Halteverbote für Elterntaxis in Essen willkommen

Michael Mücke
Vor Schulen besteht ein hohes Unfallrisiko, wenn zu schnell gefahren wird oder Eltern falsch parken und anderen die Sicht nehmen. In Essen soll eine interfraktionelle Arbeitsgruppe nach Lösungen suchen.
Vor Schulen besteht ein hohes Unfallrisiko, wenn zu schnell gefahren wird oder Eltern falsch parken und anderen die Sicht nehmen. In Essen soll eine interfraktionelle Arbeitsgruppe nach Lösungen suchen.
Foto: picture-alliance/ dpa
Essener Verkehrswacht begrüßt Vorstoß des Verkehrsministers. Das Rathaus bildet eine Arbeitsgruppe, um die Situation vor Schulen und Kitas zu entschärfen.

Essen. Die Essener Polizei kritisiert scharf das Verhalten vieler Eltern, die morgens ihre Kinder mit dem Auto zur Kita und zur Schule fahren, in der Hektik zu schnell sind, falsch parken und wichtige Vorsichtsregeln missachten. „Was unsere Beamten vor den Schulen beobachten, ist ein einziges Chaos“, berichtet Polizeisprecher Marco Ueberbach.

Durch falsches Verhalten würden Eltern die Sicherheit ihrer und anderer Kinder gefährden. Das Polizeipräsidium kündigt nach den Herbstferien Kontrollen vor Ort an. Und das Rathaus wird jetzt einen Arbeitskreis bilden, um die aktuelle Situation zu bewerten und Lösungsvorschläge zu erarbeiten.

Arbeitskreis will sich mit Problematik befasseen

Auslöser für die städtische Initiative war der Vorstoß des NRW-Verkehrsministers Michael Groschek, der Tempo 30 und ein absolutes Halteverbot vor sozialen Einrichtungen fordert. Auf der Verkehrsministerkonferenz in Worms sprachen sich jetzt am Donnerstag die Landesminister dafür aus, dass vor Schulen, Kitas und Seniorenheimen künftig Tempo 30 die Regel sein soll. Also auch auf Hauptverkehrsstraßen. Wo dies sich nicht realisieren lässt, könnten die Kommunen aber weiter Tempo 50 anordnen.

Im Rathaus wird sich nun ein interfraktioneller Arbeitskreis, der sich aus Verkehrspolitikern und Vertretern des Amtes für Straßen und Verkehr zusammensetzt, mit der Problematik vor Schulen und Kitas befassen, erklärt Stadtsprecher Martin Rätzke. Dabei will sich das Gremium zuerst einen Überblick darüber beschaffen, vor wie vielen Kitas und Schulen bereits Geschwindigkeitsbegrenzungen und Halteverbote gelten und wo Handlungsbedarf besteht. Im Stadtgebiet gibt es derzeit 262 Kitas und 169 Schulen, darunter 84 Grundschulen. Die Ergebnisse sollen dem Bau- und Verkehrsausschuss vorgelegt und beraten werden.

Polizei mahnt Eltern zu besonderer Vorsicht

Die erhöhte Unfallgefahr durch „Elterntaxis“ begründet die Polizei damit, dass Eltern ihre Autos oft im Halteverbot oder auf der zweiten Spur oder gar auf der Gegenspur stoppen, anderen Verkehrsteilnehmern dadurch die Sicht wegnehmen und ihre eigenen Kinder auf der Fahrbahnseite aussteigen lassen. „Die rennen dann quer über die Straße“, beklagt Ueberbach. Durch das Parkchaos vor den Schulen erhöht sich auch das Risiko, dass Kinder, die die Fahrbahn queren müssen, von Autofahrern nicht mehr rechtzeitig erkannt werden.

Das Polizeipräsidium mahnt deshalb die Eltern zu besonderer Vorsicht und Rücksicht. Noch besser wäre es, wenn die Jungen und Mädchen sich selbst auf den Weg zur Schule machen, „Das müssen die Eltern aber vorher dringend mit den Kindern trainieren und sie auf die Gefahrenstellen hinweisen“, betont Marco Ueberbach. Grundsätzlich sei es richtig, die Selbstständigkeit der Kinder im Straßenverkehr zu fördern. Zumal Stadt und Polizei gemeinsam darum bemüht seien, die Schulwege möglichst sicher zu machen (in Essen registrierte das Präsidium im Vorjahr 26 Schulwegunfälle).

Auch die Essener Verkehrswacht – die übrigens den Vorstoß von Minister Groschek für Halteverbote und Tempo 30 begrüßt – plädiert dafür, Jungen und Mädchen möglichst frühzeitig auf den Verkehrsalltag vorzubereiten. Vorsitzender Karl-Heins-Webels: „Elterntaxis sollten die Ausnahme sein. Aber leider ist es genau umgekehrt. Damit erweisen die Eltern ihren Kindern leider einen Bärendienst.“