Grüne wollen in Essen verkaufsoffene Sonntage abschaffen

An verkaufsoffenen Sonntagen sind in den Städten viele Menschen unterwegs - wie hier in Essen-Rüttenscheid.
An verkaufsoffenen Sonntagen sind in den Städten viele Menschen unterwegs - wie hier in Essen-Rüttenscheid.
Foto: Fremdbild
Im Jahr 2010 gab es in Essen 33 verkaufsoffene Sonntage. Für dieses Jahr sind 38 geplant. Die Grünen wollen sie deutlich verringern und für die Innenstadt gar keine mehr genehmigen. Doch Bündnispartner CDU wehrt sich gegen "massive Einschränkung".

Essen.. Wie viel Sonntagseinkauf braucht die Stadt? Die Grünen wollen die Zahl der verkaufsoffenen Sonntage deutlich verringern, in der Innenstadt soll es gar keine mehr geben. Bündnispartner CDU grätscht den Grünen allerdings in die Parade - unter donnerndem Applaus des Einzelhandelsverbandes. Der will statt bei verkaufsoffenen Sonntagen lieber bei den Sonntags-Märkten bremsen.

33 verkaufsoffene Sonntage haben im vergangenen Jahr stattgefunden, 2011 sollen es gar 38 werden. Viel zu viele, sagen die Grünen und wollen die Zahl auf 24 bis 26 begrenzen: Gar keine mehr in der Innenstadt, maximal drei pro Stadtbezirk - oder vier, wenn ein Bezirk mehrere Ortskerne hat wie Rüttenscheid und Rellinghausen oder Werden und Kettwig. Außerdem haben die Grünen von der Verwaltung einen Kriterien-Katalog gefordert.

Fast alles ist möglich

Den hat Ordnungsamtsleiter Günther Kraemer jetzt vorgelegt. Ergebnis: Fast alles ist möglich, für den Sonntagseinkauf verboten sind nur Neujahr, Ostermontag, 1. Mai, Himmelfahrt, Pfingstmontag, Fronleichnam, 3. Oktober, Reformationstag sowie drei von vier Adventssonntagen. Kraemer: „Die Politik muss entscheiden, wie viele verkaufsoffene Sonntage sie gestatten will.“ Das grüne Modell sei ebenso vereinbar mit dem Ladenöffnungsgesetz wie eine andere Höchstgrenze. Er regt an, über die Freigabe von Sonntagen wie zwischen 1997 und 2000 einen Arbeitskreis entscheiden zu lassen, dem auch der Einzelhandelsverband angehören könnte.

Wie unterschiedlich die Sonntagsöffnung inzwischen gehandhabt wird, zeigt ein Städtevergleich. Die Einkaufsmetropole Düsseldorf hatte nur zwei verkaufsoffene Sonntage im vergangenen Jahr, der große Nachbar Köln 73. Mülheim genehmigte 15 Sonntage, Oberhausen 21, Bochum 17, Duisburg 23, Dortmund 27, Mönchengladbach sogar 58.

"Einkaufen hat Event-Charakter"

„Wer den Sonntagseinkauf hemmt, jagt Kaufkraft aus der Stadt“, warnt Marc Heistermann, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes. „Einkaufen hat inzwischen Event-Charakter, und der Sonntagseinkauf wird vom Kunden nachgefragt. Wenn er in Essen nicht befriedigt wird, freuen sich die Niederländer: „Da tanzt der Bär jeden Sonntag.“ Viel mehr Regelungsbedarf als beim Sonntagseinkauf sieht Heisterkamp bei den immer weiter expandierenden Trödelmärkten.

Die CDU, Partner der Grünen im Viererbündnis, grenzt sich in der Sonntagsfrage ab. „Verkaufsoffene Sonntage schaffen Identität im Stadtteil“, sagt Matthias Hauer, ihr ordnungspolitischer Sprecher. Eine „massive Einschränkung“ sei mit der CDU deshalb nicht zu machen. Sie will auch weiterhin Sonntags-Shopping in der Innenstadt. Allerdings: „Sonntagseinkauf darf kein Selbstzweck sein. Nicht jedes Kürbisfest rechtfertigt einen verkaufsoffenen Sonntag.“ Nächste Runde der Debatte: nächste Woche im Ordnungsausschuss.

 
 

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