Google Street View verschluckt Zollverein

Martin Spletter
Hier ist das Museum Folkwang noch eine Baustelle. Foto: Google Street View
Hier ist das Museum Folkwang noch eine Baustelle. Foto: Google Street View
Foto: WAZ

Essen. Die ganze Stadt ist jetzt beim Panoramadienst „Street View“ zu sehen – nur nicht die berühmte Zeche Zollverein. Auch das Museum Folkwang ist noch im Bau. Dafür hängt Essen voll mit Milchglasscheiben - viele Bürger ließen ihre Häuser verpixeln.

Nahezu alle Straßenzüge der Stadt sind seit Donnerstagmorgen im Internet beim umstrittenen Panoramadienst „Google Street View“ zu sehen. Die Bilder wurden unter anderem im Sommer 2008 gemacht. Im August jenes Jahres fiel vielen Bürger ein schwarzer Opel mit einer Rundum-Kamera auf, die auf dem Dach montiert war – der Wagen fuhr langsam durch die Straßen, um die Bilder zu erstellen, die jetzt im Internet zu sehen sind. Street View Essen – die drei größten Auffälligkeiten auf einen Blick.


1. Zollverein fehlt.

Eins der berühmtesten Bauwerke der Stadt, das Zollverein-Fördergerüst von Schacht 12, ist nicht zu sehen. Die Panorama-Aufnahmen der Gelsenkirchener Straßen enden an der Kreuzung Mühlenbruch. Auf der Straße Kapitelwiese brechen sie plötzlich ab – so ist auch der optische Zugang zur Kokerei versperrt. „Wir wissen selbst nicht, woran es liegt“, erklärte gestern eine Zollverein-Sprecherin. Das Fördergerüst sei zwar eine „angemeldete Bildmarke“ und mit entsprechenden Rechten belegt – aber: „Von der Straße aus darf das Gebäude natürlich jedermann jederzeit fotografieren, darauf haben wir keinen Einfluss.“ Nur bei Bildern, die auf dem Zollverein-Gelände entstehen, könne Zollverein eine Genehmigung verlangen. Die Stiftung habe bereits Kontakt mit „Google Street View“ aufgenommen, hieß es gestern. Die einzigen „Street View“-Bilder, die ein Stück Zollverein zeigen, wurden auf der Köln-Mindener Straße gemacht. Von dort sieht man einige Kokerei-Schornsteine.


2. Viele Baustellen überall. Das Folkwang-Museum? Nur der Rohbau ist fertig. Das Einkaufszentrum Limbecker Platz? Die zweite Hälfte steht noch nicht. Der Hauptbahnhof? Sieht noch so aus wie früher, doch er ist schon Baustelle, davon zeugen die Container und Absperrgitter vor dem Haupteingang. Wer mit „Street View“ einen Spaziergang unternimmt, der stellt fest: Der Sommer 2008 war ein Sommer der Baustellen. Die historische Fassade des Glückaufhauses wird mit einem Gerüst abgestützt, Kräne recken sich empor.


3. Das ist doch . . . ? Bürgern, die zufällig fotografiert wurden, ist das Gesicht unkenntlich gemacht worden – doch dabei war Google nicht sehr gründlich. Bekannte oder Verwandte erkennen sich sicherlich wieder. An der Rüttenscheider-, Höhe Martinstraße, steht übrigens ein Mann, dem das Gesicht nicht unkenntlich gemacht worden ist – oder nur sehr oberflächlich. Besser gelungen ist „Street View“ dagegen das Verdecken von Häusern – bei „Street View“ hängt Essen voller haushoher Milchglasscheiben.

Zahlen nennt Google nicht

Viele Essener Ein- und Mehrfamilienhäuser sind auf Wunsch von Mietern oder Besitzern in der Darstellung bei „Google Street View“ unkenntlich gemacht worden. Zahlen nennt der Konzern nicht.

Dabei musste Google jedem Wunsch nachkommen – die gesamte Fassade wurde unkenntlich gemacht, auch wenn nur ein Mieter oder Eigentümer pro Gebäude Einspruch erhoben hatte. Rückgängig gemacht werden kann das nicht – „Google“ versichert, auch sämtliche so genannte „Rohdaten“ gelöscht zu haben. Besonders im Süden der Stadt ist die Quote der Gebäude, die unkenntlich gemacht worden ist, an vielen Stellen erheblich. In Bredeney oder Rüttenscheid sind in vielen Straßenzügen eine Vielzahl von Objekten nicht mehr zu erkennen. „Street View“ nimmt weiter Beschwerden entgegen – über die Funktion „Ein Problem melden“, ganz links unten in der „Street View“-Ansicht.