Flüchtling aus Essen-Frintrop aus U-Haft entlassen

Dominika Sagan
Seit 2013 gibt es Proteste gegen die Flüchtlingsunterkunft in der ehemaligen Walter-Pleitgen-Schule in Essen-Frintrop. Foto: Kerstin Kokoska / Funke Foto Services
Seit 2013 gibt es Proteste gegen die Flüchtlingsunterkunft in der ehemaligen Walter-Pleitgen-Schule in Essen-Frintrop. Foto: Kerstin Kokoska / Funke Foto Services
Foto: Essen
Der 18 Jahre alte Bewohner des Asylheims in Frintrop, der wegen eines mutmaßlichen Sexualdeliktes in Untersuchungshaft saß, ist wieder auf freiem Fuß.

Essen. Der 18 Jahre alte Flüchtling, der wegen eines mutmaßlichen Sexualdelikts in Untersuchungshaft saß, ist nach Informationen der WAZ wieder auf freiem Fuß. Der Fall hatte in Frintrop für lebhafte Diskussionen gesorgt – und den Gegnern des Asylheims in der Walter-Pleitgen-Schule in die Hände gespielt. Schon seit geraumer Zeit hatten sie Gefahren beschworen, die von den Asylbewerbern ausgingen.

Am 28. Juli war dann ein Sexualdelikt angezeigt worden: Mutmaßliches Opfer war ein junges Mädchen, Tatort ein Spielplatz an der Seestraße. Im Stadtteil machte bald danach das Gerücht die Runde, das Mädchen sei vergewaltigt worden. Verhaftet wurde der 18-Jährige wegen eines Vergehens nach Paragraf 177, unter den neben Vergewaltigung auch sexuelle Nötigung fällt, angefangen vom Anfassen an der Brust. Als Grund für die Untersuchungshaft gab Staatsanwältin Anette Milk vorige Woche Fluchtgefahr an. Wenn der junge Mann jetzt auf freiem Fuß ist, spricht das eher nicht dafür, dass sich der Tatverdacht erhärtet hat.

Aufgeheizte Atmosphäre bei Bürgerversammlung

Offenbar soll sich die Stadt bemüht haben, den Flüchtling in einem anderen Heim unterzubringen. Das scheint angesichts der aufgeheizten Atmosphäre in Frintrop zu seinem Schutz auch angezeigt. Bei einer Bürgerversammlung am Freitagabend hatten etwa 90 Teilnehmer ihrem Unmut über das Asylheim in der früheren Schule Luft gemacht. Die Polizei war mit mehreren Einsatzwagen vor Ort.

Während in der Kneipe diskutiert wurde, kam es davor zu Übergriffen. Einem Ratsherren wurde das Mobiltelefon aus der Hand geschlagen, ein Mädchen kam nach einer Reizgas-Attacke ins Krankenhaus. Eine libanesische Hochzeitsgesellschaft wurde angepöbelt. Als die Teilnehmer eine Spontan-Demo anmeldeten, untersagte ihnen die Polizei, am Asylheim vorbeizuziehen, sie nahmen sie eine andere Route.