Hassprediger-Affäre: Problem-Moschee in Steele bleibt dicht

Die geschlossene Problem-Moschee auf der Bochumer Landstraße 122b: Hier hatte der höchst umstrittene belgische Prediger Tarik Ibn Ali Ostersonntag auftreten sollen. Auf Druck der Stadtspitze wurde er jedoch wieder ausgeladen.
Die geschlossene Problem-Moschee auf der Bochumer Landstraße 122b: Hier hatte der höchst umstrittene belgische Prediger Tarik Ibn Ali Ostersonntag auftreten sollen. Auf Druck der Stadtspitze wurde er jedoch wieder ausgeladen.
Foto: FUNKE Foto Services
  • „Klärendes Gespräch“ nach Hassprediger-Affäre im Rathaus
  • Uthman-Gemeinde spricht sich gegen Terror und Gewalt aus
  • Islam-Blog berichtet über weitere Auftritte des Hasspredigers in Essen

Essen. Die Hassprediger-Affäre kurz vor Ostern hatte die Beziehungen zwischen der Stadt und der marokkanischen Uthman-Moschee in Steele schwer belastet. In einem „klärenden Gespräch“ im Rathaus sind die beiden Seiten am Mittwoch nun wieder aufeinander zugegangen. Am strikten Nutzungs- und Gebetsverbot in der marokkanischen Problem-Moschee ändern die atmosphärischen Verbesserungen jedoch nichts. „Das Gebäude der Gemeinde darf nach wie vor bis auf Weiteres nicht als Moschee genutzt werden, da keine Zulassung als Versammlungsstätte vorliegt“, heißt es in einer Presseerklärung.

Vor zwei Wochen hatte die auf der Bochumer Landstraße 122b, direkt neben dem S-Bahnhof Steele-Ost gelegene Uthman-Moschee den belgischen Hassprediger Tarik Ibn Ali ausgeladen. Der umstrittene Imam hätte Ostersonntag in der Moschee sprechen sollen – ein Affront nur wenige Tage nach dem fürchterlichen Terroranschlag von Brüssel, verübt von islamistischen Selbstmord-Attentätern.

Auf Druck der Stadtspitze und mit Unterstützung des Islam-Funktionärs Muhammet Balaban (Vorsitzender der Kommission Islam und Moscheen in Essen – KIM-E) wurde der belgische Islamist ausgeladen und von der Gemeinde brüsk mit einem lebenslangen Hausverbot belegt.

In Zukunft enger zusammenarbeiten

Tags darauf folgte der nächste Schlag. Weil die Moschee eine Baustelle ist und keine Bauabnahme vorliegt, erließ die Stadt eine Ordnungsverfügung, die den Moscheebetrieb mit sofortiger Wirkung untersagte. Ein schwerwiegender Eingriff, der in der Gemeinde – wenn auch zu Unrecht – als unmittelbare Bestrafung für die Hassprediger-Affäre ausgelegt wurde.

Am Gespräch am Mittwoch beim Integrationsbeauftragten Andreas Bomheuer nahm neben den Uthman-Vorstandsmitgliedern auch Muhammet Balaban teil. „Die Gemeinde hat keinen Zweifel daran gelassen, dass sie Teil der Essener Stadtgesellschaft sein will und Integration für die Mitglieder eine bedeutende Rolle spielt“, erklärte Bomheuer. Die Vorsitzenden hätten nochmals bekräftigt, dass sie sich von Gewalt und Terror distanzieren, was durch die direkte Ausladung Tarik Ibn Alis und den Ausspruch eines lebenslangen Hausverbotes für den Hassprediger untermauert worden sei.

Stadt und Moschee-Gemeinde sprachen außerdem darüber, wie man in Zukunft enger zusammenarbeiten kann, um die marokkanische Gemeinde besser in die Stadt und den Stadtteil zu integrieren. „Mit der Kommission Islam und Moscheen ist vereinbart, dass wir gemeinsam an vertrauensbildenden Maßnahmen arbeiten werden“, sagt Andreas Bomheuer. Muhammet Balaban verließ den Gildehof mit zufriedener Miene: „Ein positives Signal.“

Youtube-Videos zeigen Tarik Ibn Ali in Essen

Unterdessen wirft das Islam-Blog der hessischen SPD-Politikerin Sigrid Hermann-Marschall neue Fragen zu den Vorgängen in Essen auf. Sie weist auf Youtube-Videos hin, die den Hassprediger bei zwei weiteren Auftritten – 2013 und 2015 – in der El-Moahidin-Moschee im Nordviertel zeigen. Zu dieser Gemeinde gehört auch der Rechtsanwalt Azzadine Karioh, der Balabans Stellvertreter im Islam-Dachverband ist. Dieser Zeitung gegenüber sagte Karioh zu Tarik Ibn Alis Auftritten in der El-Moahidin-Moschee: „Ich weiß von diesen Besuchen nichts.“

 
 

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