Gewerkschaft: Zu wenige Schutzwesten für Essener Polizei

Jörg Maibaum
Kommissaranwärterin Nicole Steffens und Polizeikommissar Martin Kojtych tragen die neuen Schutzwesten. Foto:Hartmann
Kommissaranwärterin Nicole Steffens und Polizeikommissar Martin Kojtych tragen die neuen Schutzwesten. Foto:Hartmann
Foto: Volker Hartmann
  • Chef der Essener Gewerkschaft der Polizei ist entrüstet und sieht Sicherheit der Beamten nicht gewährleistet
  • In Essen sind häufig drei und nicht nur zwei Beamte an Bord eines Streifenwagens
  • Klagen gibt’s auch über eine nicht ausreichende technische Ausstattung für das Terror-Training

Essen. Neue Schutzwesten für Polizisten und eine weitere Maschinenpistole mit Laservisier in jedem Streifenwagen: Gestern fiel in Köln der Startschuss zur landesweiten Aufrüstung der Ordnungshüter im potenziellen Anti-Terror-Kampf. Doch bis die Essener Polizei die neuen Brustpanzer, die selbst Kugeln aus Schnellfeuerwaffen Stand halten sollen, anlegen kann, wird es wohl noch einige Wochen dauern.

Nach wie vor keine schusssicheren Helme für die Beamten

Die Kritik an der Ausstattung allerdings ist schon da. Sie sei schlicht ungenügend, moniert Heiko Müller. Es würden einfach zu wenige Schutzwesten zur Verfügung gestellt, meint der Vorsitzende der Essener Gewerkschaft der Polizei (GdP). Und es gebe nach wie vor keine schusssicheren Helme für die Beamten. Ein Unding, wie Müller findet: „Terroristische Täter nehmen immer die Schwachstellen ins Visier.“

Doch viel mehr ist der örtliche GdP-Chef „richtig entrüstet“ darüber, dass nicht jeder einzelne Polizist im Wach- und Wechseldienst in den Genuss einer der neuen Schutzwesten kommt, sondern allenfalls zwei pro Streifenwagen ausgegeben werden, von denen die Essener Behörde zurzeit knapp 80 im Einsatz hat – oft aber mit drei und nicht zwei Ordnungshütern an Bord.

Immer häufiger seien Bachelor-Absolventen der Polizei mit erfahrenen Beamten auf Streife unterwegs, um den Jungen den Einsatzalltag näherzubringen. Den Hinweis, dass die Frischlinge aus brenzligen Situationen herausgehalten werden sollten und deshalb keine Spezialweste benötigten, will Müller nicht gelten lassen. „Auf einer Einsatzfahrt nach einem Terror-Anschlag kann ich die Leute doch nicht vorher aussteigen lassen“, sagt der örtliche GdP-Vorsitzende, der befürchtet, dass sich am Ende einer womöglich nicht angemessen schützen kann.

Wieviele Westen für Essen vorgesehen sind, bleibt unklar

Zumal das Kalkül hinter der Aufrüstung der Beamten klar sei: Bei einem Anschlag sind die Streifenpolizisten in aller Regel als erste am Tatort. Auf Spezialeinsatzkräfte zu warten, könne dann keine Option sein, betonte Innenminister Ralf Jäger gestern noch einmal. Wer aber möchte, dass die Gefahr schnell und effektiv gebannt werde, müsse auch für den entsprechenden Schutz aller potenziell Beteiligten sorgen, verlangt Heiko Müller. Und das seien in Essen in aller Regel eben drei und nicht zwei Beamte. Wie viele der Westen ihren Weg nach Essen finden werden, wollte eine Sprecherin des zuständigen Landesamts für zentrale Polizeiliche Dienste nicht sagen. Nur soviel: Landesweit sollen 10 000 Stück bis zum Jahresende ausgegeben werden. Kostenpunkt: rund 10 Millionen Euro.

Kritik gibt es inzwischen auch an den Anti-Terror-Trainings, die in Essen angelaufen sind. Anleiter, die Beamten auf den Ernstfall vorbereiten, haben dabei eine Erfahrung machen müssen, auf die sie gerne verzichtet hätten: Die technische Ausstattung für die Schulungen sei nicht wirklich ausreichend, heißt es. „Das ist“, so sagt einer, „als müsste man eine Fußballmannschaft mit nur einem Ball trainieren.“