Familien im Moltkeviertel öffnen ihr Zuhause für Kunst

Ebenfalls „Wiederholungstäter“ bei der Aktion „Kunst im Wohnraum“: Die Familie Brussig-Goedicke – hier auf einem Bild  bei der Ausstellung Sandra Setzkorns im Jahr 2014.
Ebenfalls „Wiederholungstäter“ bei der Aktion „Kunst im Wohnraum“: Die Familie Brussig-Goedicke – hier auf einem Bild bei der Ausstellung Sandra Setzkorns im Jahr 2014.
Foto: WAZ FotoPool
Bereits zum elften Mal laden Bewohner des Moltkeviertels zur Aktion „Kunst im Wohnraum“ ein. Am 7. Mai öffnen fünf Familien ihre Türen.

Essen-Südviertel. Nachdem sich die Rüttenscheider Straße bei der zweiten Kunstmeile gerade erst in eine riesige Galerie verwandelte, präsentieren sich Künstler in unmittelbarer Nachbarschaft erneut auf ungewöhnliche Weise: Bei der elften Auflage von „Kunst im Wohnraum“ stellen fünf Familien im Moltkeviertel ihr Zuhause am Samstag, 7. Mai, für Ausstellungen zur Verfügung.

Tankred Stachelhaus ist mit seiner Familie fast seit der ersten Stunde dabei. Er war von der Idee direkt überzeugt, die der kunstaffine Steuerberater Lothar Pues damals bei seinem Umzug von Bredeney ins Moltkeviertel mitbrachte. Anfangs hätten noch Kunstfreunde in der ganzen Stadt mitgemacht, im Laufe der Zeit aber habe sich das Moltkeviertel als zentrale Anlaufstelle herauskristallisiert.

Für Stachelhaus ein Glücksfall: „Ich rede gerne über Kunst und treffe gerne Kunstinteressierte. Zu Hause entstehen ganz andere Gespräche als in einer Galerie, die Atmosphäre ist lockerer.“ Auch für die Künstler sei die Plattform reizvoll – schließlich könnten sie auf diesem Weg zeigen, wie ihre Kunst im privaten Umfeld wirkt. Wen sie einladen, seine Kunst zu zeigen, suchen sich die Teilnehmer selbst nach ihrem Geschmack aus; ein Kuratorium gibt es nicht. Von renommierten Namen wie den Bildhauern und Konzeptkünstlern Reiner Ruthenbeck und Jáchym Fleig bis hin zu unbekannteren lokalen Künstlern reicht die Bandbreite bislang.

200 Besucher in einer Wohnung

„Uns war es immer wichtig, Abwechslung zu bieten“, sagt Stachelhaus. So war 2011 Anja Husmann mit ihren selbst geschnitzten Holz-Figuren zu Gast, nachdem Andrea Lehmann im Jahr zuvor ihre morbide Malerei gezeigt hatte. In diesem Jahr stellt mit Andy Scholz erstmals ein Fotograf seine Arbeiten in den vier Wänden der Familie Stachelhaus aus. „Seine Arbeiten erinnern mich an die düsteren Werke von David Lynch: So war Scholz in den USA unterwegs, um Fracking-Gebiete festzuhalten“, gibt Stachelhaus einen Ausblick. Auch in der Nachbarschaft gibt es eine Menge zu sehen: Radierungen und Malerei des mongolischen Künstlers Javkhlan Ariunbold zum Beispiel. Oder Konzeptkunst der gebürtigen Italienerin Marta Colombo, die in Zeichnungen, Collagen und Texten ihre Eindrücke von antiken römischen Städten mit der Moderne verbindet.

Dabei lockt natürlich nicht nur die Kunst in fremde Wohnungen, weiß auch Stachelhaus: „Viele neue Besucher klingeln zunächst schüchtern an. Am Ende überwiegt aber doch die Neugier. Einige wollen schlichtweg nur durchs Schlüsselloch schauen und wissen, wie wir wohnen.“ Mittlerweile habe sich die Veranstaltung nicht nur bei Kunstinteressierten in Essen herum gesprochen: 200 Besucher, so Stachelhaus, seien zuletzt über den gesamten Tag gezählt worden.

 
 

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