Feuerwehr in Essen plant Rückkehr der Alarmsirenen

Die letzten Sirenen der Stadt, hier eine bei Goldschmidt.
Die letzten Sirenen der Stadt, hier eine bei Goldschmidt.
Foto: waz
In den 90er Jahren beschloss der Rat der Stadt Essen die Alarmsirenen im Stadtgebiet abzuschaffen. Ende September zeigte ein Großband in einer Krefelder Düngemittelfabrik, wie sinnvoll eine Rückkehr des Warnsystems wäre. Deshalb lässt die Feuerwehr nun prüfen, wie viele Sirenen benötigt werden.

Essen.. Ordnungsdezernent Christian Kromberg unterstützt Überlegungen der Feuerwehr, die mit Ende des kalten Krieges abgeschafften Alarmsirenen wieder einzuführen. „Wir brauchen ein stadtweites Alarmsystem mit Weckfunktion. Sirenen sind dafür das Mittel der Wahl.“ Auch Bund und Land ermuntern die Kommunen zur Wiedereinführung.

Der Großbrand in einer Krefelder Düngemittelfabrik Ende September hat der Feuerwehr wieder einmal vor Augen geführt, wie sinnvoll ein solches Alarmsystem wäre, auch wenn die Rauchwolke damals haarscharf am Essener Norden vorbei zog. Moderne Sirenenysteme können nämlich nicht nur heulen: „Das sind inzwischen große Lautsprecher“, sagt Feuerwehrchef Ulrich Bogdahn. Und sie sind stadtteilscharf ansteuerbar. Bogdahn: „Wir hätten die Leute im Norden auffordern können, Fenster und Türen geschlossen zu halten, ohne die Menschen am Baldeneysee aufzuschrecken.“

Bisher keine Weckfunktion

Bundesweit gibt es bereits ein Satellitengestütztes Warnsystem, das derzeit aufgerüstet wird zu einem gemeinsamen modularen Warnsystem (MoWaS). Im Alarmfall werden derzeit 160 Medienbetreiber (Fernsehstationen, Radiosender, Mobilfunkbetreiber) mit Nachrichten versorgt. Künftig könnten sogar Autohupen und Rauchmelder an dieses System angeschlossen werden.

Vorerst allerdings fehlt im Katastrophenschutz ein Alarmmittel mit Weckfunktion, sagt Feuerwehrsprecher Mike Filzen: „Irgendwie müssen wir den Leuten sagen: Mach das Radio an, schau in den Videotext, ruf die Feuerwehr-Hotline an.“ Dafür „ist die Sirene das Mittel der Wahl“, sagt auch Dezernent Kromberg.

Terrorismus sorgt für Umdenken

220 Sirenen gab es bis in die 90er Jahre im Stadtgebiet. Nach dem Fall des eisernen Vorhangs in Osteuropa hat der Bund als Träger des Zivilschutzes die Geräte an die Kommunen verschenkt. Der Rat der Stadt Essen hat 1993 beschlossen: Wir brauchen keine Sirenen mehr.

Nicht zuletzt durch die Gefahr des internationalen Terrorismus hat inzwischen bundesweit ein Umdenken eingesetzt. Die Feuerwehr lässt derzeit prüfen, wie viele Sirenen für eine flächendeckende Alarmierung notwendig sind.

50 Standorte ausgewählt

Bogdahn: „Wir haben 50 städtische Liegenschaften als Standorte ausgewählt und lassen jetzt eine Ausleuchtungssimulation erstellen.“

Auf dieser Basis kann die Feuerwehr abschätzen, was eine Wiedereinführung der Sirenen kosten würde. Dann muss die Politik entscheiden. Mit einem Veto des Kämmerers rechnet Dezernent Kromberg nicht: „Katastrophenschutz ist eine kommunale Pflichtaufgabe. Da sollten wir bestmöglich aufgestellt sein.“

 
 

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