Floh der Todesschütze von Essen-Frohnhausen aus der Türkei nach Zypern?

Mit diesen Bildern fahndet das Bundeskriminalamt nach dem flüchtigen Cemil Gündüz. Der 50-Jährige könnte sein Aussehen inzwischen aber wieder verändert haben.
Mit diesen Bildern fahndet das Bundeskriminalamt nach dem flüchtigen Cemil Gündüz. Der 50-Jährige könnte sein Aussehen inzwischen aber wieder verändert haben.
Foto: WAZ
Hält sich Cemil Gündüz, der mutmaßliche Todesschütze von Frohnhausen, mittlerweile im türkischen Teil der Mittelmeer-Insel Zypern auf? Offenbar ist der 50-Jährige dort gesehen worden. Allerdings sind die deutschen Ermittlungsbehörden nach dem blutigen Familiendrama nicht mehr Herr des Verfahrens.

Essen.. Cemil Gündüz, der mutmaßliche Todesschütze von Frohnhausen, ist auch über zwei Monate nach den Schüssen auf seine Frau und seine Tochter auf der Flucht. Immer komplizierter gestalten sich allerdings die Suche und die Fahndung nach dem untergetauchten 50-Jährigen, der am Abend des 15. August in einer Wohnung an der Busehofstraße seine 19-jährige Tochter erschossen und seine 45-jährige Frau lebensgefährlich verletzt haben soll. Zuletzt war Gündüz offenbar Mitte September im türkischen Teil der Mittelmeer-Insel Zypern gesehen worden.

Gündüz ist unmittelbar nach den verheerenden Schüssen zunächst zu Fuß geflüchtet. Mit einem Taxi hat er sich dann von Essen zum Flughafen Schiphol bringen lassen. Als gesichert gilt, dass sich der Tatverdächtige von Amsterdam per Flugzeug nach Istanbul abgesetzt hat. Dort verliert sich zunächst seine Spur.

Türkische Republik Nordzypern nur von der Türkei anerkannt

Dem gebürtigen Türken Gündüz würde, wenn er gefasst und angeklagt würde, in seinem Heimatland der Prozess gemacht. Eigene Staatsbürger liefert das Land nicht aus. Auch der EU-weit geltende Haftbefehl gegen Gündüz greift in der Türkei nicht. Die Essener Staatsanwaltschaft hat sich nach der Tat mit einem Rechtshilfeersuchen an die türkischen Ermittlungsbehörden gewandt – das geht einen langsamen Weg durch die Institutionen in beiden Ländern. Eine Bestätigung, dass die Türken ein Verfahren gegen Gündüz eröffnet haben, ist in Essen noch nicht eingetroffen. Sollte sich der mutmaßliche Todesschütze tatsächlich im türkischen Teil Zyperns aufhalten, wäre die Lage aus deutscher Sicht noch verzwickter, schließlich zählt der Norden der Mittelmeer-Insel zur international nur von der Türkei offiziell anerkannten Türkischen Republik Nordzypern.

Auch wenn die deutschen Behörden nicht mehr Herr des Verfahrens sind, geben sie sich weiterhin bedeckt. Als gesichert gilt, dass die tödlichen Schüsse den tragischen Höhepunkt eines über Jahre währenden Familiendramas darstellten. Immer wieder rückte die Polizei an, weil Gündüz seine Ehefrau gewaltsam angegangen war. Tage vor den Schüssen war gegen den 50-Jährigen ein Wohnungsverweis ausgesprochen worden - das mögliche Motiv für die Schüsse auf die Ehefrau? „Gündüz könnte es als eine Art Verrat aufgefasst haben“, sagt eine Sprecherin der Essener Staatsanwaltschaft. Das Leben der 45-jährigen Gattin musste später durch eine Notoperation gerettet werden. Warum Gündüz aber ganz gezielt mehrere Schüsse auch auf seine 19-jährige Tochter abgab und sie damit tödlich verletzte, „das weiß ich bis heute nicht“, sagt die Sprecherin.

Hinweise auf Alkohol- und Drogenmissbrauch

Dass von Gündüz schon seit längerer Zeit ein beträchtliches Gewaltpotential ausging, zeigt seine Vita vor dem Vorfall: Mehrfach wurde der 50-Jährige schon zu Haftstrafen verurteilt, unter anderen auch wegen eines Gewaltdelikts. Was genau Gündüz dabei zur Last gelegt wurde, dazu äußert sich die Staatsanwaltschaft nicht. Hinweise auf Alkohol- und Drogenmissbrauch seitens des 50-Jährigen soll es nach der Tat aus dem persönlichen Umfeld gegeben haben. Die großkalibrige Waffe hatte sich der mutmaßliche Schütze illegal besorgt.

Solange das Verfahren der türkischen Behörden nicht eröffnet ist, dürfte sich Gündüz im türkischen Teil Zyperns und der Türkei relativ frei bewegen können. Die deutschen Ermittlungsbehörden bleiben nach dem Familiendrama von Frohnhausen außen vor. Es sei denn, Gündüz würde sich entschließen, in die EU zurückzukehren, wo sein Fahndungsplakat an den Flughäfen aushängt. „Mir wäre es am liebsten, wenn er eher heute als morgen festgenommen würde“, sagt die Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Der Fall Gündüz könnte sich allerdings noch hinziehen.

 
 

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