Flüchtlings-Flöße machen auf tödliche Gefahren aufmerksam

Foto: Sebastian Konopka / WAZ FotoPool
Sechs Wochen sind zwei Flöße in Deutschland unterwegs. An Bord: Flüchtlingsfrauen und Aktivisten, die auf die tödlichen Gefahren aufmerksam machen wollen, die afrikanischen Flüchtlingen drohen, wenn sie über das Mittelmeer nach Europa kommen. Die Aktivisten fordern mehr Akzeptanz für Flüchtlinge.

Essen.. Der Rhein-Herne-Kanal: Zwei Flöße legen am Steg an der Zweigertbrücke in Essen-Karnap an. Sie sind behängt mit Bannern, auf die Slogans wie „Kein Mensch ist illegal“ oder „Stoppt Abschiebungen jetzt“ geschrieben sind. Die Passagiere dieser Flöße: Flüchtlingsfrauen aus Ländern, in denen sie nicht bleiben konnten.

Mit dabei sind ehrenamtliche Unterstützer und der Liedermacher und Aktivist Heinz Ratz, der die Aktion ins Leben gerufen hat. Sie alle sind mit den Flößen unterwegs auf dem Weg von Nürnberg nach Berlin, um auf die ihrer Ansicht nach desolate Lage der Flüchtlinge in Deutschland aufmerksam zu machen.

Gefährliche Reise der Flüchtlinge über das Mittelmeer

Die Flöße haben sie mit Absicht gewählt. Sie sollen auf die tödlichen Gefahren hinweisen, die afrikanischen Flüchtlingen drohen, wenn sie in kaputten Booten den Seeweg zur „Festung Europa“ riskieren. Essen ist einer von 44 Stopps auf der sechs Wochen langen Tour. Am Mittwoch werden die Flüchtlingsflöße von Essener Flüchtlingshilfe-Gruppen wie Pro Asyl und dem Initiativkreis der Religionen willkommen geheißen. Auf der großen Kanalbrücke solidarisieren sich Hunderte Unterstützer mit den Flüchtlingsfrauen, die sich zu der Selbsthilfegruppe „Women in Exile and Friends“ zusammengeschlossen haben.

Von der Anlegestelle geht’s zu Fuß weiter zur Zeche Carl. Der heimische Bundestagsabgeordnete Dirk Heidenblut (SPD) betont die Wichtigkeit eines solchen Projektes: „So gelangt die Situation der Flüchtlinge in die Köpfe der Menschen. Ich bin froh, dass Essen eine Station der Flöße ist, denn ich bin der Meinung, dass Essen ein klares Zeichen für die Aufnahme von Flüchtlingen setzen sollte.“

„In unserer Stadt haben braune Gedanken keinen Platz"

Auch Sozialdezernent Peter Renzel, verantwortlich für die Unterbringung von Flüchtlingen, bezieht deutlich Position: „In unserer Stadt haben braune Gedanken keinen Platz. Wir müssen uns zu allen Flüchtlingen in der Stadt bekennen.“ Freundliche Worte, wie die Aktivistin Elisabeth Ngari von „Women in Exile“ findet. Dennoch verlangt sie Taten: „Wir schätzen die Bemühungen der Verantwortlichen, aber was wir sehen wollen, ist ein Wandel.“ Ihre Mitstreiterin Fatuma Musa ergänzt: „Wir wünschen uns Akzeptanz, nicht nur Toleranz.“

Initiiert und organisiert wird die Deutschland-Floßtour von Heinz Ratz. Der Musiker und Aktivist appelliert ganz besonders an die Stadt, Arbeitsplätze in der Flüchtlingshilfe zu schaffen. „Dass es so viele ehrenamtliche Helfer bei der Aktion gibt, ist zwar sehr erfreulich, auf der anderen Seite aber auch beunruhigend. Die Unterstützung der Flüchtlinge ist so eine wichtige Aufgabe, man kann von der Stadt durchaus erwarten, dass sie hierfür mehr eigenes Personal bereitstellt.“

Dass Essen in der Flüchtlingshilfe allerdings wohl schon eine Vorreiterrolle einnimmt, zeigt die Aussage eines Dokumentarfilmers, der die Reise der Flöße begleitet. In keiner Stadt seien so viele Menschen zur Willkommensaktion erschienen.

 
 

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