Festnahmen erscheinen wie ein Film

Hinter den meisten Fenstern an der Holsterhauser Straße brennt noch kein Licht, als zwei Polizisten eine Haustür sichern, die weit offen steht. Es ist sechs Uhr an diesem Dienstagmorgen, da haben mehrere Einsatzfahrzeuge und Kräfte der Hundertschaft nicht nur dieses Gebäude umstellt, in dem sich unten die Sparkasse befindet. Längst ist die Polizei bei ihrem Großeinsatz gegen Autohehler zu neun weiteren Wohnungen und einer Werkstatt an der Cranachstraße unterwegs. Mit Schusswaffen rechnen die Beamten zwar nicht, „auf Widerstand sind wir aber immer vorbereitet“, erklärt Polizei-Sprecherin Tanja Hagelüken. An den Wohnungstüren erwarten die Beamten dann Verdächtige, die zwar überrascht, aber gelassen reagieren.

Den Haupttäter immerhin hat die Polizei bereits im Januar gefasst. An der Holsterhauser Straße führt sie nur wenige Minuten später einen Mann aus dem Haus in ein Zivilfahrzeug, das am Straßenrand wartet. Er hat die Kapuze tief ins Gesicht gezogen, als ihm mehrere Beamten nicht von der Seite weichen. Gegen ihn liegt ein Haftbefehl vor, er soll zu der Bande gehören, die hochwertige Autos gestohlen mit falschen Papieren ausgestattet und dann über Internetportale an gutgläubige Interessenten verkauft haben.

Während der Wagen losfährt, sichern gleich um die Ecke, vorbei am Kugelbrunnen, an der Gemarkenstraße Kriminalkommissare Beweismittel in einer Wohnung im Obergeschoss. Passanten erscheinen die Szenen mitunter wie ein Krimi. Sie sind zum Bäcker unterwegs oder auf dem Weg zur Arbeit. Einige bleiben stehen und schauen hoch zum Fenster, an dem die Gardinen zur Seite gezogen sind und den Blick auf weiße, kahle Wände und einen Kronleuchter zulassen, in denen Zivilkräfte zu sehen sind. „Drehen sie einen Film?“, fragt eine Radfahrerin, die absteigt und einen Polizisten auf dem Gehweg anspricht: „Oder ist das ernst?“ Das will auch eine Anwohnerin der Rühlestraße wissen, wo die Polizei einen BMW umstellt hat. „Das ist ein polizeilicher Einsatz, machen Sie sich keine Sorgen“, erklärt Tanja Hagelüken ruhig, als gegen 7.10 Uhr der Abschleppwagen in die Rühlestraße biegt und einen BMW auflädt. Ein Fahrzeug, mit dem der Festgenommene aus der Holsterhauser Straße zumindest zu einer Tat gefahren ist. Ob auch dieses Fahrzeug gestohlen ist, wird sich noch herausstellen.

Genau das überprüfen weitere Polizisten in einer Werkstatt an der Cranachstraße bei Fahrzeugen, die auf dem Hof abgestellt sind. Neben drei Mannschaftswagen der Polizei stehen dort eine rote Corvette und ein schwarzer VW Touareg.

Die Schlüssel findet die Polizei in der Werkstatt, mit der Taschenlampe suchen sie im Motorraum nach der Fahrgestellnummer. „Wir überprüfen anhand der Nummer und der Papiere, ob alles seine Richtigkeit hat“, sagt Marius Bednorz, Gruppenführer der Einsatzhundertschaft. Gegen kurz vor halb acht, als es dämmert, sichern zwei seiner Kollegen immer noch die Durchfahrt zum Innenhof, wo weitere Beamte im Kofferraum des Geländewagens neben Decken und Reifen, einige Zollkennzeichen entdecken. Heißt aber noch nichts, „solche Schilder sind bei einem Werkstattbetrieb normal“, sagt Bednorz.

Als die Überprüfung der Kennzeichen beginnt, sind an dem Morgen längst zwei weitere Männer an der Schongauerstraße und der Von-Einem-Straße festgenommen worden. Auch gegen sie lagen Haftbefehle vor. Vier Verdächtige sitzen zudem in Untersuchungshaft, als der Einsatz beendet ist.

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