Festgenommener im Vermisstenfall Pierre Pahlke kommt frei

Wolfgang Kintscher
Mit Plakaten suchen seine Eltern nach dem vermissten Pierre Pahlke.
Mit Plakaten suchen seine Eltern nach dem vermissten Pierre Pahlke.
Foto: Dirk Bauer, WAZ FotoPool
Wo ist Pierre Pahlke - und was ist mit ihm geschehen? Von dem vor drei Wochen verschwundenen geistig behinderten Mann fehlt weiter jede Spur. Die Polizei nahm am Mittwoch einen Verdächtigen vorübergehend fest. Der Verdacht gegen ihn scheint sich aber nicht erhärtet zu haben.

Essen. Drei Wochen schon sucht die Polizei und mit ihr ein ganzer Stadtteil nach dem spurlos verschwundenen geistig behinderten Pierre Pahlke – bislang erfolglos. Umso mehr überraschte die jüngste Wendung: Am Mittwochnachmittag nahm die Polizei einen Anwohner der Hubertstraße in Frillendorf fest. Zu dessen Wohnhaus soll sie unbestätigten Meldungen zufolge einer der eingesetzten Spürhunde geführt haben.

Details über den Mann gaben die Ermittler am Donnerstag nicht preis – aus gutem Grund: Es handle sich, so betonte Polizeisprecher Peter Elke, nur um „einen Hinweis von vielen“, denen man sehr sorgfältig nachzugehen habe: „Wir müssen darauf achten, dass wir nicht jemanden voreilig ins Fadenkreuz nehmen und sagen: Der muss es sein.“ Der Mann werde zwar eingehend befragt, er sei aber „zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht dringend tatverdächtig“.

Es ist unklar, welcher Tat der Verdächtige beschuldigt wird

Zumal noch völlig unklar ist, welcher Tat man ihn zu beschuldigen hätte, denn von dem 21-jährigen Pierre fehlte auch Donnerstag jede Spur.

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Und so hielten sich die Medien an den wenigen Informationen fest, die diese neue Entwicklung im Fall des verschwundenen Pierre hergab: Das Wohnhaus des festgenommenen Mannes – nur wenige hundert Meter von jenem Supermarkt entfernt, in dem Pierre am Nachmittag des 17. September zuletzt gesehen wurde – war den ganzen Tag über von Fotografen und Kamerateams belagert. Doch die bekamen außer diversen Mitarbeitern der Mordkommission, mal in Zivil, mal in Ganzkörperanzügen zur Spurensicherung, nichts zu sehen.

Pierres Verschwinden wühlt den Stadtteil auf

Die Antwort auf die Frage, ob es schwer wiegende Verdachtsmomente gegen den Bewohner der Hubertstraße gab, war dann eine Frage der Zeit. Denn im Zuge einer Festnahme darf jemand nur bis zum Ablauf des Folgetages festgehalten werden – es sei denn, er wird dem Haftrichter vorgeführt, der dann über den Verbleib hinter Gittern entscheidet.

Nach NRZ-Informationen hat sich der Verdacht gegen den Mann aus Frillendorf entweder in Luft aufgelöst oder zumindest nicht so erhärten lassen, dass er eine weitere Fortdauer der Haft gerechtfertigt hätte. Nach NRZ-Informationen sollte er noch Donnerstagabend freigelassen werden.

Und Pierre? Sein Verschwinden wühlt den Stadtteil seit Wochen auf: Der 21-Jährige ist im Quartier bekannt, wohnte seit eineinhalb Jahren im Wohnheim der Heimstatt Engelbert an der Manderscheidtstraße. In ungewohnter Umgebung ist der junge Mann mit dem Intellekt eines Sechsjährigen hilflos. Auch daraus speist sich die Sorge, dass ihm etwas Schlimmes zugestoßen sein könnte.