Gastwirte hilflos gegen das Sky-Fußball-Monopol

Clemens Boisseree
Foto: Alexandra Umbach
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Gastwirte klagen über die immer höheren Preise für Fußball-Übertragungen. Den Sky-Anschluss kündigen will aber keiner – weil sonst die Kunden wegbleiben. Seit August wurden die Preise noch mal erhöht – um mehrere tausend Euro.

Essen. „In Fußballdeutschland muss man Bundesliga anbieten“, sagt man im Road Stop Essen. Damit ist das Dilemma, in dem sich viele Gastwirte in Essen befinden, umfassend beschrieben: Wer als Gastronom des „Deutschen liebstes Kind“, also die Fußball-Bundesliga, live auf die Matscheibe bringen möchte, der musste bislang bereits tief in die Tasche greifen. Seit August wurden die Preise noch mal erhöht – um mehrere tausend Euro.

„2800 waren es für die Saison 2010/2011“, sagt Andreas Mais, Wirt der Rüttenscheider Kultkneipe „Die Alm“. Dafür durfte er die Bundesliga und internationale Wettbewerbe zeigen, eben alles, wofür der Pay-TV-Sender Sky die Übertragungsrechte hält. Und das in Deutschland exklusiv für alle Gaststätten. Während sich der Privatkunde zwischen Sky und der Telekom entscheiden kann, bleibt den Betreibern keine andere Möglichkeit, als das Münchener Bezahlfernsehen zu abonnieren – oder auf Live-Übertragungen zu verzichten.

Anstieg um über 50 Prozent

Das können und wollen viele Kneipen nicht, und deshalb zahlen sie. 4300 Euro sind es für „die Alm“ 2011/2012, ein Anstieg um mehr als 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Aber: „An Spieltagen kommen 60-70 Prozent mehr Besucher, da kann ich nicht auf Live-Fußball verzichten“, erklärt Mais. Auch im Road Stop zahlt man weiter. Die höchste Kategorie, 589 Euro im Monat, bei einer Mindestlaufzeit von einem Jahr.

Die Kategorien werden nach Größe des Schankraums unterteilt. Ab 201 Quadratmetern fällt der Höchstbetrag an, dazwischen liegen fünf weitere Preisbereiche. Schon eine kleinere Eckkneipe mit 70 Quadratmetern zahlt 229 Euro im Monat. In diesem Bereich liegen das „Paraply“ in Überruhr und das „Posthörnchen“ in Altenessen. 2010/2011 musste der direkt der Jahresbeitrag überwiesen werden, „das waren über 2000 Euro weniger als es diese Saison werden“, erklären die beiden Betreiber Frank Saczmarek (Paraply) und Gisela Weismüller (Posthörnchen) übereinstimmend. Wieso der Ball trotz der gewaltigen Preissteigerung weiterhin auf Großleinwand und Bildschirm rollt? „Wir sind die Einzigen in näherer Umgebung mit Sky, da rechnet es sich noch“, sagt Kaczmarek. Und Weismüller ergänzt: „An Spieltagen haben wir über 50 Prozent mehr Gäste, so machen wir noch gerade eben Gewinn.“ Doch in einem sind sich beide einig: „Die Schmerzgrenze ist erreicht.“

„Die Gäste erwarten, dass wir Fußball zeigen“

Auf die Frage nach dieser Schwelle lacht Simon Heidenreich, Besitzer der Rüttenscheider Sportsbar „Die Eule“. „Wir haben gar keine andere Möglichkeit“, erklärt er. „Die Gäste erwarten, dass wir Fußball zeigen“, über 100 sind es an Top-Spieltagen, weit mehr als sonst. Im Bereich der Sportübertragung sei man schließlich „eine städtische Institution“, da zähle die persönliche Schmerzgrenze nicht, die sei „schon erreicht“, sagt Heidenreich. Doch wenn der Ball ruft, kommen die Leute – genug, um die monatliche Gebühr von 370 Euro für knapp 90 Quadratmeter Kneipenfläche zu refinanzieren.

Bei Sky rechtfertigt man die Preiserhöhungen mit mehr Programmvielfalt. „Im Preis sind die Kosten für HD- und 3D-Empfang enthalten, das gab es vorher nicht“, sagt Sprecher Matthias Larisch. „Außerdem bieten wir nicht nur mehr Fußball, sondern auch exklusiv andere Sportarten“, ergänzt er. Dass das Tennis- oder Eishockey-Programm von den Gastwirten und ihren Besuchern kaum gefragt ist, lässt Sky nicht gelten. Man arbeite aber stetig an „neuen Angebotsformen für die Bar-Sparte“, antwortet der Sky-Sprecher auf die Frage nach mehr Kundennähe. Zurzeit könne aber noch keine Neuerung bekanntgeben werden.

Dass sich nicht alle Kneipen den Sky-Preisen aussetzen, zeigt das Beispiel der beliebten Bar „Bahnhof Süd“. „Wir wären in der höchsten Kategorie, dass wollen und müssen wir uns nicht leisten“, sagt Besitzer Thomas Draheim. Er baut auf andere Angebote: „Wir wollen ein breites Publikum ansprechen und mit anderem Kulturgut locken“, sagt Draheim. Live-Musik und Disconächte füllen ihm am Wochenende regelmäßig das Haus – ganz ohne König Fußball.