Gesamtschule in Essen-Steele sucht eine neue Zweigstelle

Will die Erich Kästner-Gesamtschule als Stadtteilschule für Steele neu aufstellen: Schulleiterin Heike Brauckhoff-Zaum kam 2013 neu an die Schule.
Will die Erich Kästner-Gesamtschule als Stadtteilschule für Steele neu aufstellen: Schulleiterin Heike Brauckhoff-Zaum kam 2013 neu an die Schule.
Foto: Herbert Höltgen
Ungewöhnlicher Schritt der Kästner-Gesamtschule: Sie gibt ihre Dependance in Kray auf. Unterdessen fordert Politik Neubauten für einige Gesamtschulen.

Essen..  Einen ungewöhnlichen Weg in ihrer Entwicklung will die Erich-Kästner-Gesamtschule gehen, die an der Grenze zwischen Steele und Freisenbruch liegt. Die Schule, 1988 als vierte Gesamtschule in Essen aus einer ehemaligen Haupt- und Realschule hervorgegangen, wird sich ihrer Dependance entledigen – und die zwölf Jahre alte Praxis aufgeben, dass die Jahrgänge fünf und sechs in der Nebenstelle unterrichtet werden. Dabei benötigt sie grundsätzlich den Platz für Klassenräume durchaus.

Dass Schulen Zweigstellen haben, ist nicht ungewöhnlich. Das Problem bei Erich Kästner ist aber: „Wir sind eine der wenigen Regelschulen, die eine Dependance in einem anderen Stadtteil hat“, erklärt Heike Brauckhoff-Zaum, die seit 2013 die Schule leitet.

Dependance liegt in Kray

Das Gebäude an der Brembergstraße liegt dreieinhalb Kilometer entfernt, in Kray. Es war mal eine Hauptschule. Man braucht mit dem Auto zwischen zehn und 20 Minuten, je nach Verkehr.

„Wer nach den ersten zwei Jahren in Jahrgang sieben dann ins Hauptgebäude kommt, hat das Gefühl, an einer neuen Schule zu sein“, sagt Heike Brauckhoff-Zaum. Dass die Standorte viel zu weit voneinander entfernt liegen, „war eine der ersten Sachen, die mir auffielen, als ich hier neu angefangen habe.“ Eine Notlösung sei der Bezug der Brembergstraße damals gewesen, ohnehin immer nur als Provisorium gedacht, erinnert sich Annette Nowak-Reeves, die Didaktische Leiterin der Schule.

Immer nur als Provisorium gedacht

Jahrgangsübergreifende Projekte wie Sporthelfer – Ältere beaufsichtigen Jüngere beim Sport in der Pause – seien an den beiden Standorten kaum möglich. Schülervertretungs-Arbeit sei schwierig, Patenschaften zwischen Älteren und Jüngeren, wie andernorts üblich, nicht denkbar. „Pädagogische Arbeit, die die Jahrgänge miteinander verbindet, funktioniert nicht.“

Entsprechend beschloss die Schulkonferenz nach mehrjähriger Vorarbeit der Schulleiterin, dass die Brembergstraße aufgegeben werden soll. Das Okay der Stadt liege vor, berichtet Heike Brauckhoff-Zaum, und so werde der nächste Fünfer-Jahrgang im Sommer 2017 im Hauptgebäude am Pinxtenweg bzw. Hellweg eingeschult.

Das Hauptgebäude hat jedoch nicht übermäßig viel Platz übrig. In spätestens zwei Jahren muss eine neue Zweigstelle her. Sie soll in Steele liegen, am besten mitten im Stadtteil, und mehr als mündliche Zusagen der Stadt, dass sie bis dahin einen Ersatz schafft, gebe es nicht. Wahrscheinlich ist wohl, dass ein bereits bestehendes Schulgebäude neu bezogen wird; am liebsten wäre der Schulleiterin ein neuer Anbau auf dem Gelände des Hauptgebäudes. Fest steht: In die neue Zweigstelle sollen nicht die Jüngsten einziehen, sondern die Jahrgänge neun und zehn.

