Gewalt gegen Beamte: Polizei Essen bedauert  Statistik-Panne

Wolfgang Kintscher
Vor allem bei Demonstrationen wie hier in Katernberg kommt es immer wieder zu Rangeleien mit der Polizei.
Vor allem bei Demonstrationen wie hier in Katernberg kommt es immer wieder zu Rangeleien mit der Polizei.
Foto: Ulrich von Born
  • Zahlen aus der Polizeilichen Kriminalstatistik für 2015 und 2016 wurden schlicht vertauscht
  • Panne im Landeskriminalamt fand sogar Eingang in eine offizielle Landtags-Drucksache
  • Mutmaßlich verharrt die Zahl der Gewalt-Vorfälle gegen Beamte auf dem gleichen Niveau

Essens Polizeibeamte werden bespuckt, geschlagen und manchmal sogar beschossen – so weit, so richtig. Was es aber nicht gab, das war – obwohl schwarz auf weiß in Tabellenform beigefügt – jener drastische Sprung in der Statistik, über den diese Zeitung am vergangenen Freitag berichtete. Diese Statistik hatte für die ersten neun Monate des laufenden Jahres schon weit mehr Gewalt-Vorfälle gegen Polizisten notiert als im gesamten Jahr 2015.

Polizeisprecher korrigiert Fehler mit knapper Pressemitteilung

Der Fehler, den der hiesige Polizei-Pressesprecher Ulrich Faßbender am Montag ziemlich peinlich berührt mit einer knappen Pressemitteilung korrigierte, er gründet in einem banalen Zahlendreher: Was man für die 2016er Zahlen hielt, waren die für 2015 und umgekehrt. Die Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage des Essener FDP-Landtagsabgeordneten Ralf Witzel wurde so in einem entscheidenden Detail verfälscht.

Rechnet man die Zahlen der ersten drei Quartale 2016 aufs ganze Jahr hoch, ergibt sich daraus tatsächlich ein Niveau von knapp 390 Vorfällen. Das läge in etwa auf dem des Vorjahres.

FDP-Abgeordneter Witzel fordert dennoch mehr Polizisten

Ein Grund zum Zurücklehnen ist das aber nicht. Denn unterm Strich bleibt die Gewalt gegen Polizisten auch im Bereich des Polizeipräsidiums Essen erschreckend hoch. Witzel sah am Montag daher auch keinen Anlass, seine Forderung nach mehr Rückendeckung für die Polizei zurückzunehmen.

Passiert ist die Panne übrigens nicht bei der Essener Polizei, sondern im Landeskriminalamt, das für die Polizeiliche Kriminalstatistik zuständig ist. Der Pressesprecher des LKA war telefonisch am Montag nicht zu erreichen.