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Falsches Zugunglück – echter Einsatzwille

29.10.2012 | 00:08 Uhr
Falsches Zugunglück – echter Einsatzwille
Die Jugendfeuerwehr übt am Samstag, 27.10.2012 an der Hespertalbahn einen Einsatz mit dem Stichwort *Zugunglück mit Feuer*. Das Bild zeigt die Versorgung von Verletzten.

Das Erste, was man wahrnimmt, sind die Hilferufe. Erst beim Näherkommen sieht man auf den Gleisen die Verletzten. Ihre Gesichter und Hände sind verbrannt, einige sitzen apathisch wimmernd an der Böschung, andere irren desorientiert im fahlen Licht der Morgensonne über die Schienen. Es ist eine gespenstisch-realistische Szene, die die Jugendfeuerwehr für ihre Übung auf dem Gelände der Hespertalbahn in Kupferdreh vorbereitet hat: Zwei Züge sind zusammengeprallt, aus einem Waggon quillt weißer Rauch. 40 Verletzte, davon mehr als sechs schwer, warten auf ihre Rettung.

Die Frühsportler am benachbarten Baldeneysee-Rundweg radeln und joggen scheinbar unbeeindruckt vorbei, als die ersten Helfer mit schwerer Montur eintreffen. „Die Jugendlichen wissen nicht, was sie erwartet“, erklärt Einsatzleiter Dennis Ittrich. Gemeinsam mit der DLRG-Jugend, der Johanniterjugend und dem Jugendrotkreuz sind 220 Leute im Einsatz. Der ist besonders schwer: Neben der Versorgung der Verletzten muss auch noch ein Brand gelöscht werden.

Ganz still liegt Adrian unter dem Waggon. Seine klaffende Brustwunde wirkt täuschend echt. Besorgt beugt sich ein Helfer über ihn, tastet nach dem Puls, überprüft den Bewusstseinszustand, redet leise auf ihn ein. Holger Friedberg, Stadtjugendfeuerwehrwart beobachtet die Szene aus einiger Entfernung: „Schockbekämpfung ist genauso wichtig, wie die Erstversorgung“, sagt er. Dabei gilt die Regel: Wer laut schreit, kriegt noch Luft. Man schaut erst mal nach denen, die ruhig sind wie Adrian.

Inzwischen ist der Einsatz im vollen Gang, versuchen die jungen Feuerwehrleute, der chaotischen Lage Herr zu werden. Ein Verletzter läuft brüllend weg, wird eingefangen, reißt sich los, wird wieder gestellt und beruhigt. Szenen wie diese gibt es auch an realen Unfallorten. Hier ist Deeskalation gefragt. Auch das lernen die Jugendlichen. Eine weitere zentrale Herausforderung bei solchen Übungen ist die Koordination der zahlreichen Helfer, damit sie sich nicht gegenseitig im Weg stehen. Im Ernstfall kann so eine Chaosphase nur dann möglichst zeitlich begrenzt werden, wenn im Übungsfall die Abläufe klar gegliedert und entsprechend dargestellt werden.

Nur langsam dringen die Helfer zu den letzten Verwundeten vor. Denn gleichzeitig rollt ein Trupp die Schläuche aus, verbindet sie und beginnt, den Brand zu löschen. Ann-Christin Schluchtmann vom DLRG-Katastrophenschutz gönnt sich eine kurze Pause: „Diese Übungen sind sehr sinnvoll. Man nimmt viel mit“, ist die 24-Jährige überzeugt. Nach zwei Stunden ist der Unfallort vom Schrecken befreit, werden die Verletzten im Notfallzelt versorgt. Lukas ist nicht zufrieden. Verschwitzt und atemlos lehnt der 15-Jährige am Feuerwehrwagen. „Wir waren zu langsam. Manche Schwerverletzten mussten über eine halbe Stunde warten, bevor wir sie retten konnten.“ Holger Friedberg sieht das anders: „Angesichts der komplizierten Lage haben unsere Jugendlichen vorbildlich gehandelt. Wir sind begeistert“, resümiert er.

Vera Eckardt

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