Essen

Flüchtling stirbt nach Messerangriff in Gelsenkirchen - Tatverdächtiger kann zwei Jahre unbehelligt in Freiheit leben

Am Landgericht Essen ist ein Mann angeklagt, weil er einen Flüchtling abgestochen haben soll. (Symbolbild)
Am Landgericht Essen ist ein Mann angeklagt, weil er einen Flüchtling abgestochen haben soll. (Symbolbild)
Foto: Bernd Thissen / dpa
  • In Gelsenkirchen ist ein Flüchtling nach einem Messerangriff gestorben
  • Die Tat liegt zwei Jahre zurück
  • Der Verdächtige konnte sich zwei Jahre verstecken

Essen. Es soll nur ein Streit um ein angeblich gestohlenes Smartphone gewesen sein, der tödlich für einen der Beteiligten endete: Jackson O. (zum Tatzeitpunkt ca. 19 Jahre alt) hat sich mit einem anderen Mann im Juni 2016 vor einer Flüchtlingsunterkunft in Gelsenkirchen gestritten. Der andere Mann ist durch eine Stichverletzung in den Hals gestorben.

Erst zwei Jahre nach der Tat wurde Angeklagter gefasst

Jackson O. konnte fliehen. Erst knapp zwei Jahre nach der Tat konnte er in Frankreich festgenommen werden.

Nun muss er sich vor dem Essener Landgericht wegen Totschlags verantworten.

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Die beiden Männer sollen laut Staatsanwaltschaft gestritten und miteinander gerungen haben. Daraufhin habe der Angeklagte das Messer, das er zuvor hinter seinem Rücken versteckt hielt, gezogen und dem anderen Mann in den Hals gestochen.

Er verletzte dabei die Halsschlagader so, dass diese fast komplett durchtrennt wurde. Trotz versuchter Reanimation und Notoperation überlebte der Mann nicht.

Angeklagter bestreitet die Tat

Jackson O. bestreitet die Tat, behauptet dass sich der andere Mann bei dem Streit mit dem Messer selbst verletzt habe. Zuvor habe er dem Angeklagten Stichverletzungen im Rücken zugefügt. Mitten im Gerichtssaal steht er auf, zieht sein T-Shirt aus und zeigt die Narben der Verletzung.

Nach dem Streit ist Jackson O. geflohen. Zunächst habe er sich in einer Apotheke medizinisch versorgen lassen und sei dann mit dem Zug über die Niederlande nach Italien gefahren. Wie lange er dafür gebraucht hat, wird im Gerichtsprozess nicht ganz klar.

„Ich dachte, es sei am besten, wenn ich nach Italien gehe. Hier hätte mir eh niemand geglaubt, dass ich ihn nicht verletzt habe“, sagt Jackson O. auf Englisch, seine Dolmetscherin übersetzt simultan.

In Italien bei seiner Freundin gelebt

Dort hat er bei einer Freundin gelebt, wo genau wird nicht deutlich. Zumindest hat er es geschafft, über ein Jahr unbehelligt in Italien zu leben. Ohne dass die italienischen Behörden oder die Polizei ihm Fragen stellten.

Wie genau das passieren konnte, warum die Behörden nicht enger zusammengearbeitet haben, bleibt offen.

Erst im Dezember 2017, also anderthalb Jahre nach der Tat, fiel Jackson O. auf. Aber nicht in Italien. Seine Freundin wollte nach Frankreich reisen, denn ihre Aufenthaltsgenehmigung für Italien lief aus und Jackson O. stellte fest, dass seine Genehmigung ebenfalls nur für zwei Jahre gültig war in Italien.

In Frankreich wurde er festgenommen

Also reisten die beiden nach Frankreich. Dort zeigte er Polizisten in einer Kontrolle seinen Pass. Diese machten ihn darauf aufmerksam, dass er in Deutschland polizeilich gesucht werde. Und nahmen ihn fest.

Mitte Januar 2018 wurde er dann von einem französischen Gefängnis in die Untersuchungshaft in die JVA nach Wuppertal verlegt.

Sein Prozess dauert an. (fb)

 
 

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