Für den Autoren Ingo Munz zählt das Nichts und die Liebe

Der Autor und Verleger Ingo Munz mit seinem Werk „Das Nichts und die Liebe“, das es auf die Longlist der Stiftung Buchkunstschaffte.
Der Autor und Verleger Ingo Munz mit seinem Werk „Das Nichts und die Liebe“, das es auf die Longlist der Stiftung Buchkunstschaffte.
Foto: WAZ FotoPool
Er wollte schon Fußballer werden und Philosoph: Heute zählt für den Essener Autor Ingo Munz vor allem – die Freiheit und die Herzensbildung. Im Südviertel entstanden jüngst ein Verlag, ein Roman und eine Zeitschrift

Essen.. Wo das alles hinführen soll, hat er sich lange nicht gefragt. Profi-Fußballer werden, ist der erste Gedanke von Ingo Munz. Aber nach einer Knieverletzung reihen sich in dem zunächst kulturfreien Dasein des Schlossersohns aus dem Unterfränkischen unendlich viele Tätigkeiten aneinander. Sie reichen von Leergutsortierer über Briefträger, Nachtportier, Controller einer Kaufhauskette bis zum Sportjournalisten. Heute ist der Autor in der Online-Redaktion der Carstens-Stiftung angestellt.

Bereits in jungen Jahren schreibt er für das Magazin „Pfiff“, später in Essen für verschiedene Tageszeitungen. Doch die Arbeit ist nur gedacht für den Verdienst neben dem Studium und nie mehr als 20 Stunden pro Woche. „Dann bin ich ins Theater, in Ausstellungen. Studiert habe ich zu Hause, nicht an der Uni“, so Ingo Munz. Bücher werden die Lehrmeister des Autodidakten. Mit ihnen tritt das Liebevolle in sein Leben, hinzu kommt die intensive Beschäftigung mit der Philosophie und der Wunsch, ein Schriftsteller zu sein.

"Das ist meine Identität"

Mit dem Schriftsteller werden hat es gedauert. „Ich musste handwerklich viel lernen“, sagt er. Als er 25 ist, entstehen erste literarische Texte, kurz darauf wird ihm klar: „Das ist meine Identität.“ Andere Bemühungen, einen Beruf zu erlernen, gibt er auf. Er schreibt Theaterstücke, Gedichtzyklen, Erzählungen und trägt sie Freunden vor. Mit der Geburt seiner Tochter Johanna bricht scheinbar ein Damm. Auf seinen Streifzügen als Menschensammler lernt er die richtigen Leute kennen. Sie sind für ihn Inspiration und Motor, in den eigenen vier Wänden einen Autorenverlag zu gründen. „Ich kann ein Leben lang Bittsteller sein oder mein Glück selber in die Hand nehmen. Im Vordergrund steht, dass ich machen kann, was ich machen will“, erklärt der 41-Jährige. Zum Beispiel mit dem Designer Stefan Michaelsen einen ausdrucksstarken Zeichner und Gestalter an seine Seite zu holen.

Sein Erzählwerk „Das Nichts und die Liebe“, erster Teil einer Trilogie, kam im Frühjahr heraus. Es ist kein linear erzählter Liebesroman. Vielmehr „philosophieren drei Menschen aus unterschiedlichen Milieus über die Liebe“ in wohl gewählten Formulierungen und eigenwilliger Syntax. Erst nach und nach geben die Kapitel ihren Zusammenhang frei und führen zum Aha-Erlebnis. So haben die Personen stets eine realistische Vorlage. Ein bekannter, noch lebender Philosoph gehört auch dazu.

Roman bleibt nicht lange ohne Folgen

Bei dem vor Ideen sprudelnden Autor bleibt der Roman nicht lange ohne Folgen: Die erste Ausgabe der Zeitschrift „Unserheft“ verbindet eindrucksvoll auf Augenhöhe kurze Prosa mit Bildern von Ute Helmbold . Des Weiteren sollen in Munz’ Verlag Geschichten aus dem Ruhrgebiet erscheinen und der nächste Teil der Trilogie. „Ich hätte noch zehn Jahre Stoff für Veröffentlichungen“, ist er sich sicher. Doch Schriftsteller ohne Tätigkeit kann er nicht sein: „Ich werde schreiben, bis mein Kopf auf der Tischplatte landet.“

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