Fortsetzung der Schulsozialarbeit in Essen steht auf Kippe

Vielfältig sind die Aufgaben der Schulsozialarbeit. Lernen lernen ist eine von ihnen.
Vielfältig sind die Aufgaben der Schulsozialarbeit. Lernen lernen ist eine von ihnen.
Foto: WR
Die Schulsozialarbeit in Essen steht auf der Kippe. Nur noch bis Ende des Jahres wird das Projekt mit Geld vom Bund gefördert. Dann müsste die Stadt die Kosten übernehmen. 77 zusätzliche Schulsozialarbeiter sind seit Anfang 2012 an den Schulen der Stadt Essen tätig - erfolgreich.

Essen. 77 zusätzliche Schulsozialarbeiter sind seit Anfang 2012 an den Schulen der Stadt Essen tätig. Sie kümmern sich darum, Schüler bei der Berufsfindung zu unterstützen, den Zugang zum Bildungs- und Teilhabe-Paket zu sichern oder die Schulen beim Umgang mit der großen Unterschiedlichkeit ihrer Schüler zu unterstützen. Vor allem in Problembezirken arbeiten sie.

Und das offenbar mit Erfolg. In einer Studie der Vodafone-Stiftung wird der Stadt Essen attestiert, besonders erfolgreich bei der Umsetzung des Bildungs- und Teilhabe-Pakets zu sein. Nicht zuletzt dank des Systems der vernetzten Schulsozialhilfe, heißt es in der Verwaltung. „Uns ist es gelungen, mit unserem Modell die schulische Sozialarbeit mit der außerschulischen Sozialarbeit zu verknüpfen“, sagt Bildungsdezernent Peter Renzel.

Bereitgestellte Mittel sind befristet

Statt wie ursprünglich von den Schulen gefordert, jeder Lehranstalt einen Sozialarbeiter zur Verfügung zu stellen, sei gemeinsam mit den Wohlfahrtsverbänden in den einzelnen Stadtbezirken ein Netzwerk im Aufbau. Aber: „Das muss noch verstetigt werden“, so Renzel. „Dafür brauchen wir noch Zeit.“

Doch die gibt es nicht. Denn die vom Bund bereitgestellten Mittel sind bis 2013 befristet, die Verträge der Schulsozialarbeiter bei insgesamt zehn Sozialverbänden laufen am 31. Dezember aus. Und eine Finanzierung für ihre Weiterbeschäftigung ist noch nicht in Sicht.

Es geht um fünf Millionen Euro jährlich

Während der Bund argumentiert, die Mittel seien für zwei Jahre befristet bereit gestellt worden, künftig müssten die Kommunen sie stemmen, sagt Renzel: „Die Stadt Essen kann das nicht.“ Er hegt die Hoffnung, Stadt, Wohlfahrtsverbände, Länder und Bund finden gemeinsam eine Lösung. Es geht um fünf Millionen Euro jährlich.

Mitstreiter gibt es. So erklärte NRW-Sozialminister Guntram Schneider unlängst, vor allem in den Problemvierteln der Großstädte könnten die Schulen nicht auf die Sozialarbeit verzichten. „Wir stellen eine spürbare Verbesserung an den Schulen fest, wenn dort Sozialarbeit geleistet wird. Die Sozialpädagogen übernehmen Aufgaben, die die Lehrerinnen und Lehrer allein nicht leisten könnten.“

Zusätzliche Kräfte wurden in den Stadtbezirken verteilt

Ähnlich sehen es die Autoren der Vodafone-Studie: „Deshalb sollten auch ab 2014 zusätzliche Bundesmittel bereitgestellt werden, die den Kommunen eine angemessene personelle Ausstattung für diese Aufgaben ermöglichen.“

Nur neun Schulsozialarbeiter waren bis Ende 2011 in Essen tätig. Die 77 zusätzlichen Kräfte wurden in den Stadtbezirken verteilt nach dem Prinzip „Ungleiches ungleich fördern“. So erhielt der Bezirk V (Altenessen, Karnap, Vogelheim) mit seinen 16 Schulen elf Stellen. In den Bezirken II, VIII und IX im Essener Süden sind es an insgesamt 41 Schulen 5,5 Stellen.

 
 

EURE FAVORITEN