Gehalts-Affäre - Das verdienen die Chefs der Stadttöchter in Essen

Gut bezahlt wird an der Spitze der Gesellschaft für Soziale Dienstleistungen (GSE) – das stößt manchem auf.
Gut bezahlt wird an der Spitze der Gesellschaft für Soziale Dienstleistungen (GSE) – das stößt manchem auf.
Foto: WAZ FotoPool
Seit 2010 werden die Gehälter, die in den Chefetagen der städtischen Töchter gezahlt werden, veröffentlicht. Die Liste zeigt: Nicht nur bei der Sozialgesellschaft GSE gibt es großzügige Bezüge. Derweil diskutiert die Politik über den GSE-Skandal. Das Grundgehalt der Chefs stieg um 49 Prozent.

Essen. Transparenz ist eine schöne Sache – kann für die Betroffenen aber auch schmerzhaft sein. Seit 2010 werden die Gehälter, die in den Chefetagen der städtischen Töchter gezahlt werden, veröffentlicht. Bei den genannten Summen handelt es sich jeweils um den Bruttojahresverdienst. Am Samstag hatte die WAZ bereits über den wundersamen Gehaltssprung um 50 Prozent berichtet, mit dem die Geschäftsführer der Gesellschaft für Soziale Dienstleistungen (GSE) beglückt wurden: Heinz Bremenkamp und Günter Büsselberg verdienen nun jeweils 150 000 Euro - zuzüglich Tantieme.

Die Nachricht hat für Unmut gesorgt, beim Bürger und in der Politik. Die CDU, wenngleich im GSE-Aufsichtsrat vertreten, verlangt Aufklärung. SPD-Fraktionschef Rainer Marschan erinnert daran, dass seine Partei schon im März einen Ratsantrag zu den Gehältern einbrachte. „Wir haben die Verwaltung beauftragt, klare Richtlinien für die Bezahlung bei den Stadttöchtern zu erarbeiten; ärgerlicherweise kommt da nichts. So können wir das Thema nicht glaubwürdig vermitteln.“

Glaubwürdigkeitsproblem

Mit einem Glaubwürdigkeitsproblem haben bereits die fünf Ratsleute zu kämpfen, die dem GSE-Aufsichtsrat angehören und die üppige Erhöhung für das Führungsduo 2011 abgesegnet haben: Wilhelm Maas (CDU), Elisabeth Potthoff, Christine Müller-Hechfellner (beide Grüne), Karlheinz Endruschat und Karla Brenneke-Roos (beide SPD). In Zeiten, da die Stadt einen strikten Sparkurs fährt, ist ihre Entscheidung für viele schwer nachzuvollziehen. „Der Aufsichtsrat entscheidet autonom, aber das ist unglücklich gelaufen. Damit werden wir uns auch auf unserer Fraktionsklausur am Freitag befassen“, kündigt SPD-Mann Marschan an. Seine Parteifreundin Karla Brennecke-Roos steht zu ihrer Entscheidung: „Wir haben diskutiert, aber wir haben das einstimmig beschlossen.“

Auf die Frage, wie gut sich eine solche Erhöhung ausgerechnet bei einem sozialen Träger begründen lasse, fragt Brennecke-Roos zurück: „Warum sollte gerade bei Sozial-Firmen schlechter verdient werden? Wir haben die Gehälter dem andernorts üblichen Niveau angepasst. Das sind zwei verdiente Leute, die ihr Schiff durch schwierige Zeiten lenken. Im übrigen macht die GSE Gewinne.“ So entspannt sieht das nicht jeder: Wer am Montag bei Stadttöchtern anruft, begegnet Misstrauen, mancher Chef mag nicht einmal beantworten, ob er einen Dienstwagen fährt. Auch Brennecke-Roos weiß, dass die Debatte nicht beendet ist: „Der Nachfolger von Herrn Bremenkamp wird nun neu verhandeln müssen.“

 
 

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