Grüne gegen Bebauung Grüne Harfe

Die Grünen luden zur Diskussion über die geplante Bebauung Grüne Harfe ein (v.l. Kai Gehring, Peter Maas und Elisabeth van Heesch-Orgass).                                                                                 Klaus Micke / WAZ FotoPool
Die Grünen luden zur Diskussion über die geplante Bebauung Grüne Harfe ein (v.l. Kai Gehring, Peter Maas und Elisabeth van Heesch-Orgass). Klaus Micke / WAZ FotoPool
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Werden. Warme Sommersonne schien auf das Stoppelfeld, als Mitglieder der Bündnisgrünen ihren farblich passenden Sonnenschirm mitten auf der Brenscheidtstraße aufspannten. „Wenn ein Bebauungsplan für die Grüne Harfe angeschoben wird, gehen wir wieder auf die Straße“, hatte Ludger Hicking am 1. Juli 2009 angekündigt.

Nun war es so weit. Genau ein Jahr später, im Juli 2010, hatte die CDU im Stadtplanungsausschuss vorgeschlagen, das Planverfahren für die Grüne Harfe einzuleiten. Mit der Argumentation, es bestehe Beratungsbedarf, hatte die SPD den von Bezirksvertreter Daniel Behmenburg als „Überraschungsangriff“ bezeichneten Antrag auf eine Sitzung nach der Sommerpause verschieben können.

Das Treffen der Bürgerinitiative zur Rettung des letzten Felds inmitten der geschlossenen Bebauung zwischen Werden und Heidhausen fand großen Zuspruch. Rund 70 Bürger waren erschienen, darunter auch die Bezirksvertreter Reinhold Schulzki (SPD) und Rainer Wild (FDP). Grünen-Ratsfrau Elisabeth van Heesch-Orgass begrüßte Kai Gehring, den Essener Bundestagsabgeordneten ihrer Partei. Die Rechtsanwältin betonte, man wolle mit dem Meeting „ein Zeichen setzen, dass wir den Kampf gegen eine Bebauung der Grünen Harfe nicht aufgegeben haben, nicht aufgeben, nicht aufgeben werden!“ Auch wenn es grundsätzlich zulässig sei, dort zu bauen, so heiße das noch lange nicht, dass dies tatsächlich geschehen müsse.

Werdener Straßen sind
bereits jetzt überlastet

Damit kein weiterer „wertvoller Naturraum“ geopfert werde, versuche man in ihrer Fraktion, „hinter den Kulissen Mehrheiten gegen die Bebauung des im Eigentum von ThyssenKrupp befindlichen Grundstücks zu finden“. Weder wünsche man sich ein „Managerghetto“ mit 140 Wohnungen, in die ausschließlich leitende Kräfte der Firmengruppe einzögen, noch könne der durch den Zuzug bedingte Autoverkehr von den bereits überlasteten Werdener Straßen bewältigt werden.

Peter Maas, Bezirksvertreter der Grünen für Heidhausen, schlug die Bebauung von Industriebrachen anstelle von Grüngürteln vor, um in Essen Wohnraum zu schaffen. Maas warnte zugleich vor einer „Intensivierung der Feinstaubbelastung“ durch steigende Kfz-Zahlen.

Dr. Horst Pomp, Beirat der Unteren Landschaftsbehörde, bezeichnete es als grotesk, dass die Stadt Essen einerseits soeben ein Papier zur Erhaltung der biologischen Vielfalt unterzeichnet habe, das die intelligente Nutzung ökologisch sensibler Gebiete propagiere, mit Blick auf die Grüne Harfe hingegen auf den Wohnungsbedarf im Essener Süden verweise. „Wir haben in unserem Stadtteil rund 100 leer stehende Häuser plus 250 leer stehende Wohnungen in hervorragender Lage, die man mieten oder kaufen kann.“

Kai Gehring: „Gerade die Sommerpause ist eine gute Zeit, darüber nachzudenken, ob es Sinn machen könnte, hier zu bauen“, sagte der Abgeordnete, der seine Kindheit in Werden und Heidhausen verbracht hat. „Was jedoch ohne ein Verkehrskonzept zu haben, nicht infrage kommt. Im Vordergrund steht, die Grünflächen zu erhalten und zu schützen. Gesucht werden nun Koalitionspartner im Stadtrat, damit die Bagger nicht anrollen und die Grüne Harfe erhalten bleibt.“

Bürgerinitiative spricht
Hochachtung aus

Nachdem die Vertreter der Bürgerinitiative, Ludger Hicking und Christoph Fleischer, sowohl den vielen aktiven Heidhauser und Werdener Bürgern wie auch den Vertretern der Grünen ihre „Hochachtung“ für das Engagement ausgesprochen hatten, zerstreuten sich die Gäste in einzelne Grüppchen.

Diskutiert wurde noch bis halb neun, und Susanne Berger, Bezirksvertreterin der Grünen im Bezirk IX, brachte das Gefühl vieler Mitstreiter auf den Punkt, als just der Mond über der weiten, immer noch sonnenbeschienenen Ebene aufging. „Dies ist ein schönes Fleckchen Erde.“ Was auch die Hunde fanden, die es sich auf dem warmen Boden des Felds zu Füßen der vielen um die Natur Besorgten bequem gemacht hatten.

 
 

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