Neue Zweigstelle spätestens in zwei Jahren

Der Schritt ist durchaus Teil des Programms, die Schule neu aufzustellen: Die Erich Kästner-Gesamtschule, deren Anmeldezahlen seit 2011 bisweilen deutlich absackten, soll sich neu als „Stadtteilschule Steele“ positionieren. „Alle Kooperationen zum Beispiel mit der Stadtteilbücherei, dem MTG Horst, dem Grend sollen erhalten und stärker ausgebaut werden“, sagt Brauckhoff-Zaum. Entsprechend solle eine neue Zweigstelle stärker im Stadtteil Steele liegen, die lokale Anbindung solle deutlicher hervorgehoben werden.

Ob’s klappt? Und die Enge am Pinxtenweg zwischendurch nicht zu arg wird? „Warum soll es nicht klappen?“, fragt die Schulleiterin zurück. Ihr Schritt, die Gesamtschule so Stück für Stück neu zu erfinden, kann man durchaus als mutig bezeichnen.

Neues Profil: „Stadtteilschule“

Warum wurde überhaupt eine Zweigstelle nötig? „Alte Planungsfehler“, glaubt Annette Nowak-Reeves. Man ging wohl davon aus, dass das benachbarte Gymnasium nachlasse und man dort Räume haben könnte – was aber nie geschah.

Unterdessen werden erste Stimmen laut, die konkret vorschlagen, was mit den 81,6 Millionen Euro geschehen soll, die vom Land für Essener Schulbauten zur Verfügung gestellt werden: Sie sollen, heißt es erstmals vereinzelt, komplett an Essener Gesamtschulen gehen.

Grüne fordern: Baut „Frida-Levy-Schule“ neu

So halten die Grünen es für sinnvoll, die Frida-Levy-Gesamtschule (Stadtmitte) abzureißen, um sie komplett neu zu errichten – am jetzigen Ikea-Standort in der Nähe des Berliner Platzes. Wie berichtet, zieht Ikea in den kommenden Jahren in den Krupp-Gürtel. Am alten Ikea-Standort gäbe es nicht nur eine „hervorragende Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr“, erklärt Hiltrud Schmutzler-Jäger, die grüne Fraktionsvorsitzende. „Durch Nähe zu Uni, Folkwang Musikschule und Weststadthalle würde auch ein Bildungszentrum entstehen mit vielfältigen Vernetzungsmöglichkeiten.“ Weiter fordern die Grünen ein Investitionsprogramm für Turnhallen sowie eine Generalsanierung der Gesamtschule Bockmühle in Altendorf. Außerdem sollte die Gesamtschule Nord in Vogelheim mit einem Ergänzungsbau versehen werden; dort befänden sich Pavillons in „miserablem Zustand“.

Britta Altenkamp (SPD): Bockmühle neu bauen, nicht sanieren

Auch die SPD-Landtagsabgeordnete Britta Altenkamp mischt sich in die Debatte ein – und macht einen konkreten Vorschlag: Die Gesamtschule Bockmühle, deren baulicher Zustand nach Elternberichten ausgesprochen fragwürdig ist – siehe Ausgabe Samstag –, solle „komplett neu“ gebaut werden, heißt es in einer Stellungnahme der Landespolitikerin. An dem „stark heruntergekommenen Gebäude“ solle nicht weiter „herumgedoktert“ werden. Wie berichtet, sind in den vergangenen Jahren bereits knapp sechs Millionen Euro in Brandschutz-Maßnahmen an der Bockmühle geflossen.

Auch der „marode Anbau an der Frida-Levy-Gesamtschule“, so Britta Altenkamp, solle „grundlegend saniert werden.“

Das Hauptgebäude der Frida-Levy-Schule, dem ehemaligen Humboldt-Gymnasium, stammt aus den Fünfziger Jahren. Die Grünen halten es für sinnvoll, das zentral gelegene Areal mit ehemaliger VHS-Fläche und leerem Hauptbad neu zu vermarkten als „städtebauliche Filet-Lage“, die für Investoren interessant wäre.

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