Gläubige im Ruhrbistum für Segnung von homosexuellen Paaren

Das Signal der befragten Christen ist deutlich.
Das Signal der befragten Christen ist deutlich.
Die vom Papst in Auftrag gegebene Umfrage belegt: Die meisten Katholiken teilen die Familienlehre ihrer Kirche nicht. Im Bistum Essen hat sich eine Mehrheit jetzt sogar für die Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren ausgesprochen. Auch der Zölibat wurde von einigen in Frage gestellt.

Essen.. Bei einer vom Papst veranlassten Umfrage haben sich Gläubige im Ruhrbistum für die kirchliche Segnung von homosexuellen Paaren ausgesprochen. "Mehrheitlich sprechen sich die Befragten (...) dafür aus, gleichgeschlechtlichen Partnern, die fest im Glauben stehen und gerne danach leben möchten, eine kirchliche Segnungsfeier zu ermöglichen", teilte das Bistum Essen am jetzt mit. Eine Reihe von Personen hätten sich zudem gewünscht, dass Priestern die Möglichkeit eröffnet wird, sich zwischen dem zölibatären Leben und einem Leben in Ehe und Familie zu entscheiden.

Das Bistum hatte sich im Auftrag von Papst Franziskus um ein Stimmungsbild bemüht zu Themen wie vorehelicher Sex, Umgang mit Geschiedenen und homosexuellen Partnerschaften. Der Papst will mit Hilfe der weltweiten Umfrage eine außerordentliche Synode im Oktober 2014 in Rom vorbereiten, in deren Mittelpunkt das Thema Familie steht.

Für viele entspricht kirchliche Lehre nicht der Lebenswirklichkeit

Im Bistum Essen flossen Antworten des Diözesanrates, des Priesterrates, von Einzelpersonen und aus einem im Sommer beendeten Dialogprozess in die Rückmeldung ein. Sie ist nicht repräsentativ. Es entstehe aber "ein aussagefähiges Gesamtbild", sagte der Leiter des Dezernates Pastoral, Domkapitular Michael Dörnemann, laut der Mitteilung.

"Für viele Katholiken im Ruhrbistum entspricht die kirchliche Lehre nicht der Lebenswirklichkeit", stellte das Bistum zusammenfassend fest. So habe die Befragung etwa ergeben: "Selten bis nie würden sich Paare zur einer Trauung anmelden, die nicht schon vorher zusammenlebten. Sehr oft gebe es Lebensgemeinschaften ohne religiöse oder zivile Anerkennung. Getrennt Lebende und wiederverheiratete Geschiedene gehörten zur Realität in den Gemeinden", hieß es.

Viele empfinden kirchliche Lehre auch als verletzend

Getrennt Lebende und Wiederverheiratete empfänden in ihrer Situation meist Trauer. Sie litten sehr, habe es in einer Antwort geheißen. "Viele Menschen würden die Tatsache, dass sie nach kirchlicher Lehre in einer "irregulären"" Situation lebten, als verletzend empfinden." Sie seien verletzt aufgrund ihrer Situation und verletzt durch eine Kirche, die sich "nicht barmherzig" zeige. Das Papier stelle zusammenfassend fest, dass die sogenannte "irreguläre Ehesituation" zunehmend die normale Familiensituation sei, so das Bistum weiter.

Bereits im Vorfeld der Veröffentlichung hatte der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck in einem Interview mit der "Zeit"-Beilage "Christ & Welt" mit einem erschreckenden Ergebnis gerechnet: "Es wird bei der Befragung wahrscheinlich herauskommen, dass das Ideal der Kirche kaum noch gelebt wird", sagte Overbeck. "Und zwar weltweit. Das wird ein Erschrecken nach sich ziehen." (dpa)

 
 

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