Essen

Gerade mal 20 Paare wollen in Essen die „Ehe für alle“ - Daran könnte es liegen

Ab dem 1. Oktober können sich homosexuelle Paare in Essen trauen lassen.
Ab dem 1. Oktober können sich homosexuelle Paare in Essen trauen lassen.
Foto: dpa
  • Vor rund zwei Monaten wurde die „Ehe für alle" beschlossen
  • Doch erst 20 Paare wollen sich ab Oktober in Essen trauen lassen
  • Das sind die Gründe dafür

Essen. Die Freude in der Schwulen- und Lesben-Gemeinde war groß, als vor knapp zwei Monaten die „Ehe für alle“ im Eilverfahren durch den Bundestag beschlossen wurde. Die Grünen warfen Konfetti, überall im Land wurde das Gesetz als der letzte Schritt zur Gleichstellung von homo- und heterosexuellen Menschen gefeiert.

Mitte August lässt sich aus den nackten Zahlen Ernüchterung herauslesen. Stand jetzt wollen gerade einmal 20 gleichgeschlechtliche Paare in Essen heiraten. Davon sind 14 Anträge auf eine Umwandlung der eingetragenen Lebenspartnerschaft zu einer Ehe und sechs standesamtliche Hochzeiten. Ab dem 1. Oktober können diese geschlossen werden.

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1294 eingetragene Lebenspartnerschaften gibt es in Essen. Ist da die Zahl von 20 Paaren, die das neue Gesetz auch in Anspruch nehmen, nicht erschreckend niedrig?

„Es gab sehr viel Verunsicherung", sagt Markus Ulrich, Sprecher des Lesben- und Schwulenverbandes. Denn manche Standesämter hätten sich noch bis vor kurzem geweigert, Anträge auf Eheschließungen anzunehmen. „Es war pures Glück, bei welchem Standesamt man gelandet ist." Auch von Softwareproblemen war oftmals die Rede.

Auch die Stadt Essen musste erst einmal warten, bis aus der bloßen Nachricht: „Die Ehe für alle kommt", eine Veröffentlichung im Gesetzesblatt wurde. Dennoch habe man bereits vorher allen gleichgeschlechtlichen Paaren die Möglichkeit gegeben, sich informell zu melden. Als die Computersoftware dann aktualisiert war, konnten die Termine vergeben werden.

Für homosexuelle Paare besteht kein Handlungsdruck

Es hat aber auch noch einen anderen Grund, warum viele homosexuelle Paare mit der Eheschließung noch warten, sagt Ulrich: „Nicht alle Paare wollen sofort heiraten. Sie möchten aber heiraten können."

Es bestehe zudem kein Handlungsdruck für die Paare, weil die Lebenspartnerschaft durch das Ehe-für-alle-Gesetz nicht abgeschafft werde.

Deshalb wundert es Ulrich auch nicht, dass der große Run auf die Standesämter bislang ausbleibt. Szenen wie in Amerika, wo homosexuelle Paare vor den Rathäusern Schlange standen: „Ohne Termin kann man in Deutschland schlicht nicht heiraten. Dennoch bin ich fest davon überzeugt, dass in einem Jahr fast alle eingetragenen Partnerschaften zu Ehen umgewandelt worden sind."

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