Glücksmomente mit Gamsbärten

Sanja Majid

Steele.  Darauf ist Verlass: Wenn der „Initiativkreis City Steele“ zum Tanz in den Mai ruft, kommen die Steeler zum Feiern. Das ist Pflicht, daran kann auch kein noch so tolles Fußballspiel etwas ändern. Und so ging’s auf dem Kaiser-Otto-Platz am Dienstagabend wieder so richtig rund. „Wir feiern jetzt hier zum zweiten Mal und es macht unglaublich viel Spaß“, sagt eine begeisterte Steelerin. Neben dem traditionellen Weinfest und dem Blumenmarkt sei der Mai-Tanz mit Live-Musik eine echte Bereicherung für den Stadtteil, freute sie sich.

Als der Startschuss um 19 Uhr fiel, war das Publikum bereit für das „Original Gamsbart Trio“, das auf der zentralen Bühne wieder für ihre versprochenen „Glücksmomente“ sorgte. Mit Gamsbart, Lederhose, bayerischen Klängen und noch mehr bayerischer Mundart heizten sie den Platz auf: „Es gibt hier soviel zuam Sehn, das macht uns Happy, Happy, Happy…“ sangen und tanzten die vier gestandenen Musiker, die als ursprüngliches Trio schon lange durch einen Österreicher verstärkt werden. Die Tanzfläche vor der Bühne, in einen bayerischen Biergarten aufgepeppt, war gegen 21 Uhr prallvoll und alle ließen sich zu den Klängen von Gitarre, Trompete und Posaune in den siebten Volksschlager-Himmel tragen. Und das Trio wusste genau, wo’s langging, als es sang: „Wo bist Du, wenn ich von Dir träum’ - in Essen-Steele“.

Auch dass die vier gestandenen Gamsbärte mit einem Sprinter angereist waren, der auf dem Platz Reklame für eine Allgäuer Bierspezialität machte, tat dem Steeler Lokalpatriotismus keinen Abbruch: Das hiesige Hopfengetränk fand begeisterten Absatz. Die zünftige Brigitte vom Bier-Stand freute sich: „In diesem Jahr macht es den Gästen fast noch mehr Spaß als im letzten Jahr.“ Die Maibowle sei „ratz fatz“ ausverkauft gewesen.

Kurz nach 21.30 Uhr, gab es kein Halten mehr: Olaf Henning, fester Stammgast in Steele, enterte die Bühne. Und spätestens bei dem Hit „So eine Nacht“ des gebürtigen Mülheimers, der seit Jahren nicht mehr aus der deutschen Schlagerszene wegzudenken ist, sprach er seinem Publikum aus der Seele. Die vielen Fans drängten sich um und schon fast auf die Bühne und machten einfach mit. Auch die Ankündigung des enthusiastischen Schlagerbarden, dass er leider noch nichts aus seinem neuen Album singen könne, nahmen die Fans äußerst gelassen. Und keineswegs war der DJ „ne Pfeife“, wie es in einem der Hits von Henning heißt. Im Gegenteil – außer Rand und Band waren die Steeler Maitänzer, als der Sänger „Komm hol das Lasso raus“ spielte. Alle machten mit beim ausgelassenen Lasso-Tanz - ganz besonders die Kleinen, die Henning für diesen Song extra auf die Bühne holte.

In Steele war für den Schlagerstar noch lange nicht Schluss. Anschließend ging’s weiter nach Gelsenkirchen und Dortmund, verriet Chauffeur Oliver, der nun schon seit Jahren Freund und Begleiter von Olaf Henning ist.