Gesucht: junge Leute, Frauen, Zuwanderer

Beachtlichen Schwankungen ist die Mitglieder-Statistik der wieder einmal vermeintlich untergangsgeweihten FDP unterworfen: 2012 kratzte sie an der 300-er Marke, erlebte nach dem Rausflug aus dem Bundestag eine Eintrittswelle von mehr als 13 Prozent – um im vergangenen Jahr wieder auf 333 Mitglieder abzusacken. In ähnlichen Größenordnungen rangiert der Zulauf zur Linkspartei: Nach dem großen Donnerwetter vor und nach der Kommunalwahl im vergangenen Frühjahr verließen insgesamt 30 Mitglieder die Partei, darunter auch der einstige Bürgermeister und linke Fraktionschef Hans Peter Leymann-Kurtz. Jetzt hat man sich bei 298 eingependelt und ist damit nicht unzufrieden, wie Sprecher Michael Steinmann formuliert: „Wenn es so etwas gibt wie ,Parteiverdrossenheit‘ – wir können das für uns nicht bestätigen.“

Auch die Grünen sind vom Exodus des Volkes aus den Volksparteien nicht sonderlich betroffen: Sie zählen knapp 420 Mitglieder – etwa so viele wie zu ihren politisch wirksamsten Zeiten in der rot-grünen Bundesregierung und spürbar erholt von jenen Tagen, da man wegen der Kriegsdebatte um Kosovo und Afghanistan bis auf 330 absackte. Weiter aufwärts geht es derzeit nicht, aber eben auch nicht abwärts. Geschäftsführer Joachim Drell erklärt sich das dadurch, dass „wir unser Potenzial immer schon optimal ausgeschöpft haben“.

Man könnte das natürlich auch Stillstand nennen, und in der Tat räumen die Grünen ein, dass „die Konjunktur für ein klassisches grünes Thema fehlt“ und obendrein auf Bundesebene der Promifaktor. Junge Leute rücken nach, aber irgendwann gibt es den entscheidenden Bruch, und die Leute gehen den Grünen von der Fahne. Folge: Die Frontleute werden älter, was keiner besser beobachtet hat als Drell selbst: Der Mann führt die grünen Geschäfte seit 30 Jahren.

Ob der Parteien-Exodus sich noch irgendwie stoppen lässt? Die SPD hat es mit Gastmitgliedschaften versucht, mit „verschwindend geringem“ Erfolg, bekennt Geschäftsführerin Yvonne Hartig. CDU-Gegenüber Norbert Solberg kennt das: „Partielle Zuarbeit ist kein Problem. Aber wenn es um eine langfristige Mitarbeit geht, ist die Scheu groß.“ Er setzt auf die Jüngeren, auf Frauen, auch auf Migranten: Zwei Dutzend Muslime verzeichnen die Christdemokraten in ihren Reihen.

Ein kleines bisschen gehört der Islam also zur CDU, könnte man sagen. Was tut man nicht alles, um die Tribüne vollzukriegen.

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