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Großrazzia gegen neue Form der organisierten Kriminalität: Essener Zoll nimmt Familien-Clan hoch

Großrazzia gegen organisierte Kriminalität

Das Zollamt Essen nahm am Donnerstag eine illegale Fabrik eines Familien-Clans in Langenfeld hoch.

Das Zollamt Essen nahm am Donnerstag eine illegale Fabrik eines Familien-Clans in Langenfeld hoch.

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  • Großrazzia in NRW
  • Zollfahndung gelingt Schlag gegen illegale Produktion von Wasserpfeifen-Tabak
  • Es ist der bundesweit größte Erfolg gegen den neuen Zweig der organisierten Kriminalität
  • Die Staatsanwaltschaft Wuppertal beziffert den Steuerbetrug auf 372.000 Euro

Essen. Luxus-Karossen, Falschgeld und vor allem tonnenweise Shisha-Tabak. Bei einer Groß-Razzia gegen einen Familien-Clan aus Langenfeld und Solingen ist dem Zollfahndungsamt Essen am Donnerstag der bundesweit größte Schlag gegen die illegale Produktion von Wasserpfeifen-Tabak gelungen.

Die Zoll-Fahnder durchsuchten mit Unterstützung der Polizei unter anderem eine Lagerhalle in Langenfeld. Hier stießen sie auf eine vollständige Produktionsanlage, die der 12-köpfige Familien-Clan nach Ermittlungen der Beamten aufgebaut hatte. Selbst Jugendliche waren an der Operation beteiligt. Der jüngste Verdächtige ist erst 15 Jahre alt, der älteste ist 57. Der Familien-Clan ist syrischer Herkunft. Manche von ihnen haben einen deutschen Pass.

Staatsanwaltschaft: „Steuerschaden ist enorm“

Die Beamten stellten in der illegalen Fabrik rund 2,5 Tonnen gebrauchsfertigen Shisha-Tabak sicher. Dazu fanden sie 550 Kilogramm Rohtabak und massenhaft Kanister mit Produkten, die zur Herstellung von Wasserpfeifen-Tabak notwendig sind. Dazu stellten die Ermittler unter anderem auch 22.500 Euro Bargeld, Falschgeld-Blüten und Luxus-Karossen sicher, mit denen die Ware verteilt wurde.

Die Ausmaße sind gigantisch: „Allein der Steuerschaden beträgt 372.000 Euro“, sagt Wolf-Tilman Baumert, von der Wuppertal Staatsanwaltschaft. „Hinzu kommen noch die gesundheitlichen Aspekte.“ Nach Angaben des Oberstaatsanwalts seien die hygienischen Zustände in der Fabrik mangelhaft gewesen.

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Wie ging der Familien-Clan vor?

Der Familien-Clan soll Rohtabak steuerfrei aus dem Ausland bezogen und die Blätter in der Fabrik zerkleinert haben. Die weitere Herstellung ist laut Holger Gießelmann, Leiter des Zollfahndungsamts Essen, sehr einfach: Aromen, Glycerin und Zucker müssten lediglich mit dem Tabak vermischt werden. Danach wurde der fertige Shisha-Tabak vor Ort verpackt.

Dabei ging der Betrug weiter: Nach Erkenntnissen der Behörden verpackte der Clan seinen Tabak in den Verpackungen bekannter Marken und verteilte das Produkt dann an Zwischenhändler.

„Die haben die ganze Familie gerufen und los geht’s“

Die Zwischenhändler verkauften den angeblichen Marken-Tabak dann an Shisha-Bars und Kioske, nicht nur in NRW, sondern auch in angrenzenden Ländern der EU.

Wenn ein Zwischenhändler spontan Ware brauchte, soll der Clan in der Lage gewesen sein, innerhalb einer Stunde 300 bis 400 Kilogramm Shisha-Tabak zu verpacken. „Die haben dann die ganze Familie nach Langenfeld gerufen und los geht’s“, sagte ein Ermittler der Zollfahndung Essen, der nicht namentlich genannt werden möchte.

Ermittler nehmen komplettes Netzwerk hoch

Nicht nur die Fabrik des Familien-Clans nahm das Zollfahndungsamt am Donnerstag hoch. Die Staatsanwaltschaft Wuppertal erließ weitere 34 Durchsuchungsbefehle gegen die Drahtzieher, die an der illegalen Verbreitung des Wasserpfeifen-Tabaks beteiligt gewesen sein sollen.

Bei der Großrazzia am Donnerstag standen 150 Einsatzkräfte gleichzeitig bei Hintermännern in Essen, Solingen, Langenfeld und Heilbronn auf der Matte.

Familien-Clan droht lange Haftstrafe

Die illegale Produktion von Shisha-Tabak ist ein vergleichsweise neues Phänomen. Üblich war bislang die illegale Einfuhr von Tabak zur Weiterverarbeitung in Form von Zigaretten.

Den Mitgliedern des Familien-Clans drohen nun laut Oberstaatsanwalt Baumert Haftstrafen von sechs Monaten bis zehn Jahren pro Tat. Es geht neben der banden- und gewerbsmäßigen Steuerhinterziehung und Steuerhehlerei auch um den Verstoß gegen das Markengesetz.

Den Zwischenhändlern drohen wegen des Ankaufs der Hehlerware Geld- oder Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren.

 
 

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