Familienfehde eskalierte – Schwägerin mit Auto überrollt

Eine Familienfehde: Vor dem Landgericht Essen muss sich ein 39-Jähriger verantworten, weil er mit dem Auto seine Schwägerin überrollt haben soll.

Essen. Zeugen gibt es reichlich bei dieser Eskalation einer libanesischen Familienfehde. Denn die Tat, die seit Freitag vor dem Landgericht Essen verhandelt wird, spielte sich am Nachmittag des 11. November 2013 auf der Altendorfer Straße ab. Der 39 Jahre alte Ali K. soll laut Anklage seine 25-jährige Schwägerin auf dem Gehweg gezielt überrollt haben. Sie überlebte mit schweren Verletzungen. Vorgeworfen werden dem Essener gefährliche Körperverletzung und ein gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr.

Es sind Wild-West-Szene, von denen die Anklage spricht. Die 25-Jährige war mit ihrer Mutter und ihrer Schwester sowie männlichen Familienmitgliedern auf der Altendorfer Straße auf dem Weg zu einem Rechtsanwalt. Dort, so erzählt die 25-Jährige, wollte die Schwester ihren Mann, den Angeklagten Ali K., anzeigen, weil er sie am Tag zuvor geschlagen haben solll; angeblich weil sie fremdgegangen sei. Plötzlich sei der Vater von Ali K. aus einem Imbiss gekommen. Er hätte sie beleidigt und angegriffen. „Wir sind weitergegangen“, berichtet die junge Frau.

Kurz danach sei Ali K. auf die Straße gelaufen, habe mehrfach mit einer Gaspistole geschossen. Sie hätten ihren Weg dennoch in Richtung Helenenstraße fortgesetzt. Laut Anklage soll Ali K. sich danach ans Steuer seines Familien-Vans gesetzt und von hinten auf die Gruppe der drei Frauen zugefahren sein. Eine sei rechtzeitig zur Seite gesprungen, eine zweite gegen eine Hauswand gedrückt worden.

Vom Auto erfasst und auf die Motorhaube geschleudert

Am schlimmsten traf es die 25-Jährige. Sie sei vom Auto erfasst und auf die Motorhaube geschleudert worden. „Wie ein Ball“, schildert sie. Sie rutschte herunter, blieb auf dem Bürgersteig liegen. Ali K., den sie als Fahrer identifiziert hätte, habe zurückgesetzt und sei ihr über die Beine gefahren. Auch ihre Nase sei gebrochen worden, als das Nummernschild sie berührte. Dann sei er weggefahren.

Sie sei bewusstlos geworden, dann wieder aufgewacht. Sie erinnert sich, dass eine Nachbarin sich über sie gebeugt hätte. „Nicht einschlafen“, hätte diese sie immer wieder aufgefordert.

An zwei weiteren Prozesstagen will die VII. Strafkammer den Fall aufklären. Es geht dabei auch um tumultartige Szene nach der Attacke, als immer mehr Mitglieder der Familien zur Altendorfer Straße kamen und sich schlugen. Der Krankenwagen, der die 25-Jährige in die Klinik brachte, hatte damals Polizeischutz benötigt.

Neben Ali K. sitzen zwei weitere Männer der Familie K. auf der Anklagebank. Sie müssen sich wegen Widerstands gegen Polizeibeamte verantworten, weil sie in dem Tumult versucht haben sollen, Polizisten zu schlagen. Zur Aufklärung tragen sie am Freitag ebenso wenig bei wie Ali K.. Denn alle Angeklagten schweigen zu den Vorwürfen.

 
 

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