Geplanter Erzieher-Streik bereitet Eltern große Sorgen

Ende April - am dritten Warnstreiktag - kamen die Sozialarbeiter und Erzieher, um die es im Streik geht, zu einer Kundgebung auf dem Kennedyplatz zusammen.
Ende April - am dritten Warnstreiktag - kamen die Sozialarbeiter und Erzieher, um die es im Streik geht, zu einer Kundgebung auf dem Kennedyplatz zusammen.
Foto: Essen
Die Gewerkschaft Verdi plant, im Mai 35 der 48 städtischen Kitas in Essen komplett zu bestreiken. Auch Grundschulen und Behindertenwerkstätten betroffen.

Essen.. Die Erzieher-Streikpläne der Gewerkschaft Verdi bringen Eltern von Kindergarten- und Grundschulkindern in erhebliche Unruhe. Vom Ende der ersten oder vom Anfang der zweiten Mai-Woche an plant Verdi die komplette Schließung von 35 der 48 städtischen Kindertageseinrichtungen in Essen. Auch die Erzieher, die an den 81 Essener Ganztags-Grundschulen die Früh- und Nachmittagsbetreuung leisten, werden zum Streik aufgerufen. „Wir gehen davon aus, dass auch fast alle Schulen mit Ganztags-Betrieb mitmachen werden“, sagt die Verdi-Fachbereichsleiterin Martina Peil. Seit Mittwoch findet unter den gewerkschaftlich organisierten Erziehern eine Urabstimmung statt.

Diesem Streik, dessen Kommen als sehr wahrscheinlich gilt, gingen bis Mitte April drei Warnstreiktage voraus. Mit der Kampagne „Aufwerten jetzt!“ kämpft die Gewerkschaft Verdi für eine bessere Bezahlung der Erzieher. Vom Streik im Mai wären auch Behindertenwerkstätten und der Sozialdienst der Stadtverwaltung betroffen.

Stadt kann vermutlich nur wenige Notgruppenplätze anbieten

Die Pläne haben längst das offizielle Elterngremium „Jugendamtselternbeirat“ auf den Plan gerufen. Es vertritt alle Eltern von Kita-Kindern im Stadtgebiet, wird besetzt von Elternratsvorsitzenden der insgesamt 273 Essener Kitas.

„Die drei Warnstreik-Tage gingen bereits für viele Väter und Mütter über die Belastungsgrenze“, berichtet Elternbeirats-Mitglied Kathleen Lyß. „Wenn jetzt ein unbefristeter Streik kommt, dann bangen nicht wenige Eltern um ihre Jobs“, warnt die Mutter zweier Kita-Kinder. „Kaum ein Arbeitgeber hat dafür Verständnis, wenn Kinder künftig laufend mit ins Büro genommen werden oder Fehlzeiten entstehen. Und nicht jeder kann über einen unbestimmten Zeitraum privat eine Ersatzbetreuung organisieren.“

Der Eltern-Beirat betont, dass er die Streik-Ziele der Erzieher mit unterstützt: „Die Arbeit der Erzieher ist überaus wertvoll. Trotzdem fordern wir auf Bundesebene die Verhandelnden auf, den Streik gar nicht erst entstehen zu lassen.“ Und: „Die Stadtverwaltung steht in der Pflicht, eine flächendeckende Notbetreuung zu organisieren.“

Ob und in welchem Umfang die Stadt tatsächlich Kinderbetreuungs-Provisorien einrichten kann, ist derzeit unklar. „Wir rechnen mit stärkeren Auseinandersetzungen und können vermutlich nur wenige Notgruppen anbieten“, kündigt Peter Herzogenrath an, Sprecher des Jugendamts. „Die Notgruppenplätze werden von den Kitas selbst verteilt.“ Klar ist schon jetzt, dass für die Streik-Zeit keine Elternbeiträge rückerstattet werden. Die Stadt schaltet 24 Stunden vor Streikbeginn eine telefonische Info-Hotline scharf: 0201-88-51205.

 
 

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