Freddy Fischer, ein Stifter mit Herz und Schlagkraft

Ein Vorzeigeprojekt der Freddy Fischer-Stiftung: Der Box Club Don Bosco leistet seit einigen Jahren vorbildliche  Integrationsarbeit.
Ein Vorzeigeprojekt der Freddy Fischer-Stiftung: Der Box Club Don Bosco leistet seit einigen Jahren vorbildliche Integrationsarbeit.
Foto: WAZ Fotopool
Tue Gutes und sprich mit Freunden darüber: Der Essener Unternehmer Freddy Fischer hat für seine Stiftung so schon viele Mitstreiter gefunden.

Essen.. Als Freddy Fischer einmal gefragt worden ist, wie er das denn eigentlich anstelle mit dem Fundraising, da hat der Essener Unternehmer gelacht und einfach mal kühn behauptet: „Wir machen kein Fundraising, wir machen Friendraising.“ Friendraising à la Fischer funktioniert ungefähr so: „Vor kurzem hat ein Freund privat gefeiert und für die Stiftung gesammelt. Am Montag danach sind dann gleich vier Leute mit ins Projekt gekommen.“

„Das Projekt“, das ist zunächst einmal der Don Bosco Club in Borbeck mit seiner Übermittag- und Hausaufgaben-Betreuung „Immersatt“ und dem inzwischen zum größten Jugend-Boxprojekt in NRW angewachsenen Sportangebot. Hier, in Borbeck wird seit ein paar Jahren mit Erfolg gegen Vernachlässigung, Aggressionen und schlechte Noten gekämpft. Im Schnitt hätten die Kinder und Jugendlichen ihren Notendurchschnitt um 1,9 Noten verbessert, erzählt Fischer stolz. Und das weiß er nicht nur aus vorgelegten Berichten, sondern aus vielen persönlichen Gesprächen. „Die Nähe darf nicht verloren gehen“, hat Fischer zur Maxime seiner ehrenamtlichen Arbeit gemacht. Und deshalb wird man ihn beim Essener Stiftungstag 2015 am Donnerstag, 1. Oktober, nicht zwischen nüchternen Stellwänden und Büromöbeln treffen, sondern in einem familiär-gemütlichen Retro-Wohnzimmer, das der studierte Betriebswirtschaftler mit dem rheinischen Zungenschlag in die Messe Essen mitbringt.

Jugendliche da abholen, wo die Förderer sonst nicht gerade Schlange stehen, das gehört zum Prinzip der 2008 gegründeten Freddy Fischer-Stiftung. Am Anfang stand dabei eigentlich nur der Wunsch, das Don-Bosco-Projekt langfristig abzusichern, „still und diskret“. „Aber dann hat sich die Stiftung vom ersten Tag an anders entwickelt“, berichtet der 55-Jährige. Denn etliche Freunde und Bekannte wurden aufmerksam und haben sich der Idee der guten Tat gleich angeschlossen. Und so kam die Freie Schule dazu, die Kindernotaufnahme Spatzennest und andere Projekte, die einen wie Fischer daran erinnern, „dass die Stadt zweigeteilt ist und dass man selber doch mächtig Glück gehabt hat, irgendwann in die richtige Richtung abgebogen zu sein.“

Die richtige Richtung hat es ihm und seiner Frau ermöglicht, 2008 die Stiftung mit 50 000 Euro Stammkapital zu gründen. Da tobte die Finanzkrise und hat mancher etablierten Stiftung in ihren Anlagemöglichkeiten mächtig zugesetzt. Die Freddy Fischer-Stiftung hat das tiefe Zinstal bislang sicher durchquert, 86 500 Euro konnten im vergangenen Jahr in verschiedene Projekte investiert werden. Und die Zahl der Unterstützer wächst weiter.

Tue Gutes und sprich mit Freunden darüber, dieses Konzept hat sich bewährt. „Geld ist eine Komponente, aber wer die Komponente Mensch nicht einbringt, der erreicht doch nichts“, sagt Fischer, der heute von Moers bis Berlin Menschen weiß, die sich ehrenamtlich um die Stiftungsbelange kümmern. Dazu gehört auch der „Bunte Tisch Moers“, den die Stiftung zusammen mit der NRZ in diesem Sommer mit dem Solidaritäts-Preis ausgezeichnet hat, ebenso wie die Flüchtlingsmannschaft des FC Stoppenberg. Den „Bunten Tisch“ wird Fischer beim Stiftungstag vorstellen. Ein Projekt, das die Flüchtlingssituation schon aufgegriffen hat, als die Fragen nach Unterbringung und Integration noch nicht die Schlagzeilen beherrschten. Der „Bunte Tisch“ hat schon erste Antworten gefunden, beispielsweise mit der Bildung einer internationalen Flüchtlingsklasse. Aus dem Pilotprojekt ist bereits ein Netzwerk geworden, an dem die Duisburger Kreishandwerkerschaft ebenso beteiligt ist wie die Agentur für Arbeit und das Bethanienkrankenhauses Moers. Neben berufsbezogenen Sprachkursen werden auch Praktika angeboten.

Mitstreiter begeistern, Netzwerke bilden, Kooperationspartner gewinnen, das ist Fischers Prinzip. Und doch will er sich nicht verzetteln: „Wir sind eine kleine Stiftung und wenn man mal hier was gibt und mal dort, sieht man keinen Erfolg.“ Für ihn zählt vor allem langfristiges Engagement. Am besten mit Freunden.

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