Essen

Frau denkt, sie werde beleidigt und von Insekten übergossen - dann schmeißt sie Flaschen auf Familienauto

Die Angeklagte Beatrix Q. (links) hatte an Rosenmontag Gläser auf ein Einfamilienauto geworfen.
Die Angeklagte Beatrix Q. (links) hatte an Rosenmontag Gläser auf ein Einfamilienauto geworfen.
Foto: DER WESTEN/ Dominik Göttker
  • Beatrix Q. steht vor dem Landgericht Essen
  • Sie soll 20-30 Flaschen aus ihrem Fenster geworfen haben
  • Vor Gericht gab sie die Tat zu, die 51-Jährige leidet allerdings an schweren, psychischen Problemen

Essen. „Ich bin ein verantwortungsvoller Mensch und habe immer verurteilt, wenn Leute Steine von Brücken geworfen haben. Ich wollte niemanden verletzen“, sagt Beatrix Q. leise.

Mit gesenktem Kopf sitzt die 51-Jährige am Dienstagmorgen neben ihrer Verteidigerin, flüstert fast, wenn sie erklären soll, was am 8. Februar 2016 passierte.

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Flaschen, Gläser und Aschenbecher auf Straße geworfen

Q. ist angeklagt, 20-30 Flaschen, Gläser und Aschenbecher aus ihrer Dachgeschosswohnung auf die Krayer Straße in Essen geworfen zu haben. Nur mit viel Glück wurde kein Mensch schwer verletzt.

Lediglich ein fahrendes Auto wurde getroffen. Der Fahrer behielt jedoch die Kontrolle über das Fahrzeug.

Viel Alkohol getrunken habe sie an jenem Tag, sagt Beatrix Q. 2,1 Promille wird ein Alkoholtest kurz nach der Tat anzeigen.

Überwacht und mit Ungeziefer übergossen worden

Zudem sei sie wütend gewesen. Wütend auf die Nachbarn, deren Stimmen sie angeblich seit Jahrzehnten hörte, die sie angeblich beklauen wollten, die vor ihrer Tür ständen. Wenn sie allerdings die Tür öffnete, seien sie immer weg gewesen. Und auch der Versuch, die Stimmen aufzuzeichnen, würde immer scheitern.

Zudem gab sie in Online-Anzeigen bei der Polizei an, sie sei überwacht und mit Ungeziefer übergossen worden. Aufgrund der wirren Schilderungen, wurde immer klarer, wie ernsthaft die psychischen Probleme der Frau sind.

Ein psychiatrischer Gutachter beschrieb vor Gericht ihr Verhalten als „Kapitel aus einem psychiatrischen Lehrbuch“. Sie sei schizophren. Die Tat und ihre Krankheit stünden in direktem Zusammenhang.

Familienauto getroffen

Gegen 14 Uhr griff sie dann an jenem Rosenmontag zu den Flaschen, Gläsern und Aschenbechern, warf sie reihenweise aus dem Dachgeschossfenster im 3. Stock. Einige landeten in der Dachrinne, andere flogen auf die Straße und den Bürgersteig. Eine weitere Flasche traf den „Hyundai“ einer Familie.

Der Vater vor dem Essener Landgericht: „Wir hatten uns gerade auf den Weg in den Urlaub gemacht. Als wir die Krayer Straße entlang fuhren, sah ich eine Menschenmenge auf der Straße. Dann hörte ich einen lauten Knall.“

Die Flasche war mittig auf dem Dach des Wagens eingeschlagen. Nur knapp zehn Zentimeter von der Windschutzscheibe entfernt. Der Schaden beläuft sich auf rund 2200€. Der Familie kam mit einem Schock davon.

Krankheitsbild der Schizophrenie

Wegen der gravierenden psychischen Probleme der Frau forderte der Staatsanwalt einen Freispruch. Die Richterin folgte seinem Plädoyer und sprach die Angeklagte frei. Q. war wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und versuchter Körperverletzung angeklagt.

 
 

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