Gruga verzichtet nun doch auf Abschuss von Kanadagänsen

Im Grugapark halten sich nur noch einige wenige Kanadagänse auf. Im Sommer waren die Tiere dort zur Plage geworden.
Im Grugapark halten sich nur noch einige wenige Kanadagänse auf. Im Sommer waren die Tiere dort zur Plage geworden.
Foto: Funke Foto Services
Zuletzt wurden im Grugapark in Essen nur noch einige wenige Kanadagänse gezählt. Die allermeisten der ungeliebten Gäste sind davon geflogen.

Essen. Ihre Tage schienen gezählt, nun soll es den Kanadagänsen im Essener Grugapark aber doch nichts ans Gefieder gehen. Die Parkleitung hat von ihrem Vorhaben wieder Abstand genommen, einzelne Tiere von Jägern schießen zu lassen. Der Grund: Im Park halten sich nur noch einige wenige der ungeliebten Gäste auf. Zuletzt seien sechs bis acht Tiere gezählt worden, berichtet Sprecher Eckhard Spengler. Noch vor wenigen Wochen hatten sich Kanadagänse zu Dutzenden auf den Liegewiesen breitgemacht. Die allermeisten sind davon geflogen.

Wohin? Nein, nicht etwa in wärmere Gefilde. Kanadagänse überwintern in hiesigen Breiten, weiß Christine Kowallik, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Biologischen Station Westliches Ruhrgebiet in Duisburg und Gänse-Expertin. Die Mehrzahl bleibe auch in der kalten Jahreszeit im Gebiet von Rhein und Ruhr – und überwintern dort, wo sie genügend Nahrung und ein sicheres Plätzchen finden, bevorzugt direkt am Wasser. Zuletzt war eine größere Population am Ufer des Baldeneysees in Heisingen gesichtet worden.

Abschuss als allerletztes Mittel

Dass die Tiere in den Grugapark zurückkehren könnten, sei nicht auszuschließen, sagt Cristine Kowallik. Laut Eckhard Spengler wird man das genau beobachten. Die Parkleitung befürchtet, dass Kanadagänse spätestens ab dem kommenden Frühsommer wieder zur Plage werden könnten im Park, wo sie Wiesen und Wege vollkoten. Der beschlossene Abschuss einzelner Tiere wäre damit nur aufgeschoben. Allein die öffentliche Ankündigung hatte einen Proteststurm im Internet ausgelöst bis hin zur persönlichen Beleidigung und Bedrohung von Mitarbeitern.

Laut Spengler soll ein gezielter Abschuss einzelner Tiere nur das allerletzte Mittel sein. Bevor es dazu kommt, soll versucht werden brütenden Gänsen falsche Eier unterzujubeln.

Christine Kowallik glaubt nicht, dass sich die Population dadurch dauerhaft reduzieren lässt. Dafür gebe es zu viele Kanadagänse in der Gegend. Auch einem Abschuss einzelner Gänse steht die Expertin skeptisch gegenüber. Erfolgversprechender sei es, die Tiere immer wieder zu verjagen, bis sie von sich aus ein ruhigeres Plätzchen suchten. „Eine Patentlösung“, so Kowallik, „gibt es nicht“.

Die Abschussgenehmigung der Unteren Jagdbehörde bleibt in Kraft – bis zum 31. März 2018.

 
 

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