Friedhof soll farbenfroher werden

Borbeck..  Beim Gang über den Friedhof der Dionysius-Gemeinde an der Hülsmannstraße bleibt es nicht verborgen: Zwischen den Gräbern gibt es immer wieder Freiflächen, meist mit Gras bewachsen. Ein tristes Bild, das nicht gerade zum Verweilen einlädt. Das meint auf jeden Fall Robin Paus (24). Gemeinsam mit fünf weiteren Friedhofsgärtnern aus Aachen, Warendorf, Gelsenkirchen und Bielefeld, mit denen er zurzeit die Meisterschule in Essen besucht, hat sich der Borbecker Gedanken gemacht, wie man die Attraktivität des Friedhofes steigern kann. Farbe spielt bei der Projektarbeit eine entscheidende Rolle, bunt blühende Pflanzen. Ihre Ideen stellten die Sechs am Samstag in der Trauerhalle des Friedhofs vor.

„Wenn man heute im Internet unter dem Stichwort Friedhof sucht, dann bekommt man viele Horrorbilder. Wir haben uns gesagt: das können wir besser“, beginnt Jens Bröker, einer der Nachwuchsgärtner, die Präsentattion. Friedhof, das werde heute noch vielfach mit einem Ort der Angst verbunden. „Wir wollen die Wertschätzung steigern. Der Friedhof soll Naherholungsort und Ort der Begegnung sein“, sagt der 22-Jährige. Die Gruppe habe sich von dem Film „Hinter dem Horizont“ inspirieren lassen. In dem Film gehe es um Leben, Trauer, Tod und das Leben nach dem Tod. Um zu wissen, wovon er redet, zeigt er einen kurzen Ausschnitt, in dem man Hauptdarsteller Robin Williams auf einem Friedhof in einem üppigen Blumen-„Paradies“ sieht. Ein Ort, den man gerne besucht. Ein Ort zum Träumen.

Und das schwebt auch den Nachwuchs-Friedhofsgärtnern vor. Blumenwiesen sollen zum Verweilen einladen. Die kahle Mauer rund um den Friedhof biete sich geradezu an, um mit Pflanzen verschönert zu werden. Und selbst die Baumstümpfe, die der Sturm Ela hinterließ, könnten zur Verschönerung beitragen. „Es gibt Künstler, die daraus beeindruckende Skulpturen schnitzen können“, erklärt Jens Bröker. Zum Beweis stellte er dem Foto eines Kastanienstumpfes auf dem Friedhof an der Hülsmannstraße das eines geschnitzten Engels gegenüber.

Das Gelände soll aber nicht nur durch äußere Veränderungen an Attraktivität gewinnen. Illuminationen, Nachtwanderung, Lichternacht oder Tag des offenen Friedhofs: Die jungen Gärtner können sich vieles vorstellen.

Heinz Werner Kreul, Archiv-Verwalter von St. Dionysius, ist von den Ideen begeistert. „Ich halte sehr viel davon. Das sind junge Leute um die 20, die muss man mal machen lassen“, sagt er, fügt nach einer kurzen Pause aber hinzu: „Es darf nur nicht kitschig werden und man darf nie die Historie vergessen.“ Und der Friedhof an der Hülsmannstraße hat eine lange Geschichte, besteht er doch seit 1861. Dr. Jürgen Cleve, Stadtdechant und Pfarrer von St. Dionysius, signalisiert Unterstützung. „Ich hoffe, dass viele Ideen umgesetzt werden. Was wir dazu beitragen können, werden wird tun.“

Gemeinsam mit Kindern aus der Gemeinde pflanzen Robin Paus und seine Kollegen nach der Präsentation eine Magnolie auf den Friedhof. Ein erster, zukünftiger Farbtupfer. Außerdem passt die Pflanze wegen ihrer Symbolik zum Friedhof, denn sie steht für die Verbindung zwischen Himmel und Erde.

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