Flüchtlingskind (15) spricht bei Stich im Heim von Notwehr

In diesem Asylbewerberheim an der Barkhovenallee kam es unter den Bewohnern zu dem lebensgefährlichen Stich.
In diesem Asylbewerberheim an der Barkhovenallee kam es unter den Bewohnern zu dem lebensgefährlichen Stich.
Foto: Ulrich von Born
  • Mitbewohner im Asylbewerberheim mit Messer lebensgefährlich verletzt
  • Hintergrund soll die Ehre der 27-jährigen Schwester gewesen sein
  • Die Jugendstrafkammer setzt vier Tage für die Klärung des Falls an

Essen.. 15 Jahre ist er alt. Laut Ausweis ein Kind. Seit Donnerstag steht er vor der V. Jugendstrafkammer, muss sich dem Vorwurf eines versuchten Mordes stellen. Am 23. Juni soll der Syrer in der Heidhauser Flüchtlingsunterkunft an der Barkhovenallee einem 23-Jährigen ein Messer in den Hals gestochen haben.

Die gesamte Verhandlung findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, weil der Angeklagte ein Jugendlicher ist. Doch innerhalb seiner Familie, er lebte mit Mutter und zwei Schwestern in dem Heim, beanspruchte er offenbar die Rolle eines Erwachsenen. Er glaubte, seine Schwester beschützen zu müssen, sagt die Anklage.

Opfer soll der Schwester des Angeklagten seine Liebe gestanden haben

Denn sein späteres Opfer, ein verheirateter Asylbewerber mit zwei Töchtern, soll der 27 Jahre alten Schwester des Angeklagten seine Liebe gestanden haben. Gelegenheit dazu wird er gehabt haben, weil er diese Frau dank seiner guten Kenntnisse der deutschen Sprache öfter bei Behördengängen begleitete.

Dem Angeklagten, damals noch 14 Jahre alt, soll die Liebeserklärung nicht gepasst haben. Am 23. Juni soll er deshalb den 23-Jährigen aufgesucht haben. Es sei zum Streit gekommen. Unvermittelt soll der Jugendliche ein Messer gezückt und auf den Älteren eingestochen haben. Die Klinge drang nur wenige Millimeter neben lebenswichtigen Gefäßen in den Hals ein. Danach sei er geflüchtet. Kurze Zeit später habe er aber die Polizei angerufen und sich festnehmen lassen.

Im Prozess soll er sich auf Notwehr berufen haben, teilt das Landgericht mit. Er habe zwar den anderen Mann aufgesucht und diesem eine Ohrfeige versetzt. Der habe ihn aber vor die Wand gedrückt und gewürgt. Zur Abwehr habe er deshalb das Messer gezückt und damit gedroht. Weil der Mann nicht abließ, habe er einmal zugestochen. Vier Tage hat das Gericht für den Fall angesetzt.

 
 

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