,Habe ich mein Handy im Griff oder hat das Handy mich im Griff?’

Klaus Scheidsteger ist in Essen zur Schule gegangen, hat hier eine eigene Produktionsfirma gehabt und lange Jahre als Fernseh-Journalist gearbeitet. Das Handy gehört natürlich zu seinen Arbeitsgeräten. Doch seit mittlerweile zwölf Jahren beschäftigt sich Scheidsteger nicht nur mit dem Nutzen, sondern auch mit den Risiken und Nebenwirkungen der Mobiltelefonie. Zur Preview seines Filmes „Thank You for Calling“ kam der Regisseur jetzt zusammen mit renommierten Wissenschaftlern ins Astra-Theater und diskutierte mit dem Publikum. Mit Martina Schürmann sprach er über seine Arbeit.


Herr Scheidsteger, kann man in Anbetracht von sieben Milliarden Mobilfunk-Verträgen heute noch gegen Handys sein?

Ich bin überhaupt nicht als Handy-Gegner unterwegs. Aber wenn man sich mit der Forschung beschäftigt, wird rasch klar, dass man sich als Verbraucher gelegentlich fragen sollte: Habe ich mein Handy im Griff oder hat mein Handy mich im Griff? Hinweise aus der Zellforschung belegen mittlerweile klar: Das Handy dauernd am Ohr zu haben, ist keine gute Idee. Die Palette der Risiken reicht von Schlafstörungen bis zu schweren Krebserkrankungen. Jüngsten Studien zufolge können Mobilfunkstrahlen auch zu DNA-Strangbrüchen führen. Sogar das Bundesamt für Strahlenschutz weist seit März 2016 offiziell darauf hin.

Aber fühlt man unter Milliarden Smartphone-Nutzern nicht wie ein Don Quijote im Kampf gegen Mobilfunkantennen?

Ich habe einfach versucht, den kritischen Wissenschaftlern in meinem Film eine Plattform zu geben, denn die werden nicht gerne gehört. Im Gegenteil: Sie werden denunziert, sogar bekämpft. Was nicht wundert, wir haben in Deutschland wesentlich mehr Handys als Einwohner.

Welche Experten kommen zu Wort?

Der Wiener Krebsforscher Wilhelm Mosgöller ist mit nach Essen gekommen. Seine Studie im Auftrag einer Versicherung wurde gerade in Österreich veröffentlich. Auf das Thema aufmerksam gemacht hat mich allerdings ein amerikanischer Wissenschaftler, der von 1993 bis ‘99 mit 25 Millionen Dollar im Auftrag eines Mobilfunkherstellers geforscht hat. Als er zu besorgniserregenden Ergebnissen kam, wurde er mundtot gemacht. Seit vielen Jahren nun führt er die Klagen gegen seinen früheren Auftraggeber in Amerika.

Was kann man beim Publikum erreichen?

Mit geht es vor allem um das Vorsorgeprinzip. Ich komme nicht mit dem Zeigefinger daher, sondern versuche, für einen bewussteren Umgang zu sensibilisieren. Unterm Strich heißt das erst mal: das Handy nachts ausmachen, zumindest auf Flugmodus schalten, besser ein Headset benutzen, und überhaupt sollte man das Gerät etwas auf Abstand halten. Das steht auch in der Gebrauchtsanweisung, aber das liest ja keiner.

 
 

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