Für Sport ist niemand zu alt

Foto: WAZ FotoPool

Gemeinsam mit anderen Sport zu treiben, ist für die meisten Menschen keine große Herausforderung: Wer aber einen demenzkranken Angehörigen pflegt hat dazu praktisch keine Gelegenheit. Darum gibt es nun ein passgenaues Angebot für Pflegende: Während sie Sport treiben, werden ihre pflegebedürftigen Angehörigen betreut – und können sich selbst sportlich betätigen. Denn Bewegung steigert nicht nur die Lebensqualität, sie kann auch das Fortschreiten einer Demenz erheblich verlangsamen.

Das Pilotprojekt wird vom Verein für Gesundheitssport (VGSU) und der Evangelischen Kirchengemeinde Rüttenscheid organisiert: Zum selben Termin gibt es zwei auf die jeweiligen Bedürfnisse abgestimmte Angebote. „So werden wir für Demenzpatienten Gedächtnistraining, Gymnastik und Übungen zur Sturzprophylaxe anbieten“, sagt Petra Brodesser vom VGSU, die die Gruppe leiten wird.

„Maximal zehn Patienten können teilnehmen“, sagt Professor Hans Georg Nehen, Leiter des Geriatriezentrums Haus Berge. „Schließlich soll die Gruppe für die Demenzpatienten überschaubar und erlebbar sein.“ Um individuell auf die Teilnehmer eingehen zu können, werden neben der Gruppenleiterin auch Mitarbeiter des Demenz-Cafés der Gemeinde die Patienten betreuen und anleiten.

Währenddessen haben im großen Saal der Gemeinde die Angehörigen Zeit, selbst sportlich aktiv zu werden. Zum Teil können dabei womöglich auch Belastungen aus dem anstrengenden Pflege-Alltag ausgeglichen werden. „Am Anfang werden wir Rückenschulübungen anbieten und einfache Gymnastik. Wir überlegen aber auch, eine Nordic-Walking-Gruppe zu starten“, sagt Petra Brodesser. „Was wir letztlich machen, hängt davon ab, was die Angehörigen tun möchten.“

Dass deren Wünsche nicht schon im Vorfeld abgefragt wurden, sei in ihrer Lebenssituation begründet, erklärt Nehen: „Viele Angehörige wissen gar nicht mehr, was sie wollen, wenn sie erst mal ein oder zwei Jahre mit der ,Rund um die Uhr-Pflege’ verbracht haben. Da geht es nur noch ums Funktionieren, nicht mehr um eigene Bedürfnisse.“ Sich selbst wahrnehmen, ein neues sportliches Hobby entdecken – auch das ist Ziel des Angebotes.

Womit das Pilotprojekt deutlich über landläufige Betreuungsprogramme hinausgeht, die Angehörige zwar entlasten, indem die Pflegebedürftige Person über einige Stunden betreut werden, „meist nutzten die Pflegenden diese Zeit aber nicht, um etwas für sich zu tun, sondern erledigen Dinge, zu denen sie sonst nicht kommen“, weiß Nehen. Das neue Angebot signalisiere: „Du hast nicht nur Zeit für Dich, Du darfst diese Zeit auch für Dich nutzen – und den Angehörigen in dieser Zeit gut und sportlich betreut wissen.“

EURE FAVORITEN