Für Julia Schalitz ist der Tanz zur Sprache geworden

Dagmar Schwalm
In der 30-köpfigen Compagnie sind Julia Schalitz  und Simon Schilgen, hier in „Tanzhommage an Queen“, die einzigen Deutschen.
In der 30-köpfigen Compagnie sind Julia Schalitz und Simon Schilgen, hier in „Tanzhommage an Queen“, die einzigen Deutschen.
Foto: Bettina Stoess
Julia Schalitz hat ihr erstes Engagement als Balletttänzerin am Aalto-Theater erhalten und macht ständig Fortschritte. In der internationalen Welt der Compagnie gehört dazu auch, sein Englisch zu verbessern.

Essen. Ob in Berlin, Hamburg, München oder Essen - nur wenige deutsche Tänzer schaffen den Sprung ans Theater hierzulande. In Essen sind es zwei von 30 Mitgliedern der Compagnie. Julia Schalitz gehört zu den Glücklichen.

Mit 19 kam sie von der Staatlichen Ballettschule Berlin ins Ruhrgebiet zu einem Probetraining und erhielt sofort eine Praktikantenstelle am Aalto-Ballett. Nun hat sie einen festen Vertrag. „Ich hatte gleich ein gutes Bauchgefühl“, sagt die 21-Jährige, obwohl der Start weit weg von zu Hause nicht einfach war.

Höhepunkt ist die eigene Kreation

Mit der Oma an ihrer Seite fand sie die Wohnung am Wasserturm. Beim Hineinwachsen in die Compagnie musste sie alleine klarkommen. „Ich wollte auf eigenen Füßen stehen, wäre sogar ins Ausland gegangen“, erzählt Julia Schalitz. Das Heimweh kam trotzdem. „Ich habe anfangs meine Familie, meine Freunde vermisst und bin bei jeder Gelegenheit nach Berlin gefahren.“ Dorthin, wo sie als einst hyperaktives Kind lernte, ihren Bewegungsdrang zu kanalisieren und nach neun Jahren die Ausbildung im Bereich Bühnentanz mit einem Bachelor abschloss. Zwanzig von dreißig Mitschülern gaben damals auf. Sie nicht: „Wenn man den Spaß als Antrieb hat, zahlt sich das später aus.“

Mittlerweile war die Anfängerin in „Ein Sommernachtstraum“ und „Othello“ zu sehen, konnte bei „Decadance“ ihr Improvisationstalent zeigen, in „Cinderella“ ein Solo tanzen und „Giselle“ als neoklassische Herausforderung annehmen. „Der Höhepunkt aber war, eine eigene Kreation zu entwickeln“, meint Julia Schalitz. Für den bejubelten Abend „Ptah III“ entstand ihre Choreografie „Im Rausch der Sinne“, die sich mit Gefühlszuständen wie Sehnsucht, Geborgenheit und Hoffnung beschäftigt, „weil ich ja neu bin in der Stadt“.

Traum von eigener Compagnie

Ganz neu ist sie nicht mehr und nicht mehr allein. Sie kennt jetzt einige Leute aus dem Schauspiel, dem Orchester und natürlich dem Ballett, „wo sich Italiener, Russen, Spanier in Gruppen zusammentun. Man schließt sich denen an, die man sympathisch findet. Gesprochen wird Englisch. Das hat sich bei mir sehr verbessert, weil man darauf angewiesen ist. Doch eigentlich ist der Tanz die Sprache“, berichtet sie von ihren Erfahrungen. Auch in der Stadt hat sie sich gut eingelebt, geht bei allem Interesse für die Kunst nicht nur gern ins Museum, sondern auch in Clubs wie die Frida oder den Goethebunker.

Das Ziel, Solo-Tänzerin zu werden, verliert sie dabei nicht aus den Augen. „Das ist mein Traum. Das strebe ich schon an“, betont Julia Schalitz. Und wenn der später mal aus und vorbei ist, möchte sie weiterhin etwas Kreatives machen: malen, choreografieren, unterrichten. „Eine eigene Compagnie zu gründen, das ist noch so ein Traum von mir“, sagt sie. Klingt vielleicht abgehoben. Aber sie kann auch auf dem Boden der Tatsachen bleiben: „Mein Vater hat einen Blumen- und Pflanzenhandel. Wenn alle Stricke reißen, steige ich da ein.“