Essen

Frauen wegen Corona in Gefahr? Expertin aus Essen ist alarmiert: „Wir gehen davon aus, dass...“

Wird mit der Quarantäne wegen des Coronavirus in NRW auch die häusliche Gewalt an Frauen ansteigen? (Symbolbild)
Wird mit der Quarantäne wegen des Coronavirus in NRW auch die häusliche Gewalt an Frauen ansteigen? (Symbolbild)
Foto: imago images / Panthermedia

Essen. Im engsten Kreis zuhause sollte man sich eigentlich wohl fühlen. Viele Familien sind wegen des Coronavirus in NRW nun gezwungen aufeinander zu hocken. Doch gerade da lauert für viele Kinder und Frauen die Gefahr. Steigt nun die häuslichen Gewalt?

Coronavirus in NRW: Wird es zu einem Anstieg häuslicher Gewalt an Frauen kommen?

Martina Schmitz vom NRW-Dachverband der autonomen Frauenberatungsstellen hat im Interview mit DER WESTEN über die Befürchtung vor einem Anstieg von häuslicher Gewalt während der Coronakrise, und wie sich Frauen in Krisenzeiten schützen können, gesprochen.

In China sind die Zahlen über häusliche Gewalt an Frauen während der Ausgangssperre der Corona-Pandemie deutlich gestiegen. Befürchten Sie auch in Deutschland einen Anstieg?

Martina Schmitz: Das ist nicht nur in China der Fall. Auch in Spanien gibt es ebensolche Zahlen. Deshalb gehen wir davon aus, dass die häusliche Gewalt gegen Frauen, aber auch gegen Kinder, auch hier zunehmen wird. Diese gab es zwar schon vor Corona-Zeiten, doch jetzt könnte es zu einer verschärften Situation kommen.

Warum könnte jetzt das Aggressionspotenzial steigen? Was macht das Zuhausebleiben und das Kontaktverbot mit uns?

Schmitz: Wenn Familien geballt an Feiertagen oder an Wochenenden zusammensitzen, steigt das Potenzial. Das hat jetzt sogar Innenminister Herbert Reul schon verdeutlicht und gewarnt. Das Problematische daran ist, dass vorher noch sogenannte Mittler wie Erzieher oder Lehrer zum Einsatz kamen und eingreifen konnten. Jetzt spielt es sich nur noch geschlossen in den eigenen vier Wänden ab. Man bekommt es weniger mit.

Was kann man dagegen tun?

Schmitz: Immer wieder wird gerade an Nachbarn appelliert: Wenn Sie ein Poltern in der Wohnung nebenan hören oder Schreie, dann rufen Sie die Polizei und melden den Fall. Auch kann man anklingeln und nach dem Rechten sehen, um zu schauen, was sich in den Familien abspielt.

Haben Sie in den vergangenen Tagen etwa schon erste Auswirkungen gespürt?

Schmitz: Wir als Dachverband haben bisher noch nichts davon mitbekommen. Wir müssen nun in den einzelnen Beratungsstellen beobachten, was in der nächsten Zeit auf uns zukommt. Aber ein Sprecher der Polizei in Essen sagte bereits, dass sich die Zahlen der häuslichen Gewalt in diesem Monat verdoppelt hätten.

Wie bereiten Sie sich als Organisation auf die Krise vor?

Schmitz: Die Frauenberatungsstellen waren derzeit damit beschäftigt sich zu vernetzen und auch mit anderen Organisationen Kontakt zu halten. Wir haben gerade hinzukommend noch eine bürokratische Hürde zu meistern. Da wir ja nicht wussten, ob die Ausgangssperre kommt, mussten wir schauen, wie wir unser Angebot in den Stellen vor Ort aufrecht erhalten können. Jetzt müssen die Hotlines auf Home Office umgeleitet werden. Wir müssen außerdem schauen, dass wir die Hygienemaßnahmen in den Räumen einhalten und Sicherheitsabstand gewährleisten können. Das ist gerade alles nicht so einfach.

Sind denn die Frauenhäuser einem eventuellen Anstieg der Hilfesuchenden gewachsen?

Schmitz: Viele Frauenhäuser sind voll. Es gibt noch ein paar Einrichtungen, die Plätze haben. Aber auch hier steht nicht nur die Suche nach Hilfe im Vordergrund. Die Frauen haben auch Angst vor Corona, sich dort auf engstem Raum anzustecken. Deshalb sind die Frauenhäuser gerade sehr aktiv. Aktuell wird überlegt, inwieweit man Hotelzimmer oder Wohnungen anmieten kann, wenn der Bedarf steigt.

Was raten Sie Frauen, wenn sie nun Opfer von Gewalt werden?

Schmitz: Wenn Frauen Gewalt erfahren, sollten sie immer die Polizei rufen und sich Hilfe holen. Auch des Bundeshilfetelefon (08000 116 016) und die Frauenberatungsstellen stehen immer zur Verfügung. Wir signalisieren jetzt weiterhin: Wir sind da, wir sind ansprechbar!

Hier findest du die Kontakt-Liste mit allen Frauenberatungstellen in NRW >>>

 
 

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