Gardinen Haase – seit nunmehr 50 Jahren in Essen

Reiner Haase weiß, was Frauen wollen. Seit 50 Jahren fertigt und verkauft er Gardinen.
Reiner Haase weiß, was Frauen wollen. Seit 50 Jahren fertigt und verkauft er Gardinen.
Foto: Funke Foto Services
Firmengründer Reiner Haase arbeitet mit seinen 80 Jahren immer noch täglich in seinem Unternehmen in Bochold. Seine Welt sind eben die Gardinen.

Essen. Ruhestand ist für Reiner Haase ein Fremdwort. Täglich fährt der 80-Jährige von seiner Wohnung in Rüttenscheid zum Stammsitz seines Unternehmens „Gardinen Haase“ nach Bochold, das er vor 50 Jahren gegründet hat. In all der Zeit hat sich nämlich eines nicht verändert: seine Leidenschaft für Gardinen. „Ich komme noch jeden Tag gerne hierher“, sagt Haase. Und wer den Chef beim vertrautem „Du“ mit seinen Mitarbeiterinnen erlebt – die ihn wiederum respektvoll siezen – der nimmt ihm dies auch ab.

Ein eigenes Büro und eine Sekretärin hatte Haase nie. Solche Statussymbole sind ihm nicht wichtig. Sein Büro ist der große Musterraum mit dem riesigen Tisch, wo er mit seinen Mitarbeitern fast täglich an neuen Kreationen arbeitet. Stillstand wäre Rückschritt. Gleich nebenan in dem Firmengebäude am Wolfsbankring liegt die Näherei, in der Haase bis heute seine Gardinen fertigen lässt. Jede made in Essen.

Seine wohl pfiffigste Idee, auf der der Unternehmenserfolg mit gründete, ist die zwischenzeitlich patentierte „Haase-Falte“. Haase entwickelte eine besondere Lege- und Nähtechnik, bei der die Falten auch nach dem Waschen der Gardinen in Reih und Glied bleiben. Der Hausfrau blieb so das aufwändige Ordnen mit dem Reihband erspart.

Erster Job bei Lembeck in Borbeck

Die Liebe zu Gardinen entdeckte Haase erst während seiner Lehre in einem Kaufhaus in seiner Heimat Schleswig-Holstein. Eigentlich wollte er Schiffbauingenieur werden. „Aber ich habe mein Abitur versemmelt“. Die Gardinenabteilung fand er noch am spannendsten, „weil dort etwas hergestellt wurde“, erinnert er sich. Denn in den 1950er Jahren gab es noch keine Fertiggardinen von der Stange, sondern die Hausfrau suchte sich Stoff und Machart aus.

Nach seiner Ausbildung entschied sich Haase für eine Anstellung im renommierten Borbecker Kaufhaus Lembeck und kam so ins Ruhrgebiet. Bei Lembeck führte der damals 23-Jährige die Gardinenabteilung – insgesamt sechs Jahre lang. Dann verkaufte er sein Auto, nahm einen Kredit auf und machte sich mit ein paar tausend Mark selbstständig. „Ja, ich wollte den Schritt unbedingt gehen, aber ich hatte auch riesigen Schiss.“ In einer Hinterhofgarage in Borbeck im Weidkamp baute der Textilkaufmann zusammen mit seiner damaligen Frau die erste Produktion auf. Der Handel mit Gardinen kam erst viel später dazu. Sein erster „Haase-Shop“ eröffnete Mitte der 80er Jahre im Kaufhof in Mülheim. Heute betreibt er 25 eigene Läden und 15 Verkaufspunkte in Warenhäusern. Die Firma beschäftigt 100 Mitarbeiter, davon 40 in der Näherei.

Immer auf der Suche nach neuen Ideen

Die Geschäfte könnten besser laufen, die Branche generell stagniert. Da ist der Essener sicher nicht anders als der Durchschnittsdeutsche, der sich nur alle acht Jahre neue Vorhänge und Gardinen gönnt. Die Billigkonkurrenz auf dem Gardinenmarkt tut ihr übriges. Reiner Haase ist daher stets auf der Suche nach neuen Ideen und Präsentationen, „um die Menschen noch mehr von unseren Produkten zu begeistern“. Noch zu häufig sieht er auf seinem Weg zur Arbeit und bei Reisen „viele leider nur mäßig bekleidete Fenster“.

Seine Mission sieht er offensichtlich noch nicht erfüllt. Sein Sohn aus erster Ehe ist mittlerweile ins Geschäft mit eingestiegen und kümmert sich um den Vertrieb. Derweil ihm der Vater vor Ort „den Rücken frei hält“. Karin Bialojahn kennt Reiner Haase schon aus der Zeit bei Lembeck. Zu ihr habe er einmal gesagt, wenn er 80 sei und sie 70, dann sei Schluss. Doch nun wird er bald 81 und Karin Bialojahn 71 – und beide sind noch immer da.

Die Frage, was er denn tun würde, wenn er in den Ruhestand ginge, überrascht Reiner Haase. „Darüber habe ich mir noch gar keine Gedanken gemacht.“ Für sein früheres Hobby das Regattasegeln sei er nun zu alt. Seine Frau würde wohl gern noch mit ihm reisen. „Aber im Grunde begeistert mich das hier“, deutet Haase um sich.

 
 

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