr Kinder dazu, mit einem Rucksack zur Schule zu gehen, die aber oft nicht über effektive Schutzreflektoren verfügen. Hier seien die Eltern gefordert, so Ruhl.

Er empfiehlt, auch Reflektoren-Bänder an Armen oder Beinen zu tragen. „Alles, was sich bewegt oder kreist, wird schneller vom Autofahrer wahrgenommen.“ Manche Discounter bieten diese Bänder auch mit einer batteriebetriebenen roten Lampe an. Die kosten nur wenige Euro.

Radfahrer und Senioren

Bei den Radfahrern nimmt der Trend zu, stets mit reflektierender Weste zu fahren. „Das ist wesentlich sicherer“, lobt der Hauptkommissarkommissar. Sein Tipp: Fahrradhelme mit roter Lampe verwenden und Reflektorschläuche an den Speichen anbringen. „Das ist eine wirklich eine tolle Sache.“

Für Senioren gibt es zudem reflektierende Bömmelchen, die an der Handtasche hängen oder Fäden, die im Ärmel eingenäht werden und im Hellen nicht auffallen.

Die Autofahrer sollten zu Beginn der dunklen Jahreszeit regelmäßig das Licht an ihrem Auto kontrollieren. Laut ADAC hat fast jedes zweite Auto Beleuchtungsmängel. Polizeisprecher Marco Ueberbach kündigte für den Herbst spezielle Verkehrskontrollen an, bei denen die Beamten das Licht überprüfen. „Bei einem festgestellten Mangel muss das Fahrzeug wieder vorgeführt werden“. Wer mit defektem oder ohne Licht fährt, zahlt 20 Euro Strafe, bei einer Gefährdung 25 Euro, bei einem Unfall mit Sachschaden 35 Euro.

 
 

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