Landgericht reduziert Strafe für Rechtsanwalt

Essen. Ein 60-jähriger Rechtsanwalt muss nach Revision und Berufung nur noch 6.000 Euro zahlen. Der Mann hatte eine junge Auszubildene sexuell genötigt. „Sie haben psychischen Druck aufgebaut und Ihre Autorität ausgenutzt. Das ist widerlich", hatte Richter Stefan Groß in erster Insanz gesagt.

Rechtsanwalt Volkmar B. nennt sich wieder unschuldig. Deshalb wirkt der 60-Jährige weiter unzufrieden, obwohl er mit Verteidiger Thorsten Dercar am Dienstag vor der VIII. Strafkammer am Landgericht durchaus gewonnen hat. Weil er seine 22-jährige Auszubildende begrabscht hatte, verurteilte das Gericht ihn in der Berufung zu nur 6000 Euro Geldstrafe (200 Tagessätze zu 30 €). In erster Instanz hatte das Amtsgericht auf ein Jahr und vier Monate Haft erkannt; Bewährungsauflage 4000 Euro Schmerzensgeld. Richter Stefan Groß damals: „Sie haben psychischen Druck aufgebaut und Ihre Autorität ausgenutzt. Das ist widerlich.“

Akten nach Hause bringen lassen

Drei Lehrlinge beschäftigte Volkmar B. 2005 in seiner Kanzlei. Der Anwalt, der für die Republikaner im Essener Stadtrat saß, hatte laut Aussage der Frauen eine sexualisierte Stimmung in der Kanzlei verbreitet. Akten ließ er sich nach ihren Worten nach Hause bringen, wo er den jungen Frauen im offenen Bademantel ohne Unterhose geöffnet habe. Konkret verurteilt wurde er, weil er die 22-Jährige auf die Couch zwang, ihre Oberschenkel streichelte und ihren BH am Rücken öffnete und wieder schloss. „Ich bin ein Ass im BH-Öffnen“, soll er gesagt haben. Verurteilt wurde er auch für einen Kuss, den er ihr bei einer Autofahrt gab.

Er sprach von einvernehmlichen Handlungen, die junge Frau dagegen erzählte, er habe sie oft bedrängt und gedroht, dass sie den Job verliere. In der ersten Berufung vor der XIII. Strafkammer hatte er sich weinend zum Geständnis entschlossen, bekam acht Monate Haft mit Bewährung. Aus Rechtsgründen hob das OLG Hamm die Strafhöhe auf, sprach von einfacher Nötigung. Prozessual hatte das „Geständnis“ am Dienstag in der neuen Berufung weiter Bestand.

Sitz für die Republikaner im Rat verloren

Volkmar B. versuchte aber wieder, sich als Opfer darzustellen. Staatsanwalt Wolfgang Kolpatzik plädierte erneut auf Haft mit Bewährung. Die mit zwei Schöffinnen besetzte Kammer entschloss sich zur Milde. Richter Stephan Hackert verwies auf die lange Verfahrensdauer und das Geständnis. Außerdem habe B. bereits 1750 Euro Schmerzensgeld bezahlt und durch die Berichterstattung über das Verfahren finanzielle Einbußen als Anwalt gehabt und seinen Sitz für die Republikaner im Rat verloren.

 
 

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