Gabi Dauenhauer geht ohne Scheu bis ins Extrem

Dagmar Schwalm
Gabi Dauenhauer vom Theater Courage. Foto:Joachim Kleine-Büning
Gabi Dauenhauer vom Theater Courage. Foto:Joachim Kleine-Büning
Foto: WAZ Fotopool

Essen. Gabi Dauenhauer steht nackt auf der Bühne. Auch im fortgeschrittenen Alter: „Ich habe mich gut gehalten. Warum also nicht“, sagt sie. Die Schauspielerin, Autorin und Leiterin des Theater Courage zeigt im Leben wie im Theater, was sie hat und was sie kann.

Gabi Dauenhauer ist freizügig, warmherzig, temperamentvoll und nimmt kein Blatt vor den Mund. Wer hätte gedacht, dass sie Ostersonntag ihren 60. Geburtstag feiert und beim Kirchgang „dem lieben Gott dankt, dass er mich hat so alt werden lassen“.

Sie hat extrem gelebt und das Extreme geliebt. Eine Vorliebe die sie mit ihrem Ex-Mann, dem Regisseur Dietrich Hilsdorf teilt. Auf der Schauspielschule in Frankfurt haben sie sich gefunden und „viel zusammen gemacht, vor allem in Dortmund“. Sie spielte „Huren, Hexen und Schwarze“, er inszenierte. Die Julia und andere Jungmädchenrollen kamen nicht infrage. „Ich war damals schon zu sehr Frau“, erzählt sie. Aber auch Nora oder Hedda Gabler wurde sie nie. Stattdessen eine nackte, mit Lehm beschmierte Priesterin in „Penthesilea“.

Erfolg als Bleiche Mutter in „Deutsches Miserere“

Kassel, Frankfurt und Essen gehörten zu ihren Stationen. Unter Intendant David Esrig war sie drei Jahre am hiesigen Theater engagiert. Als ihr Vertrag und der von Peter-Maria Anselstetter nicht verlängert wurde, sprachen sie im Theater Freudenhaus vor. 1987 haben die beiden in dem freien Theater an der Goethestraße Fuß gefasst. „Unser Stil war es, Themen mutig anzupacken. Und der setzte sich durch“, berichtet sie. „Der Fall Bartsch“ über den gleichnamigen Kindermörder und „Rosa Winkel“ über Homosexuelle im KZ gehörten zu den ersten kritischen Stücken. 1992 übernahmen sie das Haus und nannten es Theater Courage. Dass dieses kulturelle Kleinod überlebt hat, ist auch dem finanziellen Geschick der gebürtigen Schwäbin zu verdanken.

64 Produktionen sind es in 24 Jahren geworden. Als das Anspruchsvolle immer weniger Zuschauer fand, „gingen wir auf Erotisches, Komödien und Musikrevuen über“, so Gabi Dauenhauer. Die entwickelte sich nicht nur gesanglich bis zur Rockröhre Janis Joplin, sondern schreibt auch viele Stücke selbst. Zuletzt wurde das Swinger-Drama „Dirty Weekend“ mit Kritikerlob bedacht. Demnächst stellt Falk Hagen, ihr gemeinsamer Sohn mit Dietrich Hilsdorf, einen musikalischen Abend über Falco auf die Beine. Der 34-Jährige gehört seit Kindesbeinen mit zur Theaterfamilie Courage. „Er hat alles von mir gelernt“, sagt die Mutter stolz.

Gabi Dauenhauer steht auf der Bühne. Sie arbeitet seit einigen Jahren wieder mit alten Weggefährten wie Johannes Schaaf und Dietrich Hilsdorf zusammen. Nach Lehárs „Die lustige Witwe“ und Schostakowitschs „Die Nase“ feiert sie an der Leipziger Oper einen großen Erfolg als Bleiche Mutter in „Deutsches Miserere“. Immer mal wieder nackt natürlich.