Halter sind besorgt über Zukunft des Essener Tierfriedhofs

Der Tierfriedhof an der Hallostraße in Essen-Stoppenberg ist mitunter völlig zugewuchert, klagen unter anderem Angelika Funke und ihr Mann Peter, die das Grab von Hund Cesar pflegen.
Der Tierfriedhof an der Hallostraße in Essen-Stoppenberg ist mitunter völlig zugewuchert, klagen unter anderem Angelika Funke und ihr Mann Peter, die das Grab von Hund Cesar pflegen.
Foto: Essen
Auf dem Tierfriedhof in Essen-Stoppenberg kommen die Halter mitunter nur durch meterhohes Gras zu den Grabstätten von Hund, Katze oder Meerschweinchen. Die Betroffene klagen, dass der Betreiber sich trotz Verträgen und Zahlungen nicht mehr um den Tierfriedhof kümmere.

Essen. Als Cesar bei Angelika Funke einzog, war der Hundewelpe neun Wochen alt und seine Halterin schwer krank. „Ich hatte keinen Lebensmut und ging nicht mehr vor die Tür“, erinnert sich die 57-Jährige. Der kleine Terrier war ihr Tröster. Als Cesar nach zwölf Jahren starb, stand für Angelika Funke und ihren Mann Peter fest, dass ihr Hund bestattet werden soll. Sie haben ihn auf dem Tierfriedhof in Stoppenberg beerdigen lassen.

Es gab eine Trauerfeier, sie wählten für Cesar einen Sarg samt Decke, haben ihm Spielzeug und Fotos hineingelegt. Auf dem Grab steht ein Stein mit Originalbild des Terriers und letztem Gruß für den besten Freund: „Wir vermissen Dich.“ Die Bestattung war ihnen 250 Euro Wert. „Nun zahlen wir weiterhin den Jahresbetrag von 90 Euro für das Einzelgrab“, sagen sie.

Kein Ansprechpartner mehr vorhanden

Allein bei der Tierfrieden GmbH, die den Friedhof an der Hallostraße seit 2009 betreibt, gebe es keinen Ansprechpartner mehr. Internetseite und Telefonnummer des früheren Geschäftsleiters existierten nicht mehr. Während die Funkes liebevoll Cesars Ruhestätte pflegen, kämpfen sie sich bis dorthin durchs hohe Gras und Disteln, weil die Fläche nicht mehr regelmäßig gemäht und gepflegt werde.

Beim Bundesverband für Tierbestatter ist „der besagte Fall in Essen seit rund anderthalb Jahren bekannt“, sagt Sprecherin Gabriele Metz. Die dortige Situation gelte als schwierig, nach ihrem Wissen sei der Betreiber verstorben. Doch nicht nur die Funkes überweisen den vertraglich geregelten Betrag weiterhin auf ein Mülheimer Konto: „Aus Angst, was dann mit dem Grab geschieht.“ Sie sind aber auch wütend und fragen: „Was passiert mit unserem Geld?“

Grundstück ist Privateigentum

Die Hinterbliebene des früheren Betreibers äußert sich derzeit nicht zum Tierfriedhof und der GmbH. Fest steht laut Stadtsprecher Stefan Schulze, dass es sich beim Grundstück um Privateigentum handele. Laut regionalem Flächennutzungs- und Bebauungsplan sei dieses „Grün- und Friedhofsfläche“, demnach „ist eine andere Nutzung ohne Weiteres nicht möglich“. Um dort etwa Supermarkt oder Wohnbebauung zu schaffen, müssten die Pläne geändert werden. Solch ein Verfahren ziehe sich über Jahre. Diese Aussage könnte Funkes und weitere Familien beruhigen, dass der Tierfriedhof wohl nicht plötzlich verschwinden. Allein Gewissheit haben sie nicht, was nun aus der letzten Ruhestätte ihrer Vierbeiner wird – und nicht zuletzt aus ihren Beiträgen.

Familie Rudolph denkt darüber nach, ihre tote Katze umbetten zu lassen. Siva ruht im Reihengrab, dafür zahlen sie ebenfalls 90 Euro im Jahr. Weil sie sich verantwortlich fühlen, auch nach Sivas Tod, erzählt Sigrid Rudolph mit Tränen in den Augen. „Man vergisst das Tier einfach nicht“, sagt ihr Mann Dieter. Daher sind sie verärgert „über den respektlosen Umgang auf dem Friedhof“. Siva war zehn Jahre lang wie ein Familienmitglied für sie, verschmust und verspielt, beschreibt der 61-Jährige das Verhältnis zum Haustier und sagt: „Wir geben nicht auf, das haben die Tiere nicht verdient, und wir kommen nicht zur Ruhe.“

 
 

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