Fernsehkoch Nelson Müller wehrt sich gegen Spitzel-Vorwürfe

Philipp Wahl
Fernsehkoch Nelson Müller wehrt sich gegen die Spitzel-Vorwürfe ehemaliger Mitarbeiter.
Fernsehkoch Nelson Müller wehrt sich gegen die Spitzel-Vorwürfe ehemaliger Mitarbeiter.
Foto: Stefan Arend
Ex-Mitarbeiter verbreiten Spitzel-Vorwürfe gegen TV-Koch Nelson Müller. Er hat nach Diebstählen und Pöbeleien Kameras installiert. Anonyme Beschwerde beim Datenschutz.

Essen. Die Vorwürfe gegen Nelson Müller wiegen schwer: Der Fernsehkoch soll Mitarbeiter und sogar Gäste in seiner Brasserie „Müllers an der Rü“ gefilmt haben. Das zumindest haben ehemalige Mitarbeiter dem Hamburger Wirtschaftsmagazin „Bilanz“ erzählt. Dessen Vorabmeldung enthält keine Details, wurde aber gestern von vielen Medien zitiert. Uns erklärte der beschuldigte Müller, warum er in seiner Rüttenscheider Markthalle „zum Schutz meiner Gäste und Mitarbeiter“ im Kassen-, Personal- und Durchgangsbereich fünf Kameras einsetzt.

Wobei der 35-Jährige, dessen Restaurant „Schote“ der Guide Michelin jüngst erneut mit einem Stern bedachte, klarstellt: „Der Gästebereich im Müllers mit Stühlen und Tischen wurde nie gefilmt. Gäste werden von den Kameras nur erfasst, wenn sie direkt an der Kasse vorbeigehen.“ Sein Personal, versichert Müller, habe er ebenfalls „nie überwacht“. Die Angestellten seien eingeweiht, „sie haben sich sogar für die Kameras ausgesprochen“.

Geschätzte 2000 bis 3000 Fremde täglich im „Müllers“

Als der TV-Star den Laden am Rüttenscheider Stern im Mai eröffnete, war nur eine Kamera in einem Durchgangsbereich installiert. Denn am Eingang ins „Müllers“ führt eine Rolltreppe hinab zu einem Supermarkt, mitten durch die Gaststätte ein Zugang zu einem Parkhaus. Zwischen 2000 und 3000 Passanten, schätzt der Hausherr, nutzen den Weg täglich. „Uns sind anfangs Flaschen aus Kühlschränken gestohlen worden, außerdem waren wir mit Pöbeleien Betrunkener konfrontiert.“ Ein weiterer Grund, warum Müller und Mannschaft reagierten: „Aus unserer Umkleidekabine sind damals ebenfalls Wertgegenstände verschwunden.“ Der Diebstahl sei angezeigt, aber nicht aufgeklärt worden: „Es gab keine Einbruchspuren.“

Drum seien „zur Vorbeugung“, so Müller, Objektive von oben hinab senkrecht auf die Kassen ausgerichtet worden. Zudem werde „ein kleiner Ausschnitt“ der untergeschossigen Vorbereitungsküche erfasst. Diese Kamera diene mit einer Sprechanlage „der Kommunikation zwischen Kasse und Küche“. Auf das Lager des Ladens sei ein weiteres Gerät gerichtet, weil direkt daneben ein öffentliches WC untergebracht ist. Ein weiterer Vorwurf der Ex-Kollegen, den „Bilanz“ aufgreift: Auch ein Mikrofon sei eingesetzt worden. „Das stimmt auch nicht“, entgegnet Müller. Lediglich eine Kamera habe ein Mikrofon, das aber sei „nicht funktionstüchtig. Hier war nie ein Mikro eingeschaltet.“

Keine Kameraüberwachung in Müllers Sterne-Restaurant „Schote“

Essen und TrinkenDas Magazin berichtet auch noch von einer Anzeige beim Datenschutzbeauftragten des Landes NRW. Wobei diese Behörde kein Strafverfolgungsorgan ist, die Anzeige also erstmal eine Beschwerde. Sprecher Nils Schröder bestätigt „eine anonyme Beschwerde“. Die Datenschützer werden den prominenten Koch darum schriftlich um eine Stellungnahme bitten: „Gastronomiebetriebe müssen den Einsatz von Überwachungstechnik mit konkreten Vorkommnissen aus der Vergangenheit ganz genau begründen.“ Diebstähle könnten solch ein Argument sein.

Ausnahmefälle, in denen der Kassenbereich gefilmt werden darf, seien „zwar selten, aber denkbar“. Bei der Bewertung, ob im Müllers Persönlichkeitsrechte von Mitarbeitern oder Gästen verletzt wurden, werden zwei Grundsätze entscheidend sein, erklärt Schröder weiter: „Es darf keine permanente Verhaltens- und Leistungskontrolle geben.“ Und Gäste dürfen „selbstverständlich nicht beim Speisen oder an den Tischen gefilmt werden.“

Gegen beide Grundsätze, da ist sich Nelson Müller sicher, „haben wir nicht verstoßen.“ In seinem Sterne-Restaurant „Schote“ hängt übrigens keine Kamera.