Gar nicht so brutal, der Poetry-Slammer

Cristofer Rott brachte teils humorige, teils nachdenkliche Texte über sein Dasein als Referendar, Liebe und das, was sein Leben lebenswert macht, auf die Bühne.
Cristofer Rott brachte teils humorige, teils nachdenkliche Texte über sein Dasein als Referendar, Liebe und das, was sein Leben lebenswert macht, auf die Bühne.
Foto: Ellen Hempel/www.ellen-hempel.de
Im Finale der „Weststadtstory“ macht Cristofer Rott das Rennen. Er vertritt Essen beim Landesentscheid.

Essen. So einen 30. Geburtstag feiern die meisten wohl mit einer großen Party, mit Verwandten, vielen Freunden und allen anderen, die einem Lieb sind. So auch Cristofer Rott, nur mit dem Unterschied, dass keiner der mehr als 300 Gäste in der Weststadthalle an der Thea-Leymann-Straße etwas von seinem Ehrentag weiß. Und das soll auch so bleiben, bis zum Schluss. Rott ist Poetry-Slammer – ein Wortakrobat, ein moderner Dichter. Und einer mit Talent. Auf der Bühne lässt sich Rott, der als Referendar für Geschichte und Latein an einer Schule in Castrop-Rauxel tätig ist, unter seinem Künstlernamen „Christofer mit F“ ankündigen. So auch am Samstagabend beim großen Saisonfinale der „Weststadtstory“, einem Poetry-Slam.

Rund 100 Slams hat Rott schon hinter sich gebracht, darunter „mein er­stes Mal in der Heldenbar, das war vor vier Jahren. Mein erster Text war über oder besser gegen Weltverbesserer“, erinnert sich Rott gut. Es habe über ein Jahr gebraucht, bis er seinen ersten Slam gewonnen hat – der zweite Triumpf sollte erst Monate später folgen. „Vergangenen Herbst und Winter lief es dafür ganz gut, ich habe oft gewonnen“, sagt Rott.

Rott vertritt Essen bei der Landesmeisterschaft im Poetry-Slam

Und ebenfalls am Samstag: Beim Saisonfinale sicherte sich der junge Mann aus Herne den ersten Platz und damit die Ehre, Essen bei den Landesmeisterschaften im Poetry-Slam vertreten zu dürfen. „Ich gehe nicht davon aus zu gewinnen, freue mich aber, dabei zu sein. Denn dabei sein ist alles!“, sagt „Christofer mit F“ bescheiden. Jeder Abend sei schließlich etwas Besonderes. „Er hat seine ganz eigene Dramaturgie. Zu gewinnen, ist da nicht alles“, meint Rott, der teils humorige, teils nachdenkliche Texte über sein Dasein als Referendar, Liebe und das, was sein Leben lebenswert macht, auf die Bühne bringt. Im Wettstreit mit Annalouise Falk, Ann-Kathrin Gebh, Sarah Latza, Felix Krull, Sven Golze, Leif Kl. und David Grasshoff schlägt er sich verbal ganz gut.

Denn darauf kommt’s an beim „Poetry Slam“, das aus dem englisch Wort „poetry“ für „Dichtung“ und „slam“ für zuschlagen, zuknallen oder auch jemanden ins Gesicht schlagen zusammensetzt ist. Gewalttätig ist „Christofer mit F“ nicht, seine Worte sitzen dennoch. Und bescheren ihm am Ende einen tosenden Applaus beim Saisonfinale der „Weststadtstory“.

Team aus ehrenamtlichen stellt Poetry Slam auf die Beine

Seit zwei Jahren lädt der Slam bereits auf die Bühne der der städtischen Halle. „Weit über 100 Künstler haben wir bei unseren bisher 20 Slams auf die Bühne gebracht“, sagt Initiator Jan-Michel Seglitz, der den Slam im Duo mit Thomas Petruskova moderiert. Im Hintergrund steht den beiden ein Team aus jungen Ehrenamtlichen beiseite, die den Slam erst möglich machen. „Einfach su­per, was die auf die Beine gestellt haben“, meint Cristofer Rott. Eintritt wird nicht verlangt, dafür wartet ein riesiges Sparschwein darauf, gefüttert zu werden.

„Wir appellieren an die Geldbeutel der Gäste und freuen uns über jede Spende, die wir in weitere Slams investieren können“, sagt Gabriel Bieber, der „Notar“ des Slams. Nach jeder Runde schaut er in die Reihen und zählt anhand von farbigen Karten aus, wie das Publikum entschieden hat, welcher Slammer weiter kommt und womöglich am Ende gewinnt. So wie Samstagabend, als Cristofer Rott das Rennen machte. An seinem Ehrentag.

Infos zur „Weststadtstory“ gibt’s unter www.weststadt-story.blogspot.de, Fotos vom großen Seisonfinale des Slams auf www.ellen-hempel.de.

 
 

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