Garten für Asylheim geräumt – das vorerst nicht gebaut wird

Eine Brache statt des gepflegten Gartens befindet sich nun vor der Mauer, die Ann-Kathrin Trinh versetzen musste. Denn auf dem Teilstück des Gartens, das sie von der Stadt gepachtet hatte, war die Straße zum Asylheim geplant.
Eine Brache statt des gepflegten Gartens befindet sich nun vor der Mauer, die Ann-Kathrin Trinh versetzen musste. Denn auf dem Teilstück des Gartens, das sie von der Stadt gepachtet hatte, war die Straße zum Asylheim geplant.
Foto: Socrates Tassos
  • Stadtrat stellt Bau für Asylheim in Essen-Überruhr bis auf Weiteres zurück
  • Zuvor kündigte Stadt zwei Familien die gepachteten Grundstücke, die jetzt vorerst gar nicht gebraucht werden
  • Pech für eine Familie, die Garten vor Ratsbeschluss bereits geräumt und Mauer versetzt hatte

Essen-Überruhr.  Der Bau des Asylheims an der Antropstraße in Überruhr ist vorerst zurückgestellt, so hat es der Rat beschlossen. Spuren haben jedoch allein die Pläne für die Unterkunft hinterlassen. Aus dem aufwendig gestalteten japanischen Garten von Familie Trinh ist eine Brache geworden. Völlig unnötig, wie die Anwohner heute wissen.

Die Stadt als Eigentümerin hatte wegen des geplanten Asylheims zwei Familien gepachtete Teilstücke ihrer Gärten gekündigt. Die Betroffenen erhielten Fristen und die Aussicht auf eine Räumungsklage – und reagierten ganz unterschiedlich. Während Familie Tessarek abwartete, gab Familie Trinh zwei Drittel ihres Gartens auf.

Hochwertige Bonsai-Bäume schmückten diese Fläche, die zur Zufahrtsstraße werden sollte. Geblieben ist nun Brachland. Und die Erkenntnis: Aus heutiger Sicht wäre das nicht notwendig gewesen. „Es ist schon bitter“, sagt Ann-Kathrin Trinh und meint nicht ihren viel kleiner gewordenen Garten. Sie hätten für diesen Rückbau vor allem tausende Euro investiert, mussten unter anderem eine Mauer abreißen, eine neue errichten.

„Viele Bonsais haben wir verschenkt oder verkauft, schreddern mussten wir keinen“, versucht sie der Situation etwas Positives abzugewinnen. Ann-Kathrin Trinh spricht sogar von Glück: „Wir wollten unseren Garten im nächsten Jahr im großen Stil umgestalten, dann wäre alles noch viel schlimmer gewesen.“ Nun hätten sie sich mit der Lage abgefunden, würden die Fläche auch nicht mehr pachten wollen.

Die Nachbarn gegenüber haben ihre Pachtfläche behalten. „Es ist wohl unserer Sturheit zu verdanken, dass wir unseren Garten noch haben“, sagen Gisela und Konrad Tessarek. Ihr Anwalt argumentierte unter anderem mit dem Bebauungsplan, nach dem an der Antropstraße lediglich Ein- und Zweifamilienhäuser gebaut werden dürften. Tessareks harrten aus.

Erleichterung und Enttäuschung

Denn mit der geplanten Unterkunft wäre nur einige Meter vor ihrem Wohnzimmerfenster ein zweigeschossiger Bau entstanden. Derart auf dem Präsentierteller leben zu müssen, erschien so unvorstellbar, dass nach dem Bericht unserer Zeitung gleich mehrere Fernsehsender aus dem Garten berichteten, erzählt Konrad Tessarek. Und seine Frau macht keinen Hehl daraus, dass die ganze Situation sie durchaus mürbe gemacht habe.

Nun herrsche einerseits Erleichterung bei vielen rund um die Antropstraße, die vor allem die Kessellage des geplanten Asylheims inmitten des Wohngebiets mit kleinen Bauten kritisierten. Andererseits sei ihnen durchaus bewusst, dass die Pläne lediglich zurückgestellt seien, bedauert nicht nur Ann-Kathrin Trinh. Daher löse sich die Bürgerinitiative nicht auf. „Die aktuelle Entscheidung gegen den Bau ist logisch, mit der Lage hier oder unseren Argumenten hat sie jedoch nichts zu tun“, sagt zudem Konrad Tessarek enttäuscht.

Das Ehepaar wartet nun auf einen Bescheid der Stadt, die vor dem Ratsbeschluss zuletzt vom „Räumungsausstand“ schrieb. Der dürfte sich erledigt haben – bis auf Weiteres. Dieser Status gilt für die Asylpläne in Überruhr auf unbestimmte Zeit. Daher bleiben an der Antropstraße nicht nur Tessareks wachsam. Familie Trinh kündigt an: „Falls irgendwann das Thema Klage wieder zur Sprache kommt, sind wir mit im Boot!“

 
 

